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Eigene Rezepturen testen

09.02.2004  00:00 Uhr
Bundesweite Ringversuche

Eigene Rezepturen testen

ZL  Noch in diesem Jahr können alle Apotheken die Qualität ihrer Rezepturen in einem bundesweiten ZL-Ringversuch freiwillig messen lassen. Damit reagiert das ZL unter der Leitung von Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz auf den Wunsch einzelner Apothekerkammern, eine einheitliche Qualitätssicherungsmaßnahme für diesem Bereich zu entwerfen.

Johannes Metzger, Präsident der Bundesapothekerkammer, begrüßt, dass das ZL nun auch bundesweit beim Thema „Rezeptur“ in die Qualitätsoffensive geht. „Standardisierte und individuell hergestellte Rezepturen stellen nach wie vor eine ergänzende, zum Teil sogar lebenswichtige Option in der Behandlung der Patienten dar“, so Metzger. Es sei daher wichtig, die Herstellungsqualität von Rezepturen ständig zu prüfen und gegebenenfalls zu optimieren. Die Ringversuche seien ein wichtiger Baustein im Konzept der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung pharmazeutischer Leistungen.

Im Januar tagte im ZL der wissenschaftliche Beirat „Rezeptur“, um den Grundstein für das Konzept von bundesweiten Ringversuchen zu legen. Das Gremium um Schubert-Zsilavecz setzt sich aus Kollegen, die Erfahrungen mit Rezeptur-Ringversuchen in den Bundesländern Berlin, Rheinland-Pfalz und Thüringen gesammelt haben, sowie Experten aus Forschung und Lehre zusammen: Apotheker Dr. Andreas Kiefer (Vizepräsident der LAK Rheinland-Pfalz), Apotheker Danny Neidel (Geschäftsführer der LAK Thüringen), Professor Dr. Richard Süverkrüp (Abteilung für pharmazeutische Technologie, Universität Bonn) sowie Apotheker Dr. Stefan Wind (Stv. Geschäftsführer der Apothekerkammer Berlin). Innerhalb des ZL sind die Apothekerinnen Dr. Mona Tawab sowie Kati Laska für Planung, Koordination und Durchführung der bundesweiten ZL-Ringversuche verantwortlich.

Laut Plan soll das Konzept, das demnächst allen Kammern vorgestellt wird, bereits dieses Jahr umgesetzt werden. Es sieht vor, zweimal jährlich eine neue Rezeptur anzubieten. Als externe Prüfinstanz untersucht das ZL diese nach aktuellem wissenschaftlichen Stand und pharmazeutischen Regeln hinsichtlich ihrer chemischen, physikalischen und mikrobiologischen Beschaffenheit.

Für die Teilnahme am Ringversuch gelten stets zwei Prinzipien: Freiwilligkeit und Anonymität der Teilnehmer gegenüber Dritten, auch gegenüber der Kammer. Die teilnehmenden Apotheken erhalten nach Abschluss der Untersuchung ein Prüfprotokoll zur eingeschickten Rezeptur mit detaillierten Prüfergebnissen. Darüber hinaus gibt das ZL individuelle Anregungen und konstruktive Verbesserungsvorschläge, damit beim Herstellungsprozess künftig Fehler vermieden werden können. Apotheken, die mit ihrer Rezeptur hinsichtlich der Prüfkriterien „bestanden“ haben, erhalten vom ZL ein Zertifikat. Weiterhin ist geplant, die Teilnahme an den Ringversuchen mit Fortbildungspunkten zu belohnen.

Seminare ergänzen Konzept

Überdies wird das ZL in ganz Deutschland Seminare zum Thema „Rezeptur“ anbieten, um die individuellen Fähigkeiten von Apothekern und deren Teams auf diesem Gebiet zu optimieren. Auch hier kann jeder freiwillig teilnehmen - unabhängig davon, ob er am Ringversuch teilgenommen hat oder nicht. Süverkrüp, der zusammen mit Wind den „Rezeptur“-Beiratsvorsitz inne hat, wird sich in Zukunft mit der Planung und Konzeption dieser Seminare beschäftigen. „Damit schließt sich der Qualitätskreis“, betont Schubert-Zsilavecz. Denn ein Qualitätsnachweis der Dienstleistungen in der Apotheke sei unter heilberuflichen, politischen und wettbewerbsstrategischen Gesichtspunkten künftig immer wichtiger. Das ZL hofft, mir dem Angebot Standards zu definieren, um das Niveau der Herstellungsqualität von Rezepturen bundesweit anzuheben.

Wind erhielt - ähnlich wie seine Kollegen in anderen Kammern - bereits viele positive Rückmeldungen zu den Ringversuchen der Apothekerkammer Berlin, die in Kooperation mit dem ZL durchgeführt wurden: „Die Apothekenteams nutzen das Angebot und setzen sich mit den Abläufen in der Apothekenrezeptur kritisch auseinander. Die Ergebnisqualität, wie Dosierungsgenauigkeit und Hygiene, wird objektiv beurteilt. Aus den Resultaten werden konkrete Hilfen für die Apothekenpraxis abgeleitet.“

Kleiner aber wichtiger Markt

Hessens Kammerpräsidentin Dr. Gabriele Bojunga, die in ihrer Apotheke seit Jahren eine große Nachfrage nach Rezepturen verzeichnet, verweist nochmals auf die Bedeutung der Rezeptur. Der Wettbewerb der Apotheken werde in Zukunft über Qualität und Leistung laufen. Die Rezeptur, die zum klassischen Handwerkszeug eines jeden Apothekers gehöre, müsse daher immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden.

Deutschlands Apotheken stellen schätzungsweise rund 25 Millionen Rezepturen im Jahr für ihre Patienten her. Maßgeschneiderte Rezepturen in Form von Salben, Kapseln, Pulver und Infusionslösungen werden vor allem im Bereich der Dermatologie, der Onkologie sowie in der HNO-Heilkunde angefertigt. Top

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