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Spironolacton verbessert Prognose bei Herzinsuffizienz

18.10.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Spironolacton verbessert Prognose bei Herzinsuffizienz

von Rainer Deschner, Bad Mergentheim

Herzinsuffiziente Patienten können von einer zusätzlichen Therapie mit dem Aldosteronantagonisten Spironolacton profitieren, so das Ergebnis einer Untersuchung, die Wissenschaftler kürzlich im New England Journal of Medicine publizierten.

In Deutschland leiden mehr als 1,5 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. Die Prognose dieser Patienten ist mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von circa 50 Prozent relativ schlecht. Pathophysiologisch liegt bei Herzinsuffizienz eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-, Vasopressin- und sympathoadrenergen Systems vor.

Grundpfeiler der medikamentösen Therapie sind ACE-Hemmer, Diuretika und Digitalisglykoside. Immer häufiger therapieren Mediziner auch mit initial niedrig dosierten Betablockern wie Carvedilol, Bisoprolol und Metoprolol. Diese konnten in mehreren klinischen Studien die Letalität deutlich reduzieren. Neben erhöhten Catecholaminspiegeln geht bei Herzinsuffizienz auch ein Anstieg von Aldosteron mit einer ungünstigen Prognose einher. Das Mineralocorticoid fördert unter anderem Herzrhythmusstörungen und stimuliert die Fibrosierung des Myokards.

In der RALES-Studie (Randomized Aldactone Evaluation Study) wurde jetzt der Effekt einer Aldosteron-Rezeptor-Blockade bei 1663 Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und einer linksventrikulären Auswurffraktion von nicht mehr als 35 Prozent untersucht. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 65 Jahren, 1173 befanden sich in NYHA-Klasse III, 483 in NYHA-Klasse IV. Sie nahmen als Basismedikation einen ACE-Hemmer, ein Schleifendiuretikum und meist auch Digoxin ein, und erhielten einmal täglich den Aldosteronantagonisten Spironolacton in einer Dosis von 25 bis 50 mg oder Placebo. Die Studie wurde nach einer mittleren Beobachtungszeit von 24 Monaten vorzeitig abgebrochen, weil eine Zwischenauswertung die Wirksamkeit von Spironolacton belegte.

Die Gesamtsterblichkeit in der Placebogruppe lag bei 46 Prozent (n = 386), in der Verumgruppe dagegen bei 35 Prozent (n = 284). Diese 30-prozentige Reduktion des Mortalitätsrisikos unter Spironolacton ließ sich auf weniger Todesfälle durch progressives Herzversagen und plötzlichen Herztod zurückführen. Auch die Zahl der Krankenhausaufnahmen war um 35 Prozent niedriger als unter Placebo. Ferner wurde in der Spironolacton-Gruppe anhand der NYHA-Stadien als Bewertungsgrundlage eine signifikante Besserung der Herzinsuffizienzsymptome registriert.

Die Therapie mit dem Aldosteronantagonisten führte bei 10 Prozent der Patienten zu einer Gynäkomastie (abnormales Brustwachstum) oder Brustscherzen und bei 2 Prozent zu einer Hyperkaliämie. 8 Prozent brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab; unter Placebo 5 Prozent.

Quelle: Pitt B, et al. The effect of spironolacton on morbidity and mortality in patients with severe heart failure. N Engl J Med 342 (1999) 709 - 717.Top

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