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Konserviert bedeutet nicht zwangsläufig schädlich

21.05.2001
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NASALIA

Konserviert bedeutet nicht zwangsläufig schädlich

von Ulrich Brunner und Volker Dinnendahl, Eschborn

Die Botschaft, dass Konservierungsmittel in Nasentropfen die Nasenschleimhaut schädigen können, hat zu einer teils kontrovers geführten Diskussion und damit zu Verunsicherung unter den Kollegen geführt.

In den vergangenen Monaten hatte die PZ verschiedene In-vitro-Studien aus Wissenschaftsmagazinen zitiert, die den Verdacht nahe legen, Nasentropfen und -sprays, die mit Benzalkoniumchlorid konserviert sind, könnten die Beweglichkeit der Zilien in der Nasenschleimhaut einschränken. Leider hat diese Information bei einigen Kolleginnen und Kollegen zu Verunsicherungen geführt. Ein Apotheker aus Norddeutschland schrieb beispielsweise in einem Leserbrief, er habe postwendend alle mit Benzalkoniumchlorid konservierten Nasalia aus seinem Sortiment verbannt.

Teilweise dehnte sich die Diskussion um den möglicherweise schädigenden Effekt des Konservierungsmittels auch auf Präparate aus, die bislang noch nicht in Studien untersucht wurden oder für die in Untersuchungen keine schädliche Wirkung nachgewiesen werden konnte. Bis heute ist die Studienlage zum schleimhautschädigenden Effekt des Konservierungsmittels Benzalkoniumchlorid unbefriedigend. Es gibt nur sehr wenige klinische Untersuchungen und die meisten Studien wurden auch nur mit einer relativ kleinen Zahl von Probanden durchgeführt. Die Ergebnisse sind uneinheitlich und machen zumindest deutlich, dass in vitro erhobene Daten nicht ohne Weiteres auf In-vivo-Verhältnisse übertragen werden können.
Experten warnen bereits seit Jahren vor einem allzu unkritischen Dauergebrauch von Nasalia mit Schleimhaut abschwellender Wirkung. In diesem Zusammenhang wird immer wieder das Krankheitsbild des Privinismus zitiert. Apothekerinnen und Apotheker sollten daher ihren Patienten grundsätzlich raten, entsprechende Präparate möglichst nicht langfristig anzuwenden.

Die momentane Datenlage gibt keinen Hinweis darauf, dass der bestimmungsgemäße und kurzfristige Gebrauch konservierter Nasentropfen und -sprays die Schleimhaut schädigt. Dennoch spricht nichts dagegen, unkonservierte Produkte zu bevorzugen, sofern diese auf dem Markt sind. Da pharmazeutische Technologen bereits spezielle Mechanismen wie das 3 K- oder Comod-System entwickelt haben, die eine Konservierung überflüssig machen, sollten die pharmazeutischen Hersteller langfristig ihre Produkte umrüsten. Solange diese Alternativen jedoch noch nicht im Handel sind, sollten die Kollegen in der Offizin nicht rücksichtslos alles Konservierte aus ihren Regalen räumen.Top

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