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Heilpflanze des Jahres 2004

05.04.2004
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Tausendgüldenkraut

Heilpflanze des Jahres 2004

von Karin Springefeld, Weiterstadt-Braunshardt

Nachdem der sehr bekannte Salbei im Jahr 2003 den ersten Platz eroberte, ist es dieses Jahr das doch eher unbekannte und meist im Verborgenen wachsende Tausendgüldenkraut. Dabei muss sich diese Heilpflanze keineswegs verstecken, denn sie ist schön und sehr wirksam.

Einstimmig kürte eine Experten-Jury im Auftrag des NHV Theophrastus (Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e. V.) Centaurium erythraea, das Tausendgüldenkraut, zur Heilpflanze für das Jahr 2004.

Die Heilwirkung der pflanzlichen Inhaltsstoffe (Hauptwirkstoffe sind Bitterstoffglykoside) ist überzeugend und in der Volksheilkunde lange bekannt und bewährt. Der bittere Geschmack der Droge deutet es bereits an: Tausendgüldenkraut hilft bei Magenbeschwerden, denn es regt die Bildung von Speichel- und Magensaft an. Das ist auch die heute offiziell zugelassene Indikation zur Anwendung. Dabei muss unterschieden werden, ob es sich um einen „saftlosen, müden Magen“ handelt oder um einen übersäuerten. Im zweiten Fall ist eher Vorsicht geboten.

Die Volksmedizin überliefert noch weitere Anwendungsmöglichkeiten: Zum Beispiel wird ein Tee aus Tausendgüldenkraut bei Blutarmut und Bleichsucht, zur Blutreinigung, bei Hautausschlägen oder Leberleiden und Fettsucht empfohlen. Besonders interessant ist die Anwendung bei psychogen bedingter Essunlust, wie sie häufig bei jungen Mädchen auftritt. Ein Tee aus Tausendgüldenkraut soll sich für gestresste Mütter bei nervöser Erschöpfung eignen. Beruhigend kann der Tee auch auf die Galle wirken und bei Gallensteinen den gefürchteten Koliken vorbeugen.

Unter Naturschutz

Gesammelt werden darf das Tausendgüldenkraut bei uns nicht. Es wächst auf feuchten Wiesen und lichten Waldungen und ist an den purpurnen oder rosaroten Trugdolden gut zu erkennen. Ihre Blüten öffnet die einjährige Pflanze nur bei strahlendem Sonnenschein. Sie ist standorttreu und kommt vor allem in den Mittelmeerländern, aber auch noch bis hinauf zu den Britischen Inseln und in Skandinavien vor. Kultiviert wird sie nur in den USA. Um die arzneilich wirksamen oberirdischen Pflanzenteile in Deutschland verarbeiten zu können, wird das luftgetrocknete Kraut aus Ländern wie Marokko, Bulgarien, Serbien oder Kroatien importiert.

Zur Anwendung wird ein Tee oder Wein zubereitet. Bei der Tee-Zubereitung ist ein Kaltauszug wirksamer. Dazu wird ein gehäufter Teelöffel Kraut mit ¼ Liter kaltem Wasser übergossen, bei gelegentlichem Umrühren sechs bis zehn Stunden stehen gelassen und anschließend durch ein Sieb gegeben und auf Trinktemperatur erwärmt. Der Tee sollte jeweils vor den Mahlzeiten getrunken werden.

Für einen Arzneiwein werden je 30 g Tausendgüldenkraut und Pfefferminze gemischt, dazu kommt eine in kleine Stücke geschnittene, unbehandelte Zitrone und ein Liter Wein. Diese Mischung lässt man zehn Tage lang stehen. Anschließend wird sie ebenfalls durch ein Sieb gegeben und jeweils vor den Mahlzeiten getrunken.

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