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Mometason stoppt Heuschnupfen

06.03.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Mometason stoppt Heuschnupfen

von Matthias Dürschlag, Nürnberg

Schnupfen kennt jeder: Der Rachen wird trocken, die Schleimhäute schwellen an, die Nase läuft, man fühlt sich müde und gerädert. Nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Anders bei der allergischen Entzündung der Nasenschleimhäute: Die Rhinitis allergica gilt als chronische Erkrankung der Atemwege. Sie schränkt die Lebensqualität der Patienten stark ein und vergrößert das Risiko des Asthma bronchiale. Nasensprays mit topischen Glucocorticosteroiden haben sich bei der Behandlung bewährt.

Die sozialen und ökonomischen Folgen der allergischen Rhinitis wie zum Beispiel verringerte Leistungsfähigkeit der Patienten und die Kosten durch Folgeerkrankungen waren Auslöser für die ARIA-Studie (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) der Weltgesundheits-Organisation (WHO), die Professor Dr. Claus Bachert, Universitätsklinik Ghent, auf einer Pressekonferenz von Essex in Nürnberg vorstellte. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Früherkennung, Therapie und das häufige Zusammentreffen von Rhinitis und Asthma. Circa die Hälfte der Rhinitis-Patienten könnten im Laufe der Zeit auch an Asthma erkranken, so Bachert. Umgekehrt würde bei 28 bis 88 Prozent der Asthmapatienten auch eine Rhinitis festgestellt.

Um diesen Etagenwechsel zu verhindern, soll die allergische Rhinitis künftig mit einer Dauertherapie behandelt werden. Hierfür seien topische Glucocorticoide wie Mometasonfuroat (Nasonex®) wegen ihrer geringen systemischen Bioverfügbarkeit besonders geeignet.

Die Bedeutung des ECP (Eosinophil Cationic Protein) für die Diagnostik und die Therapie bei allergischer Rhinitis betonte Dr. Gerd Rasp von der HNO-Klinik der Universität München. Eosinophile Granulozyten dringen bei einer Entzündung vermehrt in die Nasenschleimhaut ein und lösen dort durch Proteine wie das ECP die Zellwände auf. In den ersten sechs Stunden der Entzündungsreaktion könne die ECP-Konzentration auf das hundertfache des Ausgangswertes ansteigen, berichtete Rasp. Die Entzündung sei somit frühzeitig im Plasma zu erkennen.

Mit topischen Steroiden kann sowohl die Zahl eosinophiler Granulozyten als auch die ECP-Konzentration gesenkt werden. Systemische Nebenwirkungen wie zum Beispiel das reduzierte Wachstum bei Kindern durch den Einfluss auf die körpereigene Steroidproduktion, treten beim nasal applizierten Mometason nicht auf.

Mometason für Kinder

Das Arkansas Research Medical Testing Center, Little Rock, und das Schering Plough Research Institute, New Jersey, testeten in einer Studie die Verträglichkeit der täglichen Anwendung von Mometasonfuroat-Nasenspray und den Einfluss auf die Nebennierenrinde (NNR): 96 an allergischer Rhinitis erkrankte Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren erhielten über 14 Tage einmal täglich 50, 100 oder 200 *g Mometasonfuroat oder Placebo. Nach Stimulation der NNR mit Cosyntropin unterschieden sich die Plasmacortisol-Konzentrationen der Patientengruppen nicht, ganz gleich ob sie während der zwei Wochen mit dem topischen Steroid oder mit Placebo behandelt worden waren. Klinisch relevante Nebenwirkungen traten ebenfalls nicht auf.

Mit topischen Corticosteroiden könne die allergische Rhinitis bereits im Kindesalter langfristig behandelt werden, resümierte Professor Dr. Ulrich Wahn von der Charité Berlin. "Die Therapie mit Mometasonfuroat ist gut steuerbar und ohne nennenswerte Risiken".

Praktische Erfahrungen

Die Mehrheit seiner Rhinitis-Patienten fühle sich durch die Therapie deutlich besser, berichtete Professor Dr. Ralph Mösges von der Universitätsklinik Köln. Die Behandlung allergischer Rhinitis vor Beginn der Heuschnupfensaison könne bei vielen Patienten die Symptome völlig beseitigen. Mösges plädierte für eine „neue, prophylaktische Anwendungspraxis nasaler Glucocorticoide„, da der einmalige Gebrauch pro Tag nicht nur die Symptome weitgehend unterdrücke, sondern auch die entzündliche Begleitreaktion bremsen und so die Lebensqualität der Patienten steigere.Top

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