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Stuhl- und Atemtests gewinnen an Bedeutung

15.10.2001
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HELICOBACTER

Stuhl- und Atemtests gewinnen an Bedeutung

von Elke Wolf, Hamburg

Mediziner haben neue Strategien erarbeitet, wie sie das Diagnoseraster für Helicobacter-pylori-Träger in der Bevölkerung engmaschiger gestalten können. Schätzungsweise 33 Millionen Deutsche tragen den Keim in sich. Jeder Zweite über 50 Jahren ist betroffen.

Um H. pylori einwandfrei im Magen zu identifizieren, ist es heute gängige Praxis, den Magen zu gastroskopieren und dabei Gewebeproben zu entnehmen. Anhand der Biopsie erkennt der Gastroenterologe, ob eine Magenschleimhautentzündung, ein Geschwür oder gar ein Karzinom vorliegt. Andere Nachweismethoden wie Atem- oder Stuhltests sind zwar angenehmer für den Patienten, erlauben aber keine Aussage über den Zustand der Magen- und Zwölffingerdarmschleimhaut.

Dennoch plädierte Professor Dr. Peter Malfertheiner von der Universität Magdeburg auf einer Pressekonferenz von Abbott und Byk Gulden für den C13-Atem- und Stuhlnachweis für H. pylori. Diese Methode liefere ebenso zuverlässige Ergebnisse wie die Gastroskopie. Beide hätten eine 95-prozentige Treffsicherheit. Demnächst komme auch ein Urintest auf den Markt. "Bei einer selektierten Gruppe von Patienten ist der Verzicht auf eine Endoskopie und der Einsatz nicht invasiver Nachweisverfahren sinnvoll", informierte Malfertheiner. Bei Patienten unter 45 Jahren mit Oberbauchbeschwerden ohne Alarmsymptome sollte in der Arztpraxis der H.-pylori-Nachweis mittels Atem- und Stuhltest durchgeführt werden.

Bei dieser so genannten "test and treat"-Methode erhalte der Mediziner zwar keine Auskunft über den Zustand der Schleimhaut in Magen und Zwölffingerdarm. Da jedoch H.-pylori-Gastritis und -Ulkus gleich behandelt werden, könne diese Erkenntnis vernachlässigt werden. "Die Gefahr, mit dieser Strategie einen Magenkrebs zu übersehen, ist extrem niedrig. Personen unter 45 leiden so gut wie nie unter Magenkrebs", begründete Malfertheiner die Test-and-treat-Methode, die jüngst auf einer Gastroenterologen-Konsensus-Konferenz als Empfehlung ausgesprochen wurde. Die Vorteile dieses Untersuchungskonzepts liegen nach Malfertheiner auf der Hand: "Es erhöht die Chance, den Magenkeim bei mehr Betroffenen rechtzeitig aufzuspüren, und ist zudem für Arzt und Patient leichter als die Endoskopie durchzuführen."

Suchen und behandeln

Eine weitere Strategie, dem Keim auf die Spur zu kommen, nennt sich "search and treat". "Menschen, die über längere Zeit säurehemmende Medikamente einnehmen, sollten generell auf H. pylori getestet werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Keim in sich haben, ist hoch", erklärte Malfertheiner das Diagnosekonzept.

H. pylori wird mit einer siebentägigen Kombinationstherapie, bestehend aus einem Protonenpumpenblocker und zwei Antibiotika, eradiziert. Während die Protonenpumpenhemmer gegeneinander austauschbar sind, kommen bei den Antibiotika Clarithromycin plus Amoxicillin beziehungsweise Clarithromycin plus Metronidazol zum Einsatz. Für die Firstline-Therapie empfiehlt sich jedoch Amoxicillin, da bei fehlgeschlagener Therapie bessere Erfolge für eine nachfolgende Vierfachtherapie zu erwarten sind und da die Resistenzentwicklung für Metronidazol bei 30 Prozent liegt. "Für Amoxicillin sind bislang keine Resistenzen beobachtet worden", sagte Malfertheiner.

Der Patient sollte im Beratungsgespräch dazu motiviert werden, die Eradikationstherapie sieben Tage lang durchzuhalten. Der Hemmschuh: Der Betroffene verspürt bereits nach zwei bis drei Tagen eine Besserung seiner Beschwerden, weil der Protonenpumpenblocker die Säureproduktion im Magen behindert und so die lädierte Magenschleimhaut schützt. Der Betroffene ist geneigt, die Therapie "schleifen" zu lassen oder ganz aufzuhören. "Aber es ist wichtig, dass die Therapie die restlichen Tage fortgeführt wird, weil erst nach dieser Zeit die beiden Antibiotika die Möglichkeit haben, H. plyori anzugreifen", erklärte Dr. Michael Elberfeld, Allgemeinmediziner aus Leverkusen.

Ebenfall wichtig: die korrekte Einnahme. Schon wenn 10 Prozent der Tabletten nicht eingenommen werden, sinkt die Eradikationschance von 90 Prozent auf 60 bis 70 Prozent. Um die Einnahme aller drei Arzneistoffe jeweils morgens und abends über sieben Tage zu erleichtern, ist eine Kombinationspackung (ZacPac®) hilfreich, die alle erforderlichen Tabletten nach Tagesrationen getrennt auf sieben Blistern enthält, sagte Elberfeld.Top

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