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Alternative in der Asthmatherapie

14.04.2003
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Ciclesonid

Alternative in der Asthmatherapie

von Brigitte M. Gensthaler, München

Mit Ciclesonid befindet sich ein inhalatives Glucocorticoid in der Forschungspipeline, das bei Asthma-Patienten ähnlich gut wirkt wie etablierte Steroide, aber verträglicher sein könnte. Darauf hofft zumindest der Hersteller Altana Pharma. Ciclesonid in einem Hydrofluoralkan-Dosieraerosol befindet sich in Phase IIIb der klinischen Prüfung.

Der Arzneistoff ist ein Prodrug, das oral kaum bioverfügbar ist. Nach der Inhalation spalten Esterasen in der Lunge die Esterbindung in der Seitenkette an C-17 des Steroidgrundgerüsts. Dieser Metabolit ähnelt strukturell stark dem Budesonid. Da er eine 100fach höhere Affinität zum Glucocorticoidrezeptor hat als die Muttersubstanz, bezeichnet die Firma die Esterspaltung vollmundig als „On site-Aktivierung“.

Mehr als die Hälfte der inhalierten Dosis erreiche den bronchoalveolären Raum und verteile sich in den großen und kleinen Atemwegen, berichtete Professor Dr. Hubert Wirtz aus Leipzig bei einem Satellitensymposium anlässlich des Pneumologenkongresses Ende März in München. Nur ein Drittel lagere sich im Mund-Rachen-Raum ab, werde dort aber nicht oder kaum aktiviert. Im Blut hat Ciclesonid eine hohe Plasmaeiweißbindung. In der Lunge binde der aktive Metabolit intrazellulär an Glucocorticoidrezeptoren oder bilde Lipidkonjugate, die wie ein Depot wirken, erläuterte der Arzt. Nach dem Abtransport werde das Molekül in der Leber über verschiedene Cytochrom-Enzyme rasch abgebaut zu inaktiven Verbindungen, die sehr schnell eliminiert werden. Die circadiane Rhythmik des Serumcortisol-Spiegels wird durch Inhalation von 800 µg Ciclesonid nicht signifikant beeinflusst.

In einer Studie mit 360 Patienten mit mittelgradigem Asthma erhöhte die einmal tägliche Gabe von 100 oder 400 µg Ciclesonid die Lungenfunktion signifikant besser als Placebo. Nach 90 Tagen war die Hälfte der Patienten aus der Placebogruppe wegen mangelnder Wirksamkeit ausgeschieden, aber nur jeder fünfte Patient, der die höhere Verumdosis bekommen hatte, berichtete Professor Dr. Paul Schlimmer aus Marburg.

Die Inhalation kann morgens oder abends erfolgen. Eine Studie mit 209 Patienten zeigte, dass weder erwünschte noch unerwünschte Effekte durch den Zeitpunkt der Applikation deutlich beeinflusst werden. Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen Infektionen der oberen Atemwege, Asthma- und Bronchitis-Symptome. Zwei Patienten klagten über Stimmveränderungen; in keinem Fall wurde eine Candida-Infektion beobachtet.

In einer Vergleichsstudie, die Schlimmer vorstellte, inhalierten knapp 400 Patienten zwölf Wochen lang entweder 320 µg Ciclosonid oder 400 µg Budesonid einmal täglich abends. Die Lungenfunktion stieg in beiden Gruppen an; Symptome und Gebrauch einer Bedarfsmedikation nahmen in vergleichbarem Ausmaß ab. Top

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