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125 Jahre Staatsprüfung

11.09.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

125 Jahre Staatsprüfung

von Bernd Unterhalt, Münster

Die Verabschiedung der zweiten Änderungsverordnung der Approbationsordnung für Apotheker durch den Bundesrat am 14. Juli 2000, die ich mit gemischten Gefühlen betrachte, ist ein willkommener Anlass, an die erste einheitliche Pharmazeutische Prüfungsordnung im Reichsgebiet vom 5. März 1875 zu erinnern.

Diese geht in Preußen prinzipiell auf eine Verfügung vom 7. Februar 1825 zurück, nach der bei einem zweisemestrigen Universitätsstudium - in Bayern war das Universitätsstudium nach einer Verfügung vom 21. Dezember 1808 obligatorisch - ein bis zwei der fünf Servierjahre erlassen werden konnten. Vorgeschaltet war eine dreieinhalb- bis vierjährige Lehrzeit mit Gehilfenprüfung, die früher in einer Art Meister-Lehrling-Verhältnis (fünf bis sechs Jahre) ohne Universitätsstudium zum Apothekerberuf führte. In dem "Reglement für die Staatsprüfungen der Medicinalpersonen" vom 1. Dezember 1825 finden sich genaue Anweisungen, wie Prüfungen durchgeführt werden sollten; das angegebene Examensprogramm (für Apotheker erster Klasse) blieb in seinen Grundzügen bis 1934 in Kraft.

Die Erweiterung des Arzneischatzes und die technische Fortentwicklung führten dazu, allen Apothekern eine wissenschaftliche Hochschulausbildung zu vermitteln. Eine grundsätzliche Schwierigkeit für die Einführung des obligatorischen Hochschulstudiums war das fehlende Abitur, ohne das nicht immatrikuliert wurde. Es gab dann über Jahre hinweg Sonderregelungen, bis die Pharmazeuten in Preußen durch eine Verfügung vom 4. August 1873 vollgültige Studierende wurden. Am 5. März 1875 trat die für das gesamte deutsche Reichsgebiet geltende pharmazeutische Prüfungsordnung in Kraft. Die Ausbildung umfasste nun drei Jahre Lehrzeit, für Abiturienten nur zwei, eine dreijährige Gehilfenzeit und ein dreisemestriges Universitätsstudium. 1899 ließ die Reichsregierung gleichzeitig in den Fächern Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie auch Frauen zum Studium zu. Die am 18. Mai 1904 erlassene Prüfungsordnung setzte die Primareife für den Eintritt in die Lehrzeit voraus. Die Zahl der Studiensemester erhöhte sich von drei auf vier und von der ehemaligen Gehilfenzeit waren zwei Jahre nach dem Studium als Kandidatenzeit abzuleisten. Erst ab dem 1. Januar 1921 setzte man das Abitur für den Beginn der Apothekerausbildung voraus.Top

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