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Bessere Qualität in der Betreuung diabetischer Patienten

06.11.2000
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STUFENKONZEPT

Bessere Qualität in der Betreuung
diabetischer Patienten

von Manfred Krüger, Krefeld

Den Landesapothekerkammern liegt jetzt das Stufenkonzept zur Umsetzung der Einbindung der Apotheker in die Diabetikerversorgung vor.

Apotheken sind mit ihrem Liefer- und Beratungsangebot ein wichtiger Bestandteil in der Versorgung von Diabetiker. Die heutige Versorgungssituation, die rapide steigende Zahl der Diabetiker und die vielen Erkrankungen, die nicht oder zu spät erkannt werden, erfordern dringend, die Intensität, aber auch die Qualität der Betreuung auf allen Ebenen schnell und effektiv zu verbessern.

Von ärztlicher Seite werden hierzu durch diabetologisch tätige Hausärzte und Schwerpunktpraxen, Diabetes-Fachkliniken und Fußambulanzen erhebliche Anstrengungen unternommen. Die Krankenkassen erwarten nachvollziehbare Belege für qualitätsbewusste, effektive und kostengünstige Versorgung ihrer Versicherten im Vergleich zu Mitkonkurrenten, gerade im Hilfsmittelmarkt.

Ein intensives Fort- und Weiterbildungsangebot der Landesapothekerkammern und -verbände in vielen Landesteilen belegt das Interesse und Engagement der Apothekerschaft. Die zahlreichen Aktivitäten, auch von anderen Anbietern, machen es nötig, Richtlinien zu erarbeiten, die für Fortbildung und Umsetzung in die Apothekenpraxis einen gemeinsamen Rahmen bilden.

Als Ergebnis der Gespräche der Bundesapothekerkammer mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Diabetes Union (DDU) liegt ein gemeinsames Statement vor, das die Möglichkeiten und Grenzen des Apothekers in der Pharmazeutischen Betreuung diabetischer Patienten und in der Gesundheitsberatung von Risikopersonen aufzeigt. Gleichzeitig bildet das Programm der Intensiv-Diabetes-Fortbildung die Richtschnur für die Ausbildungsinhalte. Eine schnelle und qualitätsbewusste Umsetzung ist mit einem Stufenkonzept zu erreichen. Diese hat die BAK übernommen und es liegt allen Landesapothekerkammern vor.

Ziel des Stufenkonzeptes ist es, die Fortbildungsinhalte, Informationen und Angebote des Diabetesmarktes möglichst schnell und effektiv in der eigenen Apotheke anhand detaillierter Handlungsanweisungen umzusetzen. Die erarbeiteten und erreichten Qualifizierungen sind nahtlos in die nächste Stufe integrierbar und bauen aufeinander auf. Einzelne Bausteine können je nach Qualifizierung und Möglichkeiten eigenständig umgesetzt werden.

Die Startdokumentation

Die Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen der Diabetikerbetreuung umfassen im wesentlichen drei Bereiche:

  • Einrichtung eines adäquaten Raum- und Materialangebotes,
  • Aufbau einer Beratungs- und Betreuungskompetenz und
  • Dokumentation

Alle drei Bereiche werden in einem Fragebogen, den sie im perforierten Teil dieser Ausgabe finden, genau abgefragt und in der Startdokumentation festgehalten. Die Apotheke soll für alles sensibilisiert werden, was für die Betreuung des Diabetikers nützlich und notwendig ist, ohne die wirtschaftlichen und lokalen Gegebenheiten zu missachten. Überflüssiges und Lücken sollen erkannt sowie Stärken bewusst gemacht werden.

Die Antworten können aber auch einen Eindruck vermitteln, inwieweit sich die Aufmerksamkeit schon durch Kontakte und Kooperationen mit Ärzten, Selbsthilfegruppen und Ähnliches nach außen richtet. Das Ergebnis ist zunächst eine Momentaufnahme der Situation im Umfeld der einzelnen Apotheke, entwickelt sich aber mit den Anregungen und Erfahrungen aus der Fortbildung zur Grundlage für notwendige Entscheidungen und Veränderungen.

Der Vergleich mit den Ergebnissen anderer Apotheken gibt Aufschluss über die Positionierung der eigenen Apotheke. Eine anonyme und freiwillige Befragung auf zuständiger Kammerebene würde den Vergleichswert erhöhen. Eine regelmäßige Wiederholung gibt Hinweise über Fort- oder Rückschritte.

Die Stufe 1

Den Kernbereich der Versorgung und Betreuung der Diabetiker bilden die Hilfsmittel und Arzneimittel. Hier soll der Diabetiker vom pharmazeutischen Personal kompetent und informativ beraten und versorgt werden. Die Handlungsanweisungen sind Hilfestellungen und nützliche Tipps für den Ablauf und Inhalt dieser Beratung.

