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Die Datenlage wird immer besser

28.05.2001
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PHARMACON MERAN

Die Datenlage wird immer besser

PZ  Besonders in der Urologie haben die Phytopharmka ihren festen Platz. Dies liege vor allem am Verordnungsverhalten niedergelassener Mediziner, erklärte Privatdozent Dr. Markus Veit vom Zentralinstitut für Arzneimittelforschung in Sinzig. Entsprechende Präparate würden häufig zur unterstützenden Therapie, zum Beispiel bei leichten Harnwegsinfektionen oder dysurischen Beschwerden verschrieben. Harte klinische Daten konnte Veit jedoch nur für einige wenige Präparate vorstellen. Die Phytopahrmakahersteller seien aber inzwischen immer häufiger bereit, die Wirksamkeit ihrer Produkte mit klinische Studien zu untermauern.

Prinzipiell seien in puncto Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit an pflanzliche Arzneimittel die selben Anforderungen zu stellen wie an chemisch definierte Medikamente. "Die klinische Forschung mit Phytopharmaka unterscheidet sich von der mit anderen Arzneimitteln nur durch die Art und Natur des Wirkstoffs", stellte der Referent klar. Als Problem nannte er den ausgeprägten Placeboeffekt in Folge der ärztlichen und apothekerlichen Beratung, der besonders bei den pflanzlichen Urologika stark ins Gewicht falle.

Zur Durchspülungstherapie werden besonders Teemischungen verschrieben. Die meisten dieser Präparate sind von der Kommission E positiv monographiert. Allerdings fehlen überzeugende Wirksamkeitsbelege, die über den Effekt einer vermehrten Flüssigkeitsaufnahme hinausgehen.

Besonders schlecht sei die Datenlage bei pflanzlichen Arzneimitteln zur Harnwegsdesinfektion, sagte Veit. Allerdings hätten die Präparate auch kaum Bedeutung, da zahlreiche potente chemische Arzneimittel zur Verfügung stünden.

In diesem Zusammenhang informierte Veit über den Stand der Forschung bei Präparaten aus Bärentraubenblättern. Zwar konnten Wissenschaftler mit pharmakologischen Studien belegen, dass das Prodrug Arbutin schon im Gastrointestinaltrakt in das antibakteriell wirkende Hydrochinon umgewandelt und anschließend glucuronidiert wird. Den Beweis, ob die Substanz bei der renalen Elimination dann wieder zum Hydrochinon verstoffwechselt würde, sei die Wissenschaft aber bislang schuldig geblieben.

Als überzeugend stufte der Experte die Datenlage bei den Phytopharmaka gegen gutartige Prostatahyperblasie (BPH) ein. Seiner Meinung nach sei es sinnvoll, die BPH im frühen Stadium unterstützend mit pflanzlichen Arzneimitteln zu behandeln. Ein wichtiger Begleiteffekt: Der Betroffene müsse sich regelmäßig in der Apotheke mit dem Präparat versorgen, so dass dieser sich ein Bild über die Progression der Krankheit machen könnten. "Aber schicken Sie Ihre Patienten immer erst zum Arzt, bevor sie ein Präparat im Rahmen der Selbstmedikation verkaufen", warnte Veit.

Die klinische Wirksamkeit verschiedener Arzneimittel aus Sägepalmenfrüchten sei anhand mehrer placebokontrollierter Doppelblindstudien belegt, sagte der Referent. Positive Studienergebnisse dürften jedoch nicht beliebig von einem auf das andere Präparat übertragen werden. Er forderte in diesem Zusammenhang sein Auditorium auf, sich ein Bild über die aktuelle Datenlage zu den einzelnen Handelsprodukten zu machen.

Positive Studienergebnisse gebe es nicht nur für Sägepalmenextrakte, sondern auch für die Phytosterole und Kürbiskern-Extrakte. Als weniger überzeugend bezeichnete Veit die Datenlage bei den Extrakten aus der Brennnesselwurzel. Eine abschließende Bewertung sei noch nicht möglich. Gleiches gelte für Präparate aus Gräserpollen.

Es gibt genügend Daten die für die Phytopharmaka sprechen, resümierte Veit. Im Vergleich zu den chemisch definierten Arzneistoffen hätten die pflanzlichen Präparate nicht nur ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, sondern seien auch deutlich billiger.

Metaanalysen gelten auch in der Phytotherapie in puncto Wirksamkeitsnachweis als Goldstandard. Zu den pflanzlichen Präparaten gegen BPH liegen momentan drei solche Arbeiten vor:

  1. Wilt, T. J., et al., Saw palmetto extracts for the treatment of benign prostatic hyperbalsia. JAMA 280 (1998) 1604 - 1609.
  2. Wilt, T. J., et al., ß-Sitosterol for the treatment of benign prostatic hyperbalsia: a systemic review. BJU Int. 83 (1999) 976 - 983.
  3. Boyle, P. et al., Meta-analysis of clinical trials of permixon in the treatment of symptomatic benign prostatic hyperblasia. Urology 55 (2000) 533 - 539.

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