Pharmazeutische Zeitung online

Pflegetipps gegen trockene Haut

03.01.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagDERMATIKA

Pflegetipps gegen trockene Haut

von Ursula Kindl , Baldham

Ursachen für trockene Haut sind neben einer genetischen Disposition und verschiedenen Erkrankungen häufig exogene Faktoren wie Umwelteinflüsse oder falsche Pflegemaßnahmen. Vor allem durch den Gebrauch ungeeigneter Dermokosmetika kann sich das Hautbild deutlich verschlechtern.

Gründe für die Auswahl ungeeigneter Pflegeprodukte sind einmal die falsche Interpretation des Begriffs "trocken", zum anderen beurteilen viele Menschen ihren Hauttyp nicht genau.

Das Gegenteil von trocken ist in unserem Sprachgebrauch feucht und wird deshalb folgerichtig mit einem Mehrbedarf an Wasser gleichgesetzt. Leichte feuchtigkeitsspendende Emulsionen werden zur Pflege bevorzugt, also in der Regel O/W-Emulsionen mit hohem Wasseranteil. Der kurzzeitig auftretende Kühleffekt scheint zu bestätigen, das richtige Produkt gewählt zu haben.

Der Nachteil dieser Zubereitungen: Sie haben keine Okklusionseffekt, bei einem Mangel an Feuchthaltesubstanzen in der Formulierung werden natürliche Feuchthaltefakoren (NMF) aus der Hornschicht gelöst, was zu einem erhöhten transepidermalen Wasserverlust (TEWL) führt. Die Haut trocknet verstärkt aus, nach kurzer Zeit verleitet ein Spannungsgefühl dazu, nachzucremen. Damit beginnt ein Teufelskreis. Klagt eine Kosmetikanwenderin über ein Spannen der Haut kurz nach dem Eincremen, sollte der Apotheker die Zusammensetzung ihrer Pflegeprodukte überprüfen.

Ein zweiter Grund für die Auswahl ungeeigneter Pflegeprodukte ist das falsche Verständnis des Begriffs "Hauttyp", der für viele Kosmetikanwenderinnen einen dauerhaften Zustand von der Geburt bis zum Tod bedeutet. Umwelteinflüsse, die berufliche Tätigkeit, der Jahreszeitenwechsel werden ebensowenig bei der Pflege berücksichtigt wie hormonelle Einflüsse oder eventuelle Erkrankungen. Der Apotheker sollte deshalb bei der Beratung nicht nur den aktuellen Hautzustand der Kundin, sondern stets auch ihre individuellen Bedürfnisse beachten.

Unter dem Begriff Hautpflege subsummiert man die Schritte Reinigen, Tonisieren, Pflegen und Schützen.

Einmal Duschen täglich genügt

Jede Reinigungsmaßnahme, ob mit Wasser allein oder mit waschaktiven Substanzen, stört die Hautbarriere. Deshlab gilt folgende Leitlinie: Einmal täglich duschen genügt. Dabei sollte die Wassertemperatur möglichst niedrig und die Duschzeit kurz sein. Menschen mit sehr trockener Haut sollten sich besser nur jeden zweiten Tag gründlich reinigen.

Die Verträglichkeit der Reinigungssubstanzen hängt von Art und Konzentration der Tenside ab. Folgende Eigenschaften sind wichtig: Die Produkte sollten hautfreundlich sein (minimales Entfettungs-Austrocknungs- und Irritationspotential), sich gut abspülen lassen und eine hohe Reinigungskraft besitzen. Die Hautfreundlichkeit kann durch die Kombination mit Cotensiden oder Zusätze wie Proteinhydrolysate und Rückfetter erhöht werden. Wichtig ist in jedem Fall ein sparsamer Gebrauch.

