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Atomoxetin verbessert bei ADHS Kernsymptome

16.08.2004  00:00 Uhr

Atomoxetin verbessert bei ADHS Kernsymptome

von Imme Schröder, Eschborn

Atomoxetin kann als hochselektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer zu einer kontinuierlichen Kontrolle der Symptome der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beitragen. Dies zeigte eine Studie unter naturalistischen Bedingungen mit 482 Patienten.

Zudem scheint die Substanz kein Suchtpotenzial aufzuweisen. In den USA ist der Wirkstoff bereits seit 2002, in Großbritannien seit Mai diesen Jahres zur Therapie von ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zugelassen. Für Deutschland wird die Zulassung im ersten Halbjahr 2005 erwartet.

Die Studie, die erstmals die systematische Behandlung mit Atomoxetin in der klinischen Praxis untersuchte, zeigte eine signifikante Reduktion der ADHS-Kernsymptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität. Das Elternurteil bestätigte, dass die Substanz zu einer kontinuierlichen Symptomenkontrolle über den ganzen Tag bis zum Abend wesentlich beiträgt. Zudem konnte auch in Subgruppen, die zusätzlich Ängste, das Tourette Syndrom oder oppositionelles Trotzverhalten aufwiesen, eine Besserung des ADHS Schweregrades erzielt werden. Dabei hielt die Verbesserung des Verhaltens über die zweijährige Studiendauer an.

Mit Atomoxetin steht erstmals ein Medikament zur Therapie der ADHS zur Verfügung, das nicht zur Gruppe der Psychostimulanzien gehört. Seine Wirkung beruht auf einem neuartigen Prinzip: Im Gegensatz zu Methylphenidat beeinflusst die Substanz nicht direkt das dopaminerge System, sondern moduliert die Interaktion zwischen dem noradrenergen und dopaminergen System und normalisiert so die frontokortikale Dysfunktion des Aufmerksamkeitssystems. Dadurch verläuft der Wirkeintritt von Atomoxetin deutlich sanfter als bei Stimulanzien, deren abrupter „On-Off-Wirkbeginn“ für die unerwünschten euphorisierenden Effekte und infolgedessen für die potenzielle Suchtgefahr verantwortlich gemacht wird. So bestätigte auch eine randomisierte doppelblinde Vergleichsstudie mit 40 stationären Suchtpatienten das geringe Sucht- und Missbrauchspotential von Atomoxetin. Top

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