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Fachgruppe als Kompetenzzentrum für Dermokosmetika

03.01.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagPZ-INTERVIEW

Fachgruppe als Kompetenzzentrum für Dermokosmetika

von Ursula Kindl, Berlin

Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie Mitte 1999 in Berlin stellte die Fachgruppe Dermokosmetik die Leitlinie "Dermokosmetika für trockene Haut" vor. Die PZ sprach mit dem Leiter der Gruppe, Professor Dr. Rolf Daniels über die Tätigkeiten der Organisation sowie die neue Leitlinie.

PZ: Herr Professor Daniels, was ist Sinn und Zweck dieser Fachgruppe?

Daniels: Die Fachgruppe Dermokosmetik der GD hat es sich zur Aufgabe gemacht, Leitlinien für bestimmte Produkt- und Inhaltsstoffgruppen der Dermokosmetik zu erstellen, um Apotheker, Dermatologen aber auch Verbraucher, die mit diesen Produkten umgehen, bei der Auswahl und Bewertung zu unterstützen. Darüber hinaus sehen wir unsere Fachgruppe als Kompetenzzentrum für alle Fragen der Dermokosmetik und stehen den Fachkreisen und Medien als Institution für neutrale Stellungnahmen zur Verfügung.

PZ: Wie setzt sich die Fachgruppe zusammen?

Daniels: Die Fachgruppe Dermokosmetik ist wie auch die anderen Fachgruppen offen für alle ordentlichen Mitglieder der GD, die an einer aktiven Mitarbeit interessiert sind. Derzeit besteht sie aus 25 Mitgliedern. Besonders hervorzuheben ist die interdisziplinäre Zusammensetzung. So arbeiten in der Fachgruppe nahezu genauso viele Apotheker, Dermatologen und andere Naturwissenschaftler mit, die wiederum ihren Beruf in unterschiedlichsten Betätigungsfeldern, wie Offizin, dermatologischer Praxis, Hochschule beziehungsweise Fachhochschule, Industrie oder privatem Untersuchungsinstitut, ausüben. So fokussiert sich in der Fachgruppe ein außerordentlich breit gestreutes Wissen zum Thema Dermokosmetik.

PZ: Nach der Wortschöpfung Dermopharmazie gibt es jetzt auch den Begriff Dermokosmetik. Können Sie den definieren beziehungsweise von dem der Dermopharmazie abgrenzen?

Daniels: Da es sich bei Dermokosmetik in der Tat um einen neuen, bislang nicht definierten Ausdruck handelt, hat sich die Fachgruppe natürlich auch um eine entsprechende Definition bemüht. Demnach verstehen wir unter Dermokosmetik Maßnahmen zur Reinigung, zum Schutz und zur Pflege der Haut, bei denen auch dermatologische und pharmazeutische Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Dermokosmetik ist also ein Teilaspekt der Dermopharmazie.

PZ: Auf dem letzten GD-Kongress haben Sie der Öffentlichkeit die Leitlinie "Dermokosmetika für trockene Haut„ vorgestellt. Zuerst einmal, was ist eine Leitlinie?

Daniels: Orientiert an der Definition der Agency for Health Care Policy and Research für die "Clinical Practice Guidelines" der USA sind Leitlinien systematisch entwickelte Darstellungen und Empfehlungen mit dem Zweck, bei der Entscheidung über zweckdienliche Maßnahmen – in unserem Fall die Pflege der Haut - zu unterstützen. Leitlinien haben also nur einen empfehlenden Charakter; sie sind weder Richtlinien noch Standards und damit rechtlich gesehen unverbindlich.

PZ: Wenn eine Leitlinie keinen verbindlichen Charakter hat, wozu ist sie dann gut?

