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Sensibilisieren und inspirieren lassen

15.08.2005
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Antiaging-Berater

Sensibilisieren und inspirieren lassen

von Christiane Berg, Hannover

Am 18. November startet in Fulda die Fortbildung »Zertifizierter Antiaging-Berater für Apotheker«. Die PZ sprach mit den Initiatoren des Seminars, Petra Schäfer, Apothekerin für Offizinpharmazie und Gesundheitsberatung in Rinteln, und Professor Dr. Peter Axt, der an der Fachhochschule Fulda Gesundheitswissenschaften lehrt.

PZ:Frau Schäfer und Herr Professor Axt, was hat Sie als Apothekerin beziehungsweise Gerontologe bewogen, gemeinsam die Ausbildung Zertifizierter Antiaging-Berater für Apotheker ins Leben zu rufen?

Schäfer: Ich habe mich bei Professor Axt zum ärztlich geprüften Antiaging-Trainer ausbilden lassen, zunächst aus privatem Interesse. Ich wollte mehr über die Präventologie als Lehre vom umfassenden, vorbeugenden Schutz des Körpers und der Seele durch bewusste und gesunde Ernährung, Bewegung und Spiritualität wissen. Ich war total begeistert und wusste genau: Das ist das Wissen, das wir Apotheker brauchen. Hier entwickelt sich ein Trend, den die Apotheker nicht verpassen dürfen. Wenn wir uns hier nicht engagieren, machen es andere.

Axt: Jeder zweite Einwohner der Bundesrepublik ist älter als 40 Jahre. In einigen Jahren wird die Hälfte der Bevölkerung 50 Jahre alt sein und die durchschnittliche Lebenserwartung wird deutlich über 80 Jahren liegen. Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen für die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen und -produkten, da immer mehr Menschen bis ins hohe Alter vital und leistungsfähig bleiben wollen und müssen. Das Marktsegment »Gesundheitsförderung« wird rapide wachsen und die Apotheker sollten es nicht anderen überlassen, die schon in den Startlöchern stehen.

PZ:Nun lässt der Begriff Antiaging doch eher an Lifestyle-Präparate, Schönheitsoperationen und Hormontherapien zur Bewahrung ewiger Jugend und Potenz statt an Information und Beratung über natürliche und bewusste Lebensführung zum Erhalt der Gesundheit denken. Warum sprechen Sie dennoch von Antiaging-Training und nicht von einer Zusatzqualifikation Präventologie?

Schäfer: Egal, ob Antiaging oder Präventologie: Es ist dasselbe gemeint. In beiden Fällen geht es um gesundheitsfördernde Maßnahmen und den Erhalt der körperlichen und seelischen Fitness bis ins hohe Alter. Im Gegensatz zum etablierten Begriff Antiaging, der große Resonanz hervorruft, ist die Bezeichnung Präventologie in der Bevölkerung noch weitgehend unbekannt.

Axt: Antiaging ist die gängige Bezeichnung, die auch die Krankenkassen bei der Propagierung ihrer Präventionsprogramme verwenden. Antiaging-Medizin ist Präventivmedizin und wird in der Öffentlichkeit zunehmend diskutiert. Die Bereitschaft der Menschen, in Prävention und Antiaging Zeit und Geld zu investieren, wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Schon jetzt übertreffen die privaten Ausgaben für Erholung und Wohlbefinden die Pro-Kopf-Leistungen der Krankenversicherungen.

PZ:Zählen Beratung und Information über gesunde Lebensführung nicht zu den selbstverständlichen Inhalten des ärztlichen und pharmazeutischen Heilberufs?

Axt: Ja, doch bislang ist es weder den Ärzten noch den Apothekern gelungen, sich als Gesundheitsberater zu etablieren. Heutzutage lassen sich selbst Historiker, Floristen oder Pädagogen über ein einjähriges Fernstudium zum Präventologen ausbilden, um sich anschließend mit eigener Praxis niederzulassen und ein goldenes Kreuz auf ihrem Praxisschild zu führen.

Schäfer: Natürlich gehört es zum Selbstverständnis unseres pharmazeutischen Heilberufs, unsere Kunden und Patienten über eine gesunde Lebensführung zu informieren. Doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die an neuen Präventionsprogrammen interessierten Krankenkassen bei Vertragsverhandlungen nach Zusatzqualifikationen fragen, die über das Pharmaziestudium hinausreichen. Fest steht: Die derzeitigen Entwicklungen gehen mit einem neuen Ideen- und Gedankengut einher, mit dem sich die Apotheker vertraut machen müssen. Wir sollen und müssen uns inspirieren und sensibilisieren lassen, um die Zukunft unseres Berufsstands zu sichern.

PZ:Welche Inhalte bietet Ihr Seminar, das in drei je zweitägige Kurse unterteilt ist?

Axt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren Grundsätzliches über Aussichten und Marktchancen in der zukünftigen Gesellschaft der Alten. Wir informieren über Alterungstheorien und geben Einblick in das Konzept der Salutogenese von Aaron Antonovsky, das sich auf die Ursprünge der Gesundheit und nicht wie die Lehre der Pathogenese auf die Entstehung und Entwicklung von Krankheiten konzentriert.

Schäfer: Wir vermitteln neueste Erkenntnisse über die Bedeutung von Sport, Ernährung und Entspannung zum Erhalt der Gesundheit im hohen Alter. Experten referieren unter anderem über hormonelle Veränderungen im Alter, Hormonkosmetik, den Stellenwert von Phytotherapeutika oder die Rolle der Nahrungsergänzung, sprich: Mikronährstoffe, in der Verzögerung von Alterserscheinungen beziehungsweise Prävention und unterstützenden Behandlung von Arteriosklerose, Herz-Kreislauf- und Augen-Erkrankungen oder Demenz. Es werden spezielle Antiaging-Konzepte vorgestellt und kundenorientierte Verkaufsgespräche geübt.

PZ:Wie lassen sich die neu gewonnnen Erkenntnisse in der Apothekenpraxis umsetzen?

Schäfer: Ich nutze mein neues Wissen in der individuellen Beratung auch und gerade der so genannten Silver-age-generation 50 plus. In Vorbereitung ist ein Seminarprogramm mit Themenabenden und Vorträgen ortsansässiger Ärzte, Kosmetiker, Diätassistenten und Physiotherapeuten in den Räumen meiner Apotheke, für das die Kunden und Patienten schon jetzt großes Interesse zeigen. Ich habe erkannt, dass die Bildung von Netzwerken zwischen allen im Gesundheitsbereich tätigen Disziplinen für einen erfolgreichen Marktzutritt wichtig ist. Die Apotheken werden sich verändern und noch stärker als bislang in den Gesundheitsmarkt eintreten müssen. Wir stehen erst am Anfang einer langen Entwicklung. Doch auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Zertifizierter Antiaging-Berater Kurs Teil I: 18. bis 20. November 2005; Teil II: 20. bis 22. Januar 2006; Teil III: 10. bis 12. Februar 2006; Gesamtpreis: 1350 Euro inkl. MwSt.; Veranstaltungsort: Bäder Park Hotel, 36093 Fulda/Künzell. Anmeldung per Fax (06 61) 96 21 11-2 oder per Post bei Praeventis-med, Neißer Straße 13, 36100 Petersberg. Anmeldeschluss: 26. September 2005.

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