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Risiko-Check mit CAVE

12.04.2004
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Risiko-Check mit CAVE

von Carsten D. Siebert, Eschborn

Das Datenmodul CAVE von ABDATA Pharma-Daten-Service erlaubt eine individuelle Risiko-Prüfung bei der Arzneimittelabgabe in der Apotheke. Die Nutzung von CAVE gewinnt immer mehr an Bedeutung, denn sie dient der Arzneimittelsicherheit – ein wichtiger Aspekt in Zeiten steigender Verantwortung der Apotheker für eine optimale Arzneimittelversorgung der Bevölkerung.

CAVE ist ein Datenmodul, das auf der ABDA-Datenbank basiert und einen Patienten-individuellen Risiko-Check auf ein abzugebendes Arzneimittel ermöglicht. Diese Risiko-Prüfung erfolgt automatisch beim Abverkauf, also beim Abscannen des Arzneimittels an der Kasse. Voraussetzung dafür ist die ABDA-Datenbank, die ABDATA jeden Monat aktualisiert herausgibt, und eine Patienten-Dokumentation, in der für den jeweiligen Patienten die persönlichen Daten zum Gesundheits- oder Krankheitsstatus hinterlegt sind.

Diese Patienten-Daten (Patienten-Merkmale) sind vom Apothekenpersonal zu erfragen und in Form von codierten Begriffen im Apotheken-Computersystem zu speichern. Die Aufnahme des persönlichen Risikoprofils eines Kunden oder eines Patienten bedarf dessen Zustimmung, setzt aber nicht zwingend eine Kundenkarte voraus. Die Codierung ist außerdem auch ohne differenzialdiagnostische Kenntnisse möglich, die ohnehin in den meisten Fällen lediglich der behandelnde Arzt hat.

Die Patientendaten

Zunächst sind das Geschlecht und das Geburtsdatum des namentlich bekannten Patienten beziehungsweise Kunden zu speichern. Diese beiden Eintragungen bedürfen keiner weiteren Pflege. Das aktuelle Alter eines Kunden wird aus der Differenz des aktuellen Tagesdatums und des Geburtsdatums automatisch von der Computer-Software ermittelt. Darüber hinaus werden Langzeiterkrankungen sowie aktuell bekannt gewordene Beschwerden des Patienten in der Dokumentation eingetragen. Beispiele für dauerhafte, also chronische Erkrankungen, sind Diabetes mellitus, Asthma oder auch Morbus Crohn. Temporär in die Dokumentation aufzunehmende Erkrankungen könnten eine Hyperthyreose oder ein Nierensteinleiden sein, aber keine akuten Erkrankungen wie ein Schnupfen oder eine Mandelentzündung.

Des Weiteren können auch besondere Lebensumstände eines Kunden eingetragen werden, die bei der Einnahme bestimmter Arzneimittel Risiken in sich bergen, zum Beispiel, dass der Patient Raucher, Kontaktlinsenträger oder Leistungssportler ist. Darüber hinaus gibt es aber noch Umstände, die einen bestimmten Lebensabschnitt repräsentieren, wie Schwangerschaft, zeugungsfähiges Alter beim Mann oder hohes Lebensalter. Außerdem können bekannte Arzneistoffallergien eingetragen werden, um diese bei einer zukünftigen Medikation zu vermeiden. Der Risiko-Check umfasst Allergien sowohl auf chemisch-synthetische als auch auf pflanzliche Arzneimittel.

Wovor warnt der Risiko-Check?

Bei der Abgabe des Fertigarzneimittels führt die Software im Hintergrund den CAVE-Check in den vier Teilmodulen Geschlecht, Alter, Erkrankungen (inklusive der Lebensumstände) und Allergien durch. Es wird vom System automatisch geprüft, ob eine Anwendungsbeschränkung oder ein Anwendungsausschluss für das betreffende Arzneimittel beim Patienten vorliegt. Möglicherweise angezeigte Warnhinweise beinhalten neben dem auftretenden Problem auch einen kurzen Begleittext, der Informationen enthält, um im Kundengespräch das weitere Vorgehen besprechen zu können.

Im Teilmodul „Geschlecht“ wird eine Warnung ausgesprochen, wenn Präparate, die eine ausschließlich weibliche Indikation (zum Beispiel Dysmenorrhö) haben, an einen männlichen Patienten abgegeben werden sollen und umgekehrt. Ausgenommen ist hier ein möglicher Off-label-Use.

Im Teilmodul „Alter“ beinhaltet die Warnung drei Wertungen: einen Anwendungsausschluss, eine Anwendungsbeschränkung und eine atypische Anwendung. Ein Anwendungsausschluss liegt vor, wenn der Wirkstoff für eine bestimmte Altersgruppe kontraindiziert ist. Eine Anwendungsbeschränkung wird angezeigt, wenn beispielsweise Dosierungsangaben fehlen. In diesem Fall sollte Rücksprache mit dem Patienten oder dem behandelnden Arzt gehalten werden. Eine atypische Anwendung liegt vor, wenn die Abgabe des Arzneimittels eine unzweckmäßige Wirkstärke oder Darreichungsform darstellt.