Daniels: Die Leitlinie zeigt auf, welche Mindestanforderungen hinsichtlich Qualität aus Sicht unserer Fachgruppe an ein Dermokosmetikum zur Pflege der trockenen Haut zu stellen sind. Bislang gab es solch ein einheitliches, interdisziplinär abgestimmtes Konzept noch nicht. Wir haben also eine Bezugsebene geschaffen, die allen eine Hilfestellung geben soll, die sich mit Dermokosmetika zur Pflege trockener Haut beschäftigen.

PZ: Welche Bedeutung hat die Leitlinie für Apotheker bei der Auswahl geeigneter Kosmetika?

Daniels: Richtet sich ein Hersteller nach dieser Leitlinie, so wird er den Offizinapothekern auch eine entsprechende Dokumentation zur Verfügung stellen. Hierdurch können Produkte nachvollziehbar bewertet werden; eine Basis für die Beratungstätigkeit in der Apotheke.

PZ: Können Sie uns kurz den Inhalt der Leitlinie schildern?

Daniels: Die Leitlinie definiert zunächst einmal die Begriffe „Trockene Haut" und "Dermokosmetika" und verweist auf die gültigen Rechtsgrundlagen, wie zum die Kosmetik-Richtlinie der Europäischen Union. Danach nimmt sie, soweit es der wissenschaftliche Erkenntnisstand zuläßt, Stellung zu Formulierungen und Inhaltsstoffen.

Zwei weitere Abschnitte der Leitlinie sind den Themen "Erwünschte Wirkungen und Wirksamkeitsnachweise" sowie „Unerwünschte Wirkungen und Verträglichkeitsnachweise" gewidmet. Hier wird aufgezeigt, welche Wirksamkeitsprüfungen für Dermokosmetika zur Pflege trockener Haut relevant sind und wie deren Nachweis geführt werden kann. Außerdem ist es uns wichtig, eine optimale Verträglichkeit sicherzustellen.

Ein ganz zentraler Punkt der Leitlinie sind konkrete Forderungen bezüglich der Dokumentation zu diesen Produkten, denn erst hierdurch wird eine Beurteilung der Qualität eines Dermokosmetikums für die Pflege der trockenen Haut durch die Fachkreise möglich.

PZ: Glauben Sie, dass sich die Kosmetikhersteller an die Leitlinie halten werden?

Daniels: Bezüglich der Qualitätsanforderungen deckt sich die Leitlinie größtenteils mit den gesetzlichen Anforderungen, so dass die Kosmetikhersteller in diesem Punkt die Forderungen der Leitlinie ohnehin erfüllen müssen. Was die entsprechende Dokumentation anbelangt liegen uns Hinweise vor, dass einige Hersteller gerne dieser Leitlinie folgen und entsprechende Unterlagen erstellen werden, während andere unsere Forderungen für zu weitgehend halten.

PZ: Besteht die Möglichkeit, dass es künftig so etwas wie ein Gütesiegel geben könnte oder die Leitlinie irgendwann einen verbindlichen Charakter bekommen könnte?

Daniels: Im Sinne der Dermokosmetik wäre es sicher wünschenswert, wenn die Gedanken unserer Leitlinie einen verbindlichen Charakter bekämen. Ich glaube aber, dass so eine Annahme etwas realitätsfremd ist. Die Idee mit dem Gütesiegel halte ich dagegen für einen durchaus realistischen Ansatz. So könnte beispielsweise die GD bescheinigen, dass ein Produkt der Leitlinie entspricht. Hierdurch könnte auch der Verbraucher leichter erkennen, ob ein Produkt, das er in der Hand hält, gewisse Mindestanforderungen an die Qualität erfüllt.

PZ: Was sind die nächsten Ziele der Fachgruppe?

Daniels: Für die nahe Zukunft hat sich die Fachgruppe Dermokosmetik vorgenommen, Leitlinien für weitere Produktgruppen zu erarbeiten, wie zum Beispiel Gesichtspflegepräparate für empfindliche Haut und Lichtschutzmittel.Top

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