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Auf dem Weg zum Disease-Management im KV-Bezirk Trier

29.07.2002
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Asthma

Auf dem Weg zum Disease-Management im KV-Bezirk Trier

von Sandra Himstedt und Martin Schulz, Berlin

Seit Oktober 2001 findet im KV-Bezirk Trier ein gemeinsames Projekt der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz, der Kassenärztlichen Vereinigung Trier, der Bezirksärztekammer Trier und der AOK unter der Leitung des ZAPP der ABDA zur Pharmazeutischen Betreuung von Asthmapatienten statt.

Der Startschuss zum Projekt fiel bereits Anfang Oktober 2001 in den Räumen der KV Trier bei einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung mit Ärzten und Apothekern. Obwohl das Betreuungsvorhaben der Apotheker folglich von der Ärzteschaft grundsätzlich unterstützt wurde und somit ein Problem umgangen werden konnte, das in anderen Studien häufig einen limitierenden Faktor darstellte, konnte in den ersten Monaten die angestrebte Patientenzahl von fünf bis zehn Patienten pro Apotheke nicht erreicht werden. „Wir haben alle Mitarbeiter in der Apotheke über das Projekt informiert und zwei Wochen lang jeden Patienten bei der Abgabe von Antiasthmatika angesprochen“, berichten Eva Meyer und Doris Hoffschlag aus der Gangolf-Apotheke in Trier. Nachdem dies zunächst allerdings nicht fruchtete, wurden in der Apotheke Handzettel ausgelegt und Plakate vor der Apotheke präsentiert. Diese Methode war sehr effektiv; innerhalb kürzester Zeit kamen etliche Patienten, die sich über das Projekt informierten und teilnehmen wollten. „Zusätzlich haben wir heraus gefunden, wie wichtig die richtige Wortwahl bei der Patientenansprache ist“, so Eva Meyer weiter. „Es hat keinen Sinn, wenn man selbst noch unsicher ist und vor dem Patienten herumstottert. Wichtig ist, dass man es schafft, den Nutzen für den Patienten gleich in den ersten Sätzen herauszustellen. Das schafft man allerdings nur, wenn man es vorher mit allen Mitarbeitern in der Apotheke übt.“

Andere Apotheken verständigten sich bereits im Vorfeld mit den umliegenden Ärzten darüber, für welche Patienten eine intensive Betreuung nötig und sinnvoll wäre und sprachen dann die Patienten gemeinsam an.

Um die Apotheken bei der Rekrutierung zu unterstützen, wurden vom ZAPP der ABDA zum einen zusätzlich Handzettel und Plakate an die Projektteilnehmer ausgegeben zum anderen aber auch mehrere Artikel für die Lokalzeitung geschrieben und dort auch Anzeigen geschaltet.

Um die AOK-Versicherten direkt zu erreichen, berichtete die Krankenkasse in der Dezember-Ausgabe ihres Versichertenmagazins über das Projekt und gab eine Servicenummer an, unter der sich Patienten informieren konnten, welche Apotheke in ihrer Nähe am Projekt teilnimmt.

Da die Lokalzeitung in Trier außerdem einmal monatlich ein „Expertentelefon“ zu gesundheitlichen Fragestellungen anbietet, gab es auch hier eine Möglichkeit für Patienten, Pulmologen, Hausärzte und Apotheker im Rahmen einer gemeinsamen Telefonsprechstunde zur Erkrankung Asthma bronchiale, zu ihrer Medikation und zum Projekt zu befragen.

Zum Abschluss der Rekrutierungsphase starteten Mitarbeiter des ZAPP der ABDA, beteiligte Projektapotheker und Mitarbeiter des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) eine Aufklärungskampagne über das angebotene Betreuungsprogramm. Über drei Tage stand das Allergie-Mobil des DAAB in der Fußgängerzone von Trier und einen Tag in Wittlich. Dort konnten sich Patienten umfassend über das Projekt informieren.

