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Probiotika sind bei Vaginal-Entzündungen nutzlos

11.10.2004
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Probiotika sind bei Vaginal-Entzündungen nutzlos

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Probiotika werden häufig gegen Entzündungen der Scheide eingesetzt. Doch einer randomisierten Doppelblindstudie zufolge sind sie wirkungslos.

Probiotika, das heißt Mikroorganismen, die in vivo eine antagonistische Aktivität gegenüber pathogenen Keimen aufweisen, werden als allgemein gesundheitsfördernd angepriesen. Des Weiteren werden ihnen positive Effekte bei Scheidenentzündungen zugesprochen. Eine kürzlich veröffentlichte Erhebung zeigte, dass 40 Prozent von 751 Frauen, die an einer Vulvovaginitis erkrankt waren, Joghurt oder Lactobacillus oral einnahmen beziehungsweise vaginal applizierten, um die post-antibiotische Vulvovaginitis zu verhindern. Bislang existierten jedoch keine Studien, die die Effektivität dieser Behandlung untersuchten.

Australische Forscher überprüften daher den Nutzen von Probiotika, die Lactobacillus-Bakterien enthielten, bei der Behandlung einer Vulvovaginitis. Diese Entzündung tritt häufig nach der Einnahme von Antibiotika auf und wird meist durch Pilze vom Typ Candida verursacht. 278 Frauen zwischen 18 und 50 Jahren, die auf Grund einer nicht gynäkologischen Infektion kurzfristig Antibiotika einnehmen mussten, erhielten entweder Lactobacillus-Präparate (orale Pulver, vaginale Pessare oder beides) oder Placebo. Primärer Endpunkt war eine symptomatische, durch einen Abstrich bestätigte vulvovaginale Candidiasis.

Bei 55 von 235 ausgewerteten Patientinnen trat eine post-antibiotische Vulvovaginitis durch Candida albicans auf (23 Prozent). Die Odds Ratio, die die Zahl der Krankheitsereignisse mit und ohne Therapie ins Verhältnis setzt, betrug für die orale Einnahme von Lactobacillus gegenüber Placebo 1,06, für die vaginale Anwendung 1,38. Wegen des fehlenden Effekts wurde die Studie nach der zweiten Interimsanalyse abgebrochen.

Fazit: Diese Resultate widerlegen einen Effekt einer oralen oder vaginalen Lactobacillus-Behandlung zur Prävention einer vulvovaginalen Candida-Infektion nach vorausgegangener Antibiotika-Behandlung.

Quelle: Pirotta, M. et al., BMJ 329 (2004) 548 - 552.Top

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