 

Hätten Sie gewusst, ...
  • ...dass Sie Allergospasmin® N (Dosieraerosol) an einen Golfer oder Skispringer, der sich im Wettkampf befindet, nicht abgeben sollten? Der Wirkstoff Reproterol ist mit Einschränkungen der Doping-Liste zuzuordnen.
  • ...dass Sie an eine Patientin mit Bluthochdruck nicht Cardular® PP Uro 4 mg Retard-Tabletten (Wirkstoff: Doxazosin) abgeben sollten, sondern das Inhaltsstoff-gleiche Präparat Cardular® PP 4 mg Retard-Tabletten, da Ersteres nur für männliche Patienten von der Krankenkasse erstattet wird.
  • ...dass für einen fünfjährigen Jungen, an den Sie Ibuflam® 4% Sirup abgeben wollen, keine Dosierungsempfehlungen vorliegen, da diese erst für Kinder ab 6 Jahren gelten?
  • ...dass eine bakterielle Infektion einer älteren Epileptikerin mit einer Linksherzinsuffizienz nicht mit Avalox® 400 mg Filmtabletten behandelt werden darf? Der Wirkstoff Moxifloxacin kann QT-Intervallverlängerungen bewirken, die zu Torsades des pointes führen können, und ist nur eingeschränkt verwendbar bei Personen mit erniedrigter Krampfschwelle.
  • ...dass Sie einem Asthmatiker mit einer Allergie auf Soja kein Atrovent® N Dosieraerosol verkaufen dürfen? Das Arzneimittel enthält Phospholipide, die aus der Sojabohne gewonnen werden.

 

Das Teilmodul „Erkrankungen“ warnt, wenn die Anwendung eines Arzneimittels bei einem Patienten auf Grund seiner Krankheiten verboten ist oder wenn eine Anwendungsbeschränkung vorliegt. Zum Anwendungsausschluss kommt es, wenn ein Präparate wegen der Grunderkrankung des Patienten kontraindiziert ist. Eine Anwendungsbeschränkung wird ausgesprochen, wenn unter bestimmten Umständen die Medikation unterbleiben muss. Hier ist der Patient zu befragen, ob diese Begleitumstände vorliegen. In gleicher Weise werden Warnungen ausgesprochen, wenn bestimmte Lebensumstände bestehen, die eine Therapie mit dem Medikament einschränken.

Im Teilmodul „Allergie“ wird gewarnt, wenn bei einer bekannten Allergie ein Arzneimittel nicht angewendet werden darf oder wenn ein begründeter Verdacht auf das mögliche Auftreten einer Kreuzallergie besteht. Die Prüfung auf ein (Kreuz-)Allergierisiko schließt neben den Wirkstoffen auch die Hilfsstoffe ein.

Wie kommt es zum Check?

Zu allen wichtigen und gängigen Arzneistoffen, die in deutschen Fertigarzneimitteln verwendet werden, hat ABDATA Pharma-Daten-Service Monographien erstellt, die alle für den Risiko-Check relevanten Anwendungsausschlüsse und Anwendungsrisiken, die für den betreffenden Wirkstoff amtlich gemeldet sind, enthalten. Die in den Fachinformationen angegebenen Anwendungsrisiken werden mit den Patienten-Merkmalen verknüpft und monatlich aktuell ausgeliefert. So wird zum Beispiel die Gegenanzeige „erniedrigte Krampfschwelle“ mit den Erkrankungen Epilepsie, Hirntumor, Diabetes mellitus (instabile Stoffwechsellage), Phenylketonurie, Galactoseintoleranz und Alkoholabhängigkeit verknüpft. Ist nun ein Arzneistoff, zum Beispiel der Gyrasehemmer Ofloxacin, laut Fachinformation bei Patienten mit einer erniedrigten Krampfschwelle nicht anzuwenden, kommt es zu einer CAVE-Warnung, weil bei den genannten Erkrankungen von einer erhöhten Krampfbereitschaft auszugehen ist.

Vom pharmazeutischen Personal der Apotheke müssen lediglich die CAVE-relevanten Patienten-Merkmale in der Patienten-Dokumentation hinterlegt werden. Der Check wird dann vom System automatisch durchgeführt.

Arbeitsaufwand für die Apotheke

Natürlich stellt sich die Frage, wie intensiv die Pflege der Patientendaten in der Dokumentation ist. Wie bereits erwähnt, beschränkt sich diese auf die einzutragenden Erkrankungen des Patienten und dessen Allergien, die zum Beispiel einem Allergiepass zu entnehmen sind. Bei chronischen Erkrankungen ist eine einmalige Codierung in der Regel ausreichend. Es wird in der Apotheke nicht verlangt, beispielsweise zwischen einer Linksherzinsuffizienz und einer Rechtsherzinsuffizienz zu unterscheiden. Wird die Herzinsuffizienz als Oberbegriff codiert, verläuft die Prüfung erfolgreich. Ähnliches gilt für das Glaukom. Es ist nicht notwendig zwischen einem Engwinkel- und einem Weitwinkelglaukom unterscheiden zu müssen. Ist jedoch ein akutes Ulkus ausgeheilt, wird das Ulkus in der Anamnese hinterlegt, um das richtige Check-Ergebnis zu bekommen.