Die Organisation der Beratungsgespräche

Auf Grund der zahlreichen Aktivitäten haben die 37 noch teilnehmenden Apotheken Anfang April 170 Patienten für das Projekt rekrutiert. Die nächste Herausforderung bestand für die Apothekerinnen und Apotheker darin, die vier vorgegebenen Beratungsgespräche des ersten Betreuungshalbjahres mit Inhalt zu füllen und diese organisatorisch in den Apothekenalltag einzugliedern. „Wir haben uns zunächst einmal eine Übersicht erstellt, welche Punkte in Beratungsgesprächen mit den Patienten bearbeitet werden sollen“, erläutert Eva Meyer. Dann erstellten sie sich zu den einzelnen Wirkstoffen, Arzneimitteln und Inhalationssystemen einzelne Karteikarten, um die wichtigsten Eckdaten immer griffbereit zu haben. Nach dem ersten Beratungsgespräch half die Karteikarte dabei, kleine „Patientenakten“ anzulegen. Meyer: „Sollte sich die Medikation bei den Patienten einmal ändern, braucht man die Karteikarten nur umzusortieren.“ Da die Gangolf-Apotheke zeitweise 20 Asthma-Patienten parallel betreute, war eine gute Terminorganisation notwendig. Die beiden Apothekerinnen erstellten sich hierzu einen Jahresplan, auf dem sie sämtliche Beratungsgespräche und Arzttermine ihrer Patienten vermerkten. „Es ist sinnvoll, die Termine sehr früh mit den Patienten zu planen, damit auch die Möglichkeit besteht, möglichst zeitnah Untersuchungstermine beim behandelnden Arzt zu vereinbaren und um Spielraum für mögliche Terminverschiebungen zu haben“, erklärt Doris Hoffschlag. „Auf Grund dieser frühen Planung und der Terminzettel sehen die Patienten die Gespräche dann auch als verbindlich an und halten sie ein.“

 

Beratungshilfen Als Hilfsmittel für die Beratung von Asthmapatienten eigenen sich Karteikarten mit Informationen über die einzelnen Wirkstoffe, Arzneimittel und Inhalationssysteme. Zudem leisten Karteikarten für jeden Patienten sowie ein Jahresplaner für die Beratungsgespräche und Arzttermine gute Dienste.

 

Ärzte waren anfangs zögerlich

Anfangs war die Grundhaltung der Ärzte eher zögerlich. Zwar versuchte fast kein Mediziner, seine Patienten von dem Projekt abzuhalten, doch war die Haltung in den einzelnen Gesprächen zwischen Apotheker und Ärzten eher skeptisch. Viele Ärzte waren der Meinung, dass man die Patienten, die über Jahre nicht therapieeinsichtig waren, auch mit einem so intensiven Betreuungsprogramm nicht motivieren kann.

Diese Haltung änderte sich allerdings in kürzester Zeit. Bereits nach sechs Wochen erklärten sich zahlreiche Arztpraxen dazu bereit, die Handzettel und Plakate der ABDA ebenfalls in ihrer Praxis zu platzieren, und sprachen Patienten auch persönlich auf das Projekt an. Die drei niedergelassenen Pulmologen in der Region versuchen außerdem, wenn möglich, Projektpatienten für die Lungenfunktionsuntersuchungen kurzfristig einzuschieben, damit die Zeitvorgaben des Projektes eingehalten werden konnten.

Ärzte und Apotheker sind zufrieden

Bereits nach sechs Monaten zeigt sich, dass nahezu alle Patienten, die einer Cortisontherapie bis dato skeptisch gegenüberstanden und das verordnete Präparat unregelmäßig oder gar nicht inhalierten, auf Grund des Wissenszuwachses nun regelmäßig anwenden. Bei einigen Patienten konnte durch Verbesserung der Inhalationstechnik und die Aufklärungsarbeit der Apotheker erreicht werden, dass sie seit Jahren erstmals wieder durchschlafen können. In einem anderen Fall haben sich die Lungenfunktionswerte bei einem Patienten derart verbessert, dass der behandelnde Arzt beschlossen hat, das Corticoid abzusetzen und diesen Patienten zusammen mit dem Apotheker sehr eng zu überwachen.

Insgesamt sind die beteiligten Apotheker und Ärzte mit dem Projektverlauf sehr zufrieden. Durch die intensive Beschäftigung mit diesem Thema sind die Pharmazeuten sicherer in der Kommunikation und arbeiten viel enger mit den Medizinern zusammen. Davon profitieren vor allem die Patienten. Die erste statistische Zwischenauswertung der humanistischen, klinischen und ökonomischen Daten soll Ende des Jahres vorliegen.

Im zweiten Halbjahr können die Apothekerinnen und Apotheker ohne Vorgaben bedarfsabhängig entscheiden, wann Beratungsgespräche angesetzt werden sollen. Erst ein Jahr nach Projektbeginn gibt der Projektplan ein Abschlussgespräch vor. Auf diesem Wege soll untersucht werden, wie sich der „Alltag der Pharmazeutischen Betreuung“ in der Praxis darstellt und ob diese bereits zum momentanen Zeitpunkt umsetzbar ist.

 

Anschrift der Verfasser:
Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) der ABDA
Jägerstraße 49/50
10117 Berlin
zapp@abda.aponet.de
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