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Therapieerfolg bei Brustkrebs vorhersehbar

19.05.2003
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Tamoxifen

Therapieerfolg bei Brustkrebs vorhersehbar

von Christian Wetzler, Mainz

Durch gute klinische Wirkung und ein günstiges Nebenwirkungsspektrum hat sich Tamoxifen bei der Therapie des Mammakarzinoms bewährt. Nun untersuchten Wissenschaftler die Ursache für die recht häufig auftretende Resistenz und stießen dabei auf einen potenziellen prädiktiven Faktor.

Etwa jede zehnte Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens ein Mammakarzinom. Damit ist die Brustkrebserkrankung die häufigste Krebserkrankung der Frau. In Bezug auf die Sterblichkeitsrate nimmt der Brustkrebs aber nur den dritten Rang hinter dem Bronchial- und den kolorektalen Karzinomen ein. Und den neuesten Zahlen zufolge überleben nach Diagnose mittlerweile rund 65 Prozent der Brustkrebspatientinnen die kommenden 20 Jahre.

Diese erfreuliche Tendenz ist den Fortschritten bei der Früherkennung und Behandlung des Mammakarzinoms zu verdanken. Gute Erfolge bei der Bekämpfung des Brustkrebs werden bereits seit vielen Jahren mit dem Estrogen-Rezeptor-Blocker Tamoxifen erzielt. Der Wirkstoff schneidet den Tumor von seinem wichtigsten Wachstumsstimulus ab, dem weiblichen Sexualhormon Estrogen.

Verschrieben wird das Antiestrogen insbesondere in der Prämenopause bei rezeptorpositiven metastasierenden Mammakarzinomen, aber auch bei postmenopausalen Frauen. Der Rezeptorstatus ist der wichtigste prädiktive Faktor bei Brustkrebs. Gemeint ist das Maß der Expression des Estrogen-Rezeptors im Gewebe des Primärtumors: Nur bei positivem Status ist mit einer Sensitivität für endokrine Therapieformen zu rechnen. Bei rezeptornegativen Patientinnen sollte Tamoxifen hingegen nicht verabreicht werden, da hier die Chemotherapie aussichtsreicher ist.

Auf Grund seiner guten klinischen Wirkung und Verträglichkeit ist Tamoxifen auch zur Prophylaxe bei einem erhöhten Brustkrebsrisiko interessant. So beobachteten Mediziner im Rahmen einer großen klinischen Studie eine deutliche Risikoreduktion nach täglicher Einnahme von Tamoxifen. Auf Grund dieser Daten ist die Substanz zur Prävention des Mammakarzinoms in den USA zugelassen. In Deutschland ist Tamoxifen für diese Indikation noch nicht zugelassen.

Problemfall Tamoxifen-Resistenz

Ein großes Problem stellen allerdings Resistenzen dar. Denn nicht jede Hormonrezeptor-positive Brustkrebspatientin spricht auf Tamoxifen an. Bislang waren Mediziner und Wissenschaftler nicht in der Lage abzuschätzen, in welchen Fällen der Einsatz des Antiestrogens Sinn macht und in welchen nicht.

Ein Faktor, der eine Prognose zu Erfolg beziehungsweise Misserfolg einer Tamoxifen-Therapie zuließe, könnte nun gefunden sein. Die Wissenschaftler um Debra Tonetti von der University of Illinois in Chicago haben herausgefunden, dass dem Enzym Proteinkinase Ca (PKCa) offenbar ein bedeutender prädiktiver Wert zukommt.

Die PKC ist eine zentrale Schaltstelle bei zahlreichen intrazellulären Signalkaskaden. Dass diesem Enzym eine besondere Rolle bei der Entstehung von Brusttumoren zukommt, vermuteten Mediziner schon lange. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass die PKC-Enzymaktivität in malignem im Gegensatz zu normalem Brustgewebe erhöht ist.

Zudem konnte die Arbeitsgruppe von Tonetti bereits vor Jahren in Zellkulturstudien nachweisen, dass Brustkrebszellen, denen sie das PKCa-Gen übertragen hatten, nicht mehr auf Tamoxifen ansprechen und sich unbeeindruckt weiter teilten. Aus diesem Grund untersuchten die Wissenschaftler nun die Expression dieses Enzyms in Biopsiematerial von mit Tamoxifen-behandelten Frauen. Der einen Gruppe gehörten dabei Brustkrebspatientinnen an, die erneut an Brustkrebs erkrankten, die andere Gruppe hingegen überstand die kommenden fünf Jahre rezidivfrei.

In histologischen Schnitten zeigte sich, dass lediglich sieben Prozent der beschwerdefreien Patientinnen eine durchschnittliche PKCa-Expression aufwiesen. In den restlichen 93 Prozent fiel die Expression dieses Markers nur schwach aus oder war nicht nachweisbar. In der Gruppe mit den Patienten mit Tumorrezidiven hingegen wiesen 73 Prozent eine mittlere bis intensive PKCa-Färbung auf. Das galt sowohl für Biopsiematerial aus Primärtumoren als auch aus Rezidivtumoren.

Demnach ist die Expression dieses Markers offenbar bei Frauen mit einem hohen Risiko für eine erneute Brustkrebserkrankung besonders hoch. Zudem könnte die Produktion von PKCa ein Maß dafür sein, ob die Patientin auf Tamoxifen anspricht oder nicht. Dies berichten die Wissenschaftler nun in der aktuellen Ausgabe des British Journal of Cancer (Vol. 88, Seite 1400).

Allerdings gibt Tonetti zu bedenken: “Die Größe der Studie ist zu gering und das Patientinnenkollektiv in Bezug auf Alter und Tumorhistologie zu unterschiedlich, um endgültige Aussagen treffen zu können.“ Aus diesem Grund wollen die Forscher nun diese vorläufigen Ergebnisse im Rahmen einer groß angelegten klinischen Studie überprüfen. Top

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