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Ärzte erneuern Empfehlungen zur Diabetestherapie

04.11.2002  00:00 Uhr

Ärzte erneuern Empfehlungen zur Diabetestherapie

von Daniel Rücker, Bad Nauheim

Ärzte sollen bei der Behandlung von Typ-2-Diabetiker bevorzugt Metformin und Glibenclamid verordnen. Bei übergewichtigen Patienten sei Metformin Mittel der Wahl, bei normalgewichtigen Diabetikern Glibenclamid, erläuterte Friedrich-Arnold Gries, Mitglied der Arzneimittelkommission der Ärzte (AkdÄ), am 30. Oktober in Bad Nauheim die überarbeiteten Empfehlungen des Expertengremiums. Besteht eine Kontraindikation gegen Metformin, sollten Sulfonylharnstoffe eingesetzt werden.

Weitere Therapieoptionen sind a-Glucosidase-Hemmer, Insulin und Glinide. Allerdings liegen außer für Insulin keine Wirksamkeitsnachweise anhand klinischer Endpunkte vor, so die Kommission. Und auch Insulin bringe als Monotherapie bei zuvor unbehandelten Patienten keine signifikanten Vorteile gegenüber Metformin und Glibenclamid. Die Empfehlungen basieren im Wesentlichen auf den Ergebnissen der UKPDS- und der Kumamoto-Studie.

In der UKPDS-Studie konnten Glibenclamid, Metformin, Acarbose und Insulin den HbA1C-Wert im Vergleich zur konventionellen Therapie mit Diät im ersten Jahr um rund 10 Prozent senken. Unter Glibenclamid und Insulin sank zudem die Rate der mikroangiopathischen Komplikationen. Die Zahl der Schlaganfälle und Myokardinfarkte konnten dagegen nicht reduziert werden.

Sollte der HbA1C-Wert nach dreimonatiger Therapie über 7 Prozent liegen, empfiehlt die AkdÄ ein zweites perorales Antidiabetikum oder Insulin. Neben a-Glucosidasehemmern, Gliniden und Sulfonylharnstoffen stehen auch Glitazone auf dieser Liste. Allerdings seien für diese Stoffgruppe eindeutige Aussagen zum klinischen Nutzen und dem therapeutischen Stellenwert noch nicht möglich, sagte Gries. Erschwerend kämen zum Teil schwerwiegende unerwünschte Wirkungen hinzu. Die AKdÄ rät auch von der häufig angewendeten Kombination von Glibenclamid und Metformin ab. Neuere Studien hätten gezeigt, dass dieses Duo die Gesamtmortalität und diabetesbezogene Mortalität negativ beeinflussen kann.

Sollte der HbA1C-Wert auch in diesem Therapiestadium nach drei Monaten über 7 Prozent liegen, empfiehlt die AKdÄ grundsätzlich eine Insulinbehandlung. Dabei kann Insulin mit peroralen Antidiabetika kombiniert werden.

Grundsätzlich sei die Pharmakotherapie aber die zweite Option, erklärte Gries. Am Anfang der Behandlung stünden nicht medikamentöse Behandlungsstrategien wie Schulung, Ernährungstherapie, Gewichtsreduktion und Bewegung. Bleiben die HbA1C-Wert trotzdem über 7 Prozent, seien Arzneimittel indiziert.

Die vollständigen Therapieempfehlungen der AKdÄ zu Diabetes und zahlreichen anderen Erkrankungen finden sie auf der Homepage der Arzneimittelkommission unter www.akdae.de. Top

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