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Hautkrebs

01.03.2004  00:00 Uhr

Hautkrebs

Gute Heilungsraten und wenig Narben

von Marion Hofmann-Aßmus, München

Die photodynamischen Therapie mit dem Wirkstoff MAOP in Kombination mit kaltem Rotlicht der Wellenlänge 630 nm bietet eine praktisch narbenfreie Behandlungsoption bei Basalzellkarzinomen. Die Zulassungserweiterung für die Behandlung des Morbus Bowen wird noch in diesem Jahr erwartet.

120.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Hautkrebs – Tendenz steigend. Noch immer unterschätzen viele die Kraft der Sonnenstrahlen und die Gefährlichkeit von Sonnenbrand. Mit lebensgefährlichen Folgen: Das Zuviel an Sonnenstrahlung fördert am gesamten Körper die krankhafte Veränderung der Zellen. Das unkontrollierte Wachsen der Hautzellen ist Auslöser des lebensbedrohlichen Hautkrebs. Das spinozelluläre Karzinom und Basalzellkarzinom (Basaliom) sind die häufigsten Tumoren des hellen Hautkrebs. Doch bevor sich der Krebs entwickelt, kann das krankhafte Wachsen der Zellen mit Hilfe der photodynamischen Therapie (PDT) gestoppt werden (Kasten).

Im Gegensatz zur Kryotherapie oder der Behandlung mit dem Zytostatikum 5-Fluorouracil blieben bei der PDT kaum Narben zurück, sagte Dr. Yves Zimmer, niedergelassener Facharzt für Dermatologie und Allergologie, auf einer von Galderma unterstützten Veranstaltung. Dies bestätigten auch alle bislang durchgeführten Studien, so sei der überwiegende Anteil der Patienten (96 bis 98 Prozent) mit dem kosmetischen Ergebnis sehr zufrieden. Zimmer empfahl, betroffene Stellen vor der Behandlung von anhaftenden Krusten und Schuppen beziehungsweise exponiertem Tumormaterial zu befreien, um eine optimale Penetration des Wirkstoffs zu ermöglichen. Wichtig sei zudem die Aufklärung der Patienten. Während der zehnminütigen Lichtbehandlung könne es zu brennenden oder stechenden Schmerzen kommen. Seiner Erfahrung nach hatten diese Schmerzen jedoch noch nie Anlass zum Abbruch der Behandlung gegeben.

 Die Heilungsraten nach einer PDT stimmen positiv, sagte Privatdozent Dr. habil. Holger Petering, leitender Abteilungsarzt der Nordseeklinik Norderney. Er stellte gepoolte Daten aus zwei Mono- und fünf Multicenterstudien vor. Sie zeigten bei 1277 Patienten mit Basaliomen eine fast 90-prozentige Heilungsrate. Ergebnisse aus gepoolten Daten von 792 Patienten mit aktinischer Keratose (AK), einer Vorstufe des spinozellulären Karzinoms, waren vergleichbar: Hier betrug die Heilungsrate ebenfalls nahezu 90 Prozent.

Petering sieht in der Behandlung mit MAOP verglichen dem Immunmodulator Imiquimod einige Vorzüge: So sei die Anwendungsdauer bei MAOP wesentlich kürzer und die Entzündungsreaktionen fielen erheblich milder aus. Zudem sei heller Hautkrebs eine zugelassene Indikation für die Metvix-PDT, während bei der Imiquimod-Behandlung der Arzt das Risiko trage.

 Eine offene klinische Studie überprüft derzeit die Anwendung der PDT bei Morbus Bowen. Dabei handelt es sich um ein intraepidermales Stachelzellkarzinom der Haut oder Schleimhaut, zunächst ohne Metastasierung. Vorläufige Resultate dieser randomisierten, placebokontrollierten Multicenterstudie mit Metvix seien viel versprechend. Eine entsprechende Zulassung für Deutschland wird noch in diesem Jahr erwartet.

Zwar übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten von knapp 400 Euro nicht. Dennoch urteilten die anwesenden Fachleute auf Grund der vorliegenden Erfahrungen und Studienergebnisse, dass sich die PDT inzwischen vom experimentellen Stadium zum Standard entwickelt habe.

 

Photodynamische Therapie (PDT) mit MAOP und Aktilite Bei der PDT werden die veränderten Hautstellen mit Licht zerstört. Die betroffenen Hautstellen werden deshalb zu Beginn der Behandlung für rotes Licht sensibilisiert. Dazu trägt der Dermatologe eine Creme mit dem Wirkstoff Methyl-(-5-amino-4-oxopentanoat) auf, kurz MAOP genannt.

MAOP ist ein Prodrug der Aminolävulinsäure (ALA), die bislang zur photodynamischen Therapie von Hautkrebs eingesetzt wurde. Deren hydrophile Säuregruppe (COOH) wurde mit einer Methyl-Gruppe (CH3) verestert. Diese Modifizierung ermöglicht MAOP ein rascheres und selektiveres Eindringen in das neoplastische Gewebe als ALA. Die Selektivität von MAOP für Tumorzellen betrage 9 : 1 gegenüber normaler Haut, berichtete Professor Dr. Lasse Roger Braathen, Direktor der Dermatologischen Klinik in Bern, auf einer von Galderma unterstützten Veranstaltung. Die raschere Aufnahme beruhe darauf, dass MAOP als apolarer Ester sowohl durch aktiven Transport als auch durch Diffusion ins Zellinnere gelangen kann, während die polare Säure ALA immer von einem Carrier in die Zelle transportiert werden muss.

 Durch die Bestrahlung mit kaltem Rotlicht mit einer Wellenlänge von 630 nm (Aktilite®) wird MAOP zum eigentlichen Lichtsensibilisator Protoporphyrin IX (PP9) metabolisiert. Da nicht ausreichend Enzym zur Weiterverarbeitung bereit steht, reichert sich das photoaktive PP9 zudem in den Tumorzellen an. Durch Lichtaktivierung bildet sich in neoplastischem Gewebe aus Sauerstoff Singulett-Sauerstoff, der zelltoxisch wirkt. Infolgedessen werden die entarteten Hautzellen durch Apoptose und/oder Nekrose zerstört. Top

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