Erst reinigen, dann baden

Ein warmes Vollbad soll nicht der Reinigung, sondern nur der Pflege und dem Wohlbefinden dienen. Das heißt, zuerst duschen und dann in die Wanne legen. Verboten sind austrocknende Badezusätze wie Schaumbäder oder Badetabletten. Am ehesten eignen sich Ölbäder ,wobei zwischen spreitenden Badezusätzen ohne Tensidzusatz und emulgierenden mit Tensidzusatz unterschieden wird. Erstere bilden auf der Wasseroberfläche einen dünnen Film, der beim Verlassen der Wanne auf die Haut aufzieht. Die Kombination von Hydratisierung und Rückfettung trägt entscheidend zur Pflege bei.

Folgende Hinweise bei Anwendung eines Ölbades sind nützlich: die Wassertemperatur nicht zu hoch wählen, nach dem Bad nicht abtrocknen, sondern nur trocken tupfen. Und bei älteren Leuten nicht vergessen: Es besteht erhöhte Rutschgefahr nicht nur in der Wanne, sondern auch mit nassen, ölbedeckten Füßen auf Badezimmerfliesen.

Alle Ölbäder können auch als Duschbäder verwendet werden .Hierbei wird die Formulierung auf der feuchten Haut verrieben und danach kurz abgebraust; auch hier nur trocken tupfen und nicht abrubbeln. Emulgierende Ölbäder oder entsprechende Duschbäder sind vor allem für die morgendliche Dusche geeignet, da sie wegen der geringeren Rückfettung die Wäsche weniger verschmutzen.

Zur Reinigung der empfindlichen Gesichtshaut sollten keine reinen Syndets sondern spezielle Produkte wie Reinigungsemulsionen, hydrophile Öle oder adsorptive Reinigungspräparate wie Kleie verwendet werden. Da Reinigungsmittelreste die Haut reizen können, müssen in jedem Fall gründlich mit Wasser abgespült oder mit Gesichtswasser entfernt werden.

Eine dermabrasive Reinigung (Seesand, Polyethylengranula) oder sogenannte Tiefenreinigung (enzymatische oder chemische Reinigung) sollte bei diesem Hautzustand nur im begründeten Fall angewendet werden.

Zum Tonisieren, also der Nachbehandlung mit einem Gesichtswasser, sollten Menschen mit trockener Haut nur alkoholfreie Tonika verwenden. Die Auswahl der Wirkstoffe richtet sich nach den Bedürfnissen der Haut. Geeignet sind Feuchthaltemittel oder beruhigende und entzündungshemmende Substanzen.

Vorsicht ist bei Gesichtswassersprays geboten. Wird die Flüssigkeit wiederholt aufgesprüht und bis zum Verdunsten auf der Haut belassen - diese Maßnahme ist für den gewünschten Kühleffekt nötig - lösen sich die NMF aus der Hornschicht und die Haut trocknet stärker aus.

Nach dem Reinigen sofort pflegen Die Haut sollte möglichst schnell nach der Reinigung gepflegt werden, um den gestörten Hydrolipidfilm und eine mangelhafte Barriere schnell zu regenerieren.

Geeignet sind W/O-Emulsionen, multiple Emulsionen oder Zubereitungen aus Liposomen. Auch reine Fettgrundlagen eignen sich für die Körperpflege. Es sind oft Mischungen aus synthetischen, pflanzlichen oder mineralischen Ölen. Ihr Vorteil: Sie enthalten keine Emulgatoren und Konservierungsstoffe. Nachteilig: Es fehlen Wasser und Feuchthaltesubstanzen.

Neben der Eigenwirkung der Grundlage steigern vor allem Feuchthaltesubstanzen das Wasserbindevermögen der Hornschicht. Von Bedeutung sind Mischungen aus Bestandteilen des natürlichen Feuchthaltefaktors (NMF), Glycerol, Propylenglykol, Sorbitol, Hyaluronsäure, Vitamin E, Panthenol, Collagen, Elastin und Harnstoff. Für kosmetische Zubereitungen genügt eine Harnstoff-Konzentration von 5 Prozent. Vor allem bei Kindern oder irritierter Haut sollte dieser Wert wegen eines möglichen „stinging„-Effektes nicht überschritten werden.

