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Weihrauch im Apothekenlabor

06.03.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Weihrauch im Apothekenlabor

von Elke Hahn-Deinstrop, Eckental, und Angelika Koch, Hamburg

Alle sprechen vom Weihrauch, viele schätzen seine heilende Wirkung, aber eine einfache verlässliche Vorschrift zur Identifizierung der so zahlreich angebotenen Weihrauchharzen fehlte bislang.

Welchen Platz das Weihrauchharz auf dem Arzneimittelmarkt einnimmt, ist noch nicht klar zu erkennen. Weihrauch-Tabletten, wie zum Beispiel das Präparat H15, streben eine Zulassung als Arzneimittel an. Andere Zubereitungen werden als Nahrungsergänzung angeboten, wobei der Beipackzettel so geschickt formuliert ist, dass der Verbraucher glaubt, ein wirksames und gut untersuchtes Arzneimittel vor sich zu haben.

Als Arzneimittelfachmann sollte der Apotheker in der Lage sein, die Spreu vom Weizen zu trennen. Doch in den sonst so verlässlichen Arzneibüchern findet er keine Hilfe, denn die Monographie im Ergänzungsbuch 6 über Olibanum datiert aus dem Jahre 1941.

Die Dünnschicht-Chromatographie ist das geeignete Instrumentarium im Apothekenlabor, um schnell und einfach einen Fingerprint des Harzes oder der Tablette zu erstellen. Die pharmakologischen Forschungen im Arbeitskreis von Professor Dr. Hermann P.T. Ammon, Tübingen, führten zu dem Ergebnis, dass die im Weihrauchharz enthaltenen Boswelliasäuren für die 5-Lipoxygenasehemmung verantwortlich gemacht werden können. Die "Qualität" des Harzes wäre in dieser Hinsicht an das Vorhandensein dieser Säuren gebunden. Da Vergleichssubstanzen nicht im Handel erhältlich sind, zeigen wir mit dieser Arbeit eine Möglichkeit auf, den Nachweis der Säuren dennoch führen zu können.

Bei den pharmakologisch wirksamen Säuren handelt es sich um b-Boswelliasäure (BA), Keto- b-Boswelliasäure (KBA) und die jeweiligen Acetate (ABA und AKBA).

Die beiden Ketosäuren zählen zu den wirksamsten und damit zur Zeit auch zu den "wertbestimmenden" Inhaltsstoffen des Harzes. Ihr Nachweis ist daher am wichtigsten und erfreulicherweise auch am einfachsten. Durch die Struktur des ungesättigten Ketons sind sie im kurzwelligen UV-Licht als fluoreszenzmindernde Zonen leicht zu erkennen. Die Zone der KBA liegt bei einem Rf-Wert von 0,18. Die meist etwas stärkere Bande bei einem Rf-Wert von 0,28 ist dem Acetat (AKBA) zuzuordnen.

Etwas aufwendiger ist der Nachweis der b-Boswelliasäure und ihrem Acetat. Beide können erst nach der Derivatisierung im Tageslicht als farbige Zonen sichtbar gemacht werden.

Als Leitsubstanz zur Markierung der Acetate der Boswelliasäuren eignet sich das Cholesterol oder Sitosterol (Rf 0.38). Es färbt sich mit dem Anisaldehyd-Reagenz graublau, die Boswelliasäuren dagegen eher rotviolett. Man kann erkennen, dass sowohl BA (Rf 0,28) als auch ABA (Rf 0,38 bis 0,39) von Substanzen umgeben sind, die vermutlich weiteren Triterpen(säure)derivaten zuzuordnen sind.

Experimenteller Teil

Probelösungen: Die Harze und die Tabletten, die einen Gehalt von 400 mg Harzextrakt aufweisen sollen, werden gepulvert und zur Herstellung einer 5-prozentigen Lösung mit Diisopropylether auf dem Ultraschallbad 30 Minuten extrahiert und dann zentrifugiert. Der klare Überstand wird zur Chromatographie verwendet.