Ein temporär codierter Lebensumstand wie eine Schwangerschaft führt, wenn das voraussichtliche Geburtsdatum im System eingegeben wurde, nach diesem Termin zu keiner Warnung mehr. Kommt die Kundin mit dem Säugling in die Apotheke, wäre dann im System das Patienten-Merkmal Schwangerschaft zu löschen und gegebenenfalls die Stillzeit zu hinterlegen.

CAVE beim Stammkunden

Vorrangige Zielgruppe für die CAVE-Codierung sind Patienten, die in ihre Stammapotheke gehen und deren persönliche Krankheitsgeschichte bekannt ist. Dies sind vor allem ältere, aber auch multimorbide Patienten, die so einer wesentlich sichereren Pharmakotherapie zugeführt werden können.

CAVE ist in erster Linie als Unterstützung in der Arzneimittelberatung und -abgabe gedacht, um Anwendungsrisiken anzuzeigen, die nicht offensichtlich sind. Da die pharmakologischen Erkenntnisse fortschreiten und auch Arzneistoffinnovationen auf den Markt kommen, die völlig neue Wirkprofile haben, wie die immer häufiger zugelassenen gentechnisch hergestellten Arzneistoffe, kann CAVE auf Grund seiner Aktualität eine wertvolle Hilfestellung bieten.

CAVE beim Laufkunden

Um aber die Vorteile von CAVE auch bei Kunden nutzen zu können, die sich nicht in die Patientendatei aufnehmen lassen möchten, ist es möglich diverse Musterkunden anzulegen. Ein Leistungssportler zum Beispiel, der sich im Wettkampf befindet und Doping-Kontrollen unterliegt, kann durch einen Musterkunden mit dem Patienten-Merkmal „Leistungssportler“, ohne Altersangabe fest gespeichert werden. Vor der Abgabe eines Präparates wird nun dieser Musterkunde in der Kasse aufgerufen und das Medikament abgescannt. Liegt eine Anwendungsbeschränkung vor, da der Wirkstoff auf der Liste der verbotenen pharmakologisch-medizinischen Maßnahmen zur Leistungsbeeinflussung, der so genannten Doping-Liste, steht, kann dies dem Kunden mitgeteilt werden. Diese Vorgehensweise des Anlegens von Musterkunden ist für alle Patienten-Merkmale möglich.

Ist zu einem bestimmten Fertigarzneimittel generell die Frage aufgekommen, ob es für einen bestimmten Patientenkreis ein Risiko birgt, kann auch eine Auflistung aller CAVE-Warnungen eingesehen werden. So werden alle Anwendungsausschlüsse und Anwendungsrisiken aus den vier Teilmodulen Geschlecht, Alter, Erkrankung und Allergie Patienten-unabhängig dargestellt.

Die CAVE-Recherche

Was passiert, wenn bei von Kunden gewünschten Produkten eine CAVE-Warnung erfolgt? Da die Patienten-Merkmale und Anwendungsbeschränkungen codierte Begriffe sind, ist natürlich eine Suche nach wirkgleichen Präparaten mit bekannten Ausschlusskriterien möglich. Liegt etwa eine Allergie gegen einen Hilfsstoff beim Patienten vor, ist es nahe liegend, sich die Fertigarzneimittel vom System suchen zu lassen, die den betreffenden Hilfsstoff nicht beinhalten. Heute schon wird von diversen Softwarehäusern die CAVE-Recherche angeboten. Dabei sind sehr differenzierte Suchen durchführbar, die Ausschlusskriterien aus allen vier Teilmodulen berücksichtigen.

Fazit

ABDATA Pharma-Daten-Service stellt mit dem Zusatzmodul CAVE zur ABDA-Datenbank ein Informationssystem zur Verfügung, das im Apothekenalltag seine Tauglichkeit bewiesen hat und das pharmazeutische Personal in der öffentlichen Apotheke umfassend in punkto Arzneimittelsicherheit und Kundenbindung unterstützt. Mit CAVE lässt sich nicht zuletzt auch der Vorsprung vor der virtuellen Apotheke weiter ausbauen, da der Apotheker seine Kunden intensiv und stets auf Grund aktueller Daten beraten kann. Dies gilt gleichermaßen für den interessierten Kunden, für den chronisch Kranken wie für die besorgte Mutter. Das CAVE-Handbuch mit einer Auflistung aller Patienten-Merkmale (Erkrankungen und Allergien) ist bei ABDATA Pharma-Daten-Service erhältlich.

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Carsten D. Siebert
ABDATA Pharma-Daten-Service
Carl-Mannich-Straße 26
65760 Eschborn
info@abdata.aponet.de
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