Die wiederkehrenden Schemata erleichtern die Orientierung und Umsetzung. Allerdings ist nicht alles sofort realisierbar und auch in der Erstberatung nicht sinnvoll. Im Zentrum steht stets der Patient und seine adäquate Versorgung. Er wird als handelnde Person bewusst integriert. Erst dabei zeigen sich oft Begrenzungen, Unverständnis, Fehler und Probleme. Diese Art von Beratung und Betreuung soll den Patienten sicherer machen und stärken.

Die Dokumentation hilft Prozesse über längere Zeiträume zu verfolgen, gibt Überblick über bereits Geleistetes und noch offene Aufgaben, zeigt wirtschaftlichen Erfolg und eingebrachten Aufwand. Ohne sinnvolle und gezielte Vorarbeit ist dies nicht umsetzbar. Die Angebotspalette "meiner" Apotheke muss stehen. Die Verantwortlichen müssen benannt und geschult sein. Die Fortschreibung und Weiterentwicklung muss von Anfang an implementiert werden.

Die Apotheke entwickelt sich so zu einer festen Anlaufstelle für den Diabetiker, in der er auch die wichtigsten Informationen rund um sein Thema Diabetes erfahren kann: die Apotheke fungiert als Infobörse.

Die Stufe 2

Die Aufgaben für die Apotheke in der Pharmazeutischen Betreuung diabetischer Patienten und der Gesundheitsberatung von Risikopersonen sind vielfältig und aufwendig. Eine bewusste Entscheidung für eine Schwerpunktlegung in diesem Bereich ist zu treffen. Einrichtung und Personal müssen darauf abgestimmt und trainiert sein. Das Programm der Intensiv–Diabetes–Fortbildung vertieft das nötige Basiswissen; Übungen und Praktika ermöglichen konkrete Erfahrungen. Erfolgreich ist dies nur umzusetzen, wenn Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen, die Qualität der Versorgung und Beratung die Diabetiker überzeugen und eine messbare Besserung erreicht wird.

Dies muss in enger Abstimmung mit den für die Diagnose, Therapie und Schulung verantwortlichen Ärzten geschehen. Die Analyse des Ist-Zustandes, bestätigt durch die tagtägliche Erfahrung, macht deutlich, dass die sich gegenseitig ergänzende Tätigkeit für den Erfolg zwingend notwendig ist.

So ist die Kommunikation und Kooperation mit Arzt und Patient, aber auch mit den Selbsthilfegruppen und anderen Berufen vor Ort, aufzubauen und zu intensivieren. Gemeinsame Arbeitsgruppen und Qualitätszirkel ermöglichen es, sich auszutauschen sowie neue Konzepte zu planen und umzusetzen.

Durch qualifiziert durchgeführte Screenings in der Apotheke kann ein Diabetes frühzeitig erkannt werden. Dies ist von größter Wichtigkeit angesichts der Folgeschäden und der Belastung für Patient und Krankenkasse. Die Beratung und Betreuung in den Bereichen Hilfsmittel und Arzneimittel, ergänzt durch Informationen zu Ernährungsfragen, erreicht in der Stufe 2 eine hohe Versorgungsqualität.

Diese ist nur durch einen entsprechenden Standard in der Umsetzung der Anforderungen zu gewährleisten. Die ausführlichen Handlungsanweisungen, dargestellt als Flussdiagramme mit Hinweisen und Benennung der verantwortlichen Personen, dienen als Leitfaden und zur Unterstützung. Sie können in jedes Qualitätsmanagementsystem als Modul Diabetes integriert werden.

Hinweise, Handlungsempfehlungen bis zu Schrittfolgen sind in der Apotheke zu besprechen, einzuüben, aber auch anzupassen und zu ergänzen. Ein sinnvolles, gut platziertes OTC-Angebot, verbunden mit einem professionellen, aber der Qualität verbundenen Marketing, ergänzen ein Gesamtkonzept und schaffen Erfolg und Wirkung.

Die Zusammenarbeit

Interessenkonflikte zwischen Apothekern und Ärzten sollen auf jeden Fall vermieden werden, die gemeinsame, Verbesserung der Versorgung der Diabetiker im Mittelpunkt stehen. Eine klare Aufgabenbeschreibung, die von beiden Seiten anerkannt und umgesetzt wird, ist wichtig. Gespräche zwischen Apothekern und den Qualitätszirkeln Diabetes der Ärzte schaffen Information, Vertrauen und Kooperation im Sinne der besseren Betreuung und Versorgung der Diabetiker. Schnittstellendefinitionen und Überleitkriterien verbessern das tägliche Miteinander. Der Koordinierungsausschuss BAK/DDG/DDU/DPhG hat für den Bereich Blutzuckertest beispielhaft einen Standardinformationsbogen erarbeitet (siehe Serviceteil dieser Ausgabe). Das Stufenkonzept erhalten Sie über Ihre Apothekerkammer.

Anschrift des Verfassers:
Manfred Krüger,
Linner–Apotheke,
Rheinbabenstr. 170,
47809 Krefeld,
Telefon: 02151/570355,
Fax: 02151/520924,
E-Mail: M.Krueger@Linner-Apotheke.de

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