Als Proben kommen zum Einsatz:

  • O1: Olibanum in granis (Caelo) aus Boswellia carteri
  • Osch1: Olibanum in granis aus Boswellia carteri, gute helle Qualität
  • Osch2: Olibanum in granis aus Boswellia carteri, alte dunkle Qualität
  • BCF: Muster von Boswellia carteri, helle Qualität
  • Oom: Muster, deklariert als Oman-Ware, sehr helle Harztropfen
  • BSSch: Muster von Boswellia serrata, sehr schmutzige kleine Harzstücke
  • BSF: Boswellia serrata, kleine helle und dunkle Harzstücke
  • H15: Originaltablette aus einem Extrakt von Boswellia serrata
  • BSB: Muster von Boswellia serrata
  • Ma: Mastix in lacrimis DAB 6 (Klenk), hellgelbe kleine Harzstücke
  • Da: Dammar (Caelo), blassgelbe große Harzstücke
  • TB: Terebinthina communis DAB 6 (Caelo), sirupartig bis fest
  • TL: Terebinthina laricina Ph.Helv.8 (Caelo), sirupartig
  • RP: Resina Pini burgundica (Caelo), große gelbe Stücke (circa 5 cm)

Als Vergleichslösungen werden je 1 mg Cholesterol (Reagenz Merck) und b-Lupeol (Roth) in 5 ml Methanol gelöst.

Zudem werden von aus O1 isolierte Substanzen b-Boswelliasäure und 11-Keto- b-boswelliasäure je 1mg in 5ml Methanol gelöst.

Chromatographische Bedingungen

Sorbentien: HPTLC-Fertigplatten LiChrospher Merck Art. 1.15445 Kieselgel 60254, Schichtdicke 0,2mm, 20x10cm, geschnitten auf 10x10cm; HPTLC-Fertigplatten Merck Art. 1.0 5635 Kieselgel 60254, Schichtdicke 0,2mm, 10x10cm.

Chromatographie: vertikale Entwicklung ohne Kammersättigung oder vertikale Entwicklung im Baron DC-Lift II. Die Platte wird dabei automatisch nach der eingestellten Entwicklungszeit aus der Kammer gehoben und ein Weckton erinnert an die Laborarbeit.

Von Proben und Vergleichslösungen werden je 0,5µl/5mm bandförmig mittels DESAGA AS30 Auftragegerät oder per Hand mit Hilfe von Microcaps aufgetragen. Da es schwierig ist, so geringe Mengen per Hand bandförmig aufzutragen, empfiehlt es sich, die Lösungen entsprechend zu verdünnen, um über die gesamte Länge von 5 mm gleichmäßig Punkt an Punkt setzen zu können. Die Auftragezone sollte so schmal wie möglich sein.

Als Fließmittel dient ein Gemisch aus Toluol, Ethylacetat, wasserfreier Ameisensäure und Heptan im Verhältnis 8 + 2 + 0,3 + 1 (V/V). Die Trennstrecke beträgt 7 cm. Bei Raumtemperatur von 18,5 °C und einer relativen Feuchte von 70 Prozent wird circa 14 Minuten (HPTLC LiChrosher) beziehungsweise 22 Minuten (HPTLC) entwickelt.

Anschließend sollte man das Fließmittel gut abdunsten lassen. Die Fluoreszenzminderung ist im UV-Licht mit 254 nm sichtbar. Zur Derivatisierung der im Tagelicht sichtbaren Zonen dient Anisaldehyd-Schwefelsäure-Reagenz (Tauchkammer), anschließend wird auf 105 bis 110 °C erhitzt.

GLOSSAR

Pflanzliche Harze sind nichtflüchtige, lipophile und amorphe Stoffgemische aus Di- und Triterpenderivaten sowie Phenylpropankörperderivaten. Die Derivate mit Säurecharakter bezeichnet man als Harzsäuren oder Resinoesäuren, die Alkoholderivate als Harzalkohole oder Resinole und die Esterderivate als Harzester oder Resine. Harze sind häufig in ätherischen Ölen gelöst, dann bezeichnet man sie als Balsame oder Oleoresine. Sind den Harzen auch Schleimstoffe und Gummen beigemengt, so handelt es sich um Gummiharze.

Weihrauch oder Olibanum zählt zu den Gummiharzen , die aus verschiedenen Arten der Gattung Boswellia, Familie der Burseraceae, durch Einschneiden der Baumrinden gewonnen werden. Die Handelsqualitäten, die über den Apothekengroßhandel zu beziehen sind, stammen vorwiegend von den (somalischen) Arten Boswellia carteri Birdw., Boswellia frereana Birdw. und der südarabischen Art Boswellia sacra Flueck. Aus Indien stammt eine weitere Gummiharzsorte, die von Boswellia serrata Roxb. gewonnen wird und die Bezeichnung Indischer Weihrauch oder Salaigugul trägt. Sie ist nun auch über verschiedene Händler zu beziehen.

Anschrift der Verfasserinnen:
Elke Hahn-Deinstrop
Kleingeschaidter Straße 23
90542 Eckenthal

Dr. Angelika Koch
Frohmestraße 14
22457 Hamburg
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