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Gegen Aut idem in der Asthmatherapie

05.08.2002
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Gegen Aut idem in der Asthmatherapie

von Christiane Berg, Hamburg

Mit modernen Inhalationstherapeutika lässt sich die Asthmabehandlung so steuern, dass die Beschwerdefreiheit garantiert werden kann. Das Selbstwertgefühl der Patienten müsse durch entsprechende Information und Beratung gestärkt werden, forderten Experten kürzlich auf einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline.

„Entgegen der gängigen Meinung müssen Patienten ihren Anspruch an das Leben nicht herunterregulieren“, betonte Dr. Martin Ehlers aus Hamburg. Wird ein Asthmapatient ins Krankenhaus eingeliefert, so muss sich der Arzt vorwerfen lassen, das er „etwas falsch gemacht hat“, sagte der auf Lungen- und Bronchialheilkunde spezialisierte Internist.

Kluft zwischen Anspruch und Realität

Ehlers kritisierte, dass Anspruch und Realität in der Asthmatherapie weit auseinander klaffen. Dies zeige eine aktuelle Fragenbogenaktion mit 1500 Patienten: Trotz der erheblichen Einschränkungen ihrer täglichen Aktivitäten um 43 Prozent und der zu hohen Zahl von regelmäßigen ambulanten und stationären Notfallbesuchen (40 beziehungsweise 10 Prozent) sowie einem zu hohen Bedarf an kurzwirksamen b2-Sympatomimetika, schätzen Asthmatiker ihre Krankheit nach Ansicht von Ehlers irrtümlich als „gut“ oder „sehr gut“ kontrolliert ein. 42 Prozent der Patienten klagen über eine mindestens einmal wöchentliche asthmabedingte Schlafstörung. Ehlers sprach von einem „Missverhältnis“ und „unbefriedigenden Bild“ gerade angesichts der Tatsache, dass effektive Asthmakontrolle machbar sei.

Als Ursachen für persistierende Beschwerden nannte er neben dem zu niedrigen Anspruch der Patienten Fehlbewertungen behandelnder Ärzte und damit einhergehend unzureichende Therapiemaßnahmen. Es sei dringend notwendig, die Patienten über die Möglichkeiten der modernen Asthmatherapie aufzuklären. Ehlers: „Asthma ist die internistische Erkrankung, die wir am besten im Griff haben“.

Kombination versus Dosiserhöhung

Die Vorteile der Therapie werden nicht selten durch Anwendungsfehler der Patienten bei der Inhalation relativiert, konstatierte Dr. Thomas Voshaar, Moers. Nicht zuletzt die Vielzahl der heute auf dem Markt befindlichen Systeme sei für den Laien verwirrend, so der Pneumologe, der sich gegen die Aut-idem-Substitution bei der Verordnung inhalativer Atemwegstherapeutika verwehrt. Die Auswahl des geeigneten Inhalationssystems durch den Arzt sei mindestens ebenso entscheidend wie die des Medikamentes selbst, keinesfalls dürfe man daher die Wahl dem Apotheker überlassen. Auch gelte es, die Versorgung mit unterschiedlichen Systemen beziehungsweise den unkontrollierten Wechsel des Inhalationsgerätes zu vermeiden.

Sowohl Ehlers als auch Voshaar hatten sich im Vorfeld für den verstärkten Einsatz fixer Kombinationen inhalativer Steroide wie Fluticason und langwirksamer b2-Sympatomimetika wie Salmeterol zur Verbesserung der Compliance sowie Symptomkontrolle bereits beim mittelschweren Asthma ausgesprochen. In zahlreichen klinischen Studien wurde nachgewiesen, dass die zusätzliche Gabe eines inhalativen, lang wirksamen Sympathomimetikums in jedem Fall effektiver ist als die Dosiserhöhung des inhalativen Glukokortikoids allein, so Ehlers. Er bezeichnete die Kombination aus Salmeterol und Corticoid als „Goldstandard 2002“. Top

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