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Tausend Gulden wert

23.08.2004
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Heilpflanze 2004

Tausend Gulden wert

von Hans-Joachim Walther, Freital

Auf Grund seines Bitterstoffgehalts wird das Tausendgüldenkraut vor allem als magenanregendes und verdauungsförderndes Mittel angewendet. Daneben kommt das auch entzündungshemmend und antipyretisch wirkende Kraut in der Volksmedizin zur Wundbehandlung, Fiebersenkung sowie bei Wurmbefall zum Einsatz.

Die magenstärkende und verdauungsfördernde Wirkung des Tausendgüldenkrautes hat sich vor allem bei funktionellen Störungen im Magen-Darm-Bereich bewährt. Diese unspezifischen Verdauungsstörungen werden als „dyspeptischer Symptomenkomplex“ bezeichnet. Unter diesem Begriff werden anhaltende oder immer wiederkehrende, subjektiv empfundene Beschwerden des oberen Verdauungstraktes zusammengefasst, die nicht auf organische Ursachen zurückzuführen sind. Dazu zählen Verdauungsstörungen wie frühzeitige Sättigung,

Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und krampfartige Oberbauchschmerzen sowie gestörter Stuhlgang. Derartige funktionelle Störungen haben in den letzten Jahren an Häufigkeit zugenommen. Die Ursachen liegen in der heutigen stressreichen, bewegungsarmen und von schlechten Ernährungsgewohnheiten bestimmten Lebensweise. Diese Faktoren begünstigen gleichzeitig organische Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Ein Kraut mit vielen Namen

Bereits die Ärzte der Antike wie zum Beispiel Hippokrates kannten diese Heilpflanze. Ihre Wertschätzung kommt auch in ihrem deutschen Namen zum Ausdruck, der aus „tausend Gulden wert“ abgeleitet ist. Der 1498 geborene Botaniker, Arzt und Theologe Bock spricht in seinem Kräuterbuch von einer Pflanze, die „ist köstlich im Leib und auch äußerlich gut brauchen“. Im deutschen Sprachbereich ist das Tausendgüldenkraut auch unter zahlreichen anderen Namen bekannt, die teilweise auf die vielseitige Anwendung in der Volksmedizin hinweisen: Magenkraut, Fieberkraut, Apothekerkraut, Bitterkraut, Piferkraut, Gottesgnadenkraut, Erdgallenkraut, Roter Aurin. Den botanischen Namen Centaurium minus (Centaurium erythraea) hat das Tausendgüldenkraut nach dem römischen Gelehrten Plinius von dem Zentaur Chiron, einem Fabelwesen der griechischen Mythologie, erhalten. Chiron hatte mit dem Kraut die Wunde, die ein auf seinen Fuß getroffener Pfeil verursacht hatte, geheilt. Später wurde der Name vom Lateinischen „centum“ (hundert) und „aureus“ (golden) abgeleitet, sodass es im Mittelalter auch als Hundertguldenkraut bekannt war. Als Arzneidroge verwendet man die getrockneten, oberirdischen Teile der blühenden Pflanze (Centaurii herba, Herba centaurii).

Das Tausendgüldenkraut gehört zur Familie der Gentianaceae (Enziangewächse) und ist eine zweijährige, 5 bis 50 cm hohe Pflanze mit aufrechtem, vierkantigem Stängel. Die kleinen Blüten mit zartrosa bis kirschroten, selten weißen Kronblättern stehen dicht zusammengedrängt in Scheindolden. Das Kraut blüht von Juli bis September. Die Pflanze ist in Europa bis nach Skandinavien, in Westasien und Nordafrika heimisch. Das Tausendgüldenkraut wächst meist in größeren Mengen auf Wiesen, Waldlichtungen und trockenen Hängen bis in etwa 1400 m Höhe. Frühere Anwendung bei Schlangenbissen, Vergiftungen, Fieber, Erkältungen, Leber- und Nierenleiden, zur Blutreinigung und bei Hautkrankheiten beschrieben. Insbesondere als „Magenmittel“ hat die Droge ihre Bedeutung nie verloren.

 

Inhaltsstoffe Die pharmakologisch besonders wirksamen Bestandteile des Tausendgüldenkrauts sind seine Bitterstoffe. Die Bitterstoffe des Tausendgüldenkrautes sind teils identisch mit denen des Enzians (Gentiopikrosid), teils ihnen sehr nahe stehend (Swertiamarin, Swerosid, Centapikrin). Daneben enthält die Pflanze Flavonoide, Xanthone, Triterpene und Phenolkarbonsäurederivate wie Protocatechu-, Syringa-, Kaffee- und Ferulasäure sowie etwas etherisches Öl. Diese Stoffe stellen teilweise Polyphenole dar, die antioxidativ beziehungsweise entzündungshemmend wirken.

 

Wirkt direkt und reflektorisch

Bitterstoffe sind nicht nur im Tausendgüldenkraut enthalten, sondern auch in anderen Heilpflanzen wie zum Beispiel dem Enzian und dem Benediktenkraut. Diese Bitterstoffe beziehungsweise Bitterstoffdrogen (Amara) wirken appetitanregend, indem sie sowohl direkt als auch reflektorisch zu einer verstärkten Sekretion von Speichel und Verdauungssäften führen. Die Erregung geht von den Geschmacksknospen des Zungengrundes aus und reizt den Nervus vagus, wodurch die Drüsenzellen der Magenschleimhaut zur verstärkten Produktion von Salzsäure und Pepsinogen veranlasst werden. Das Proenzym Pepsinogen ist die (inaktive) Vorstufe des eiweißspaltenden Pepsins.

Erreichen die Bitterstoffe den Magen, wird in einer zweiten Phase das Hormon Gastrin freigesetzt, das ebenfalls sekretionssteigernd wirkt und die Magenmotorik sowie die Produktion von Gallen- und Pankreassaft anregt. Gleichzeitig wird durch die vermehrte Bildung von Salzsäure ein Säuregrad erreicht, der ein Aktivitätsoptimum für die Verdauungsenzyme ist. Insgesamt wird somit durch die Bitterstoffe der Appetit angeregt, die Entleerung des Magens nach der Speiseaufnahme beschleunigt und die Resorption von Nahrungsstoffen gefördert. Da die Wirkung von den Geschmacksnerven ausgeht, sollen Bitterstoffdrogen als Tee oder Tinktur eingenommen werden; Arzneiformen wie Kapseln oder Dragees würden die Wahrnehmung des bitteren Geschmacks verhindern. Top

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