Für therapeutische Zwecke werden Konzentrationen von 10 Prozent und mehr eingesetzt. Hier wirkt Harnstoff auch schuppenlösend und juckreizstillend. Beachtet werden sollte auch, dass die Wirkung harnstoffhaltiger Zubereitungen entscheidend von der Grundlage abhängt.

Zusätzliche Pflege

Als zusätzliche Pflegemaßnahme bei trockener Haut eignen sich Gesichtsmasken. Es dürfen nur weich bleibende Crememasken verwendet werden, also solche, die nach der Einwirkzeit geschmeidig bleiben. Durch die Okklusion wird die Hornschicht stark hydratisiert. Die Masken werden danach mit Zellstofftüchern abgenommen oder abgewaschen und die Haut mit einem Gesichtswasser nachgereinigt und eingecremt.

Bei der Auswahl von Augencremes gilt es die besonderen Bedürfnisse der Kundin zu berücksichtigen. Damit die Wimperntusche nicht verläuft, sind tagsüber lipidärmere Präparationen und nachts lipidreichere zu bevorzugen. Ist die Augenpartie morgens geschwollen, sind eher Gelpräparate angebracht.

Lippenpflegestifte wie Balsame auf O/W-Basis oder Pflegestifte wirken deshalb oft nicht, weil sie viel zu selten angewendet werden. Ein guter Tipp ist, das Produkt ständig bei sich zu führen, es nach jedem Essen oder Trinken zu erneuern und vor allem immer dann aufzutragen, wenn man sich ertappt, die Lippen mit der Zunge ablecken zu wollen. Dieser Hinweis ist besonders bei Kindern angebracht.

Schutz besonders wichtig Trockene Haut muß besonders gut vor Sonne, Kälte sowie chemischen und physikalischen Noxen geschützt werden. Große Bedeutung hat der Sonnenschutz. Neben einem hohen Lichtschutzfaktor, der sowohl den UVB als auch UVA-Bereich abdeckt, ist die Auswahl geeigneter Grundlagen wichtig. Hierbei gelten die selben Kriterien wie bei Gesichts- oder Körperpflegeprodukten. Für einen Badeurlaub sind wasserfeste Produkte sinnvoll. Bei lichtinduzierten Hauterkrankungen, wie zum Beispiel der Mallorca Akne, sollten keine Hydrogele, sondern besser Hydrodispersionsgele, Liposomenzubereitungen oder Präparate mit hohem UVA-Schutz ausgewählt werden. Zusätze von Radikalfängern sind sinnvoll. Im Hinblick auf einen möglichen Wärmestau nach dem Sonnenbad sollten Verbraucher als Après-Produkte O/W-Emulsionen vorziehen.

Als Kälteschutz eignen sich lipidreiche, wasserarme Externa mit reichlich Feuchthaltefaktoren; beim Wintersport auch reine Lipogele, die allerdings bei längerem Aufenthalt in geheizten Räumen wegen der Gefahr eines Wärmestaus entfernt werden sollten.

Der Schutz vor chemischen und physikalischen Noxen betrifft in der Regel die Hände. Kommen diese häufig mit Wasser oder auch Lösungsmitteln in Kontakt, gilt es sie durch geeignete Handschuhe zu schützen, unter denen in jedem Fall Baumwollhandschuhe getragen werden sollten. Geeignet sind auch hydrophobe Hautschutzpräparate, wie zum Beispiel Lipogele. Zur Reinigung dienen mit Rückfettern versehene Syndetlösungen, wie Handwaschöle.

Nur bei starker Verschmutzung dürfen Präparate mit Reibemitteln verwendet werden, wobei auf die Korngröße und die Beschaffenheit der festen Teilchen zu achten ist. Pflegepräparate für die Hände sollten lipidreich sein, schnell einziehen und möglichst keinen Fettfilm hinterlassen.Top

© 1999 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa