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Kombination von Reteplase mit Abciximab bei Infarkt sinnvoll

30.07.2001  00:00 Uhr

Kombination von Reteplase mit Abciximab bei Infarkt sinnvoll

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Die Kombination des Fibrinolytikums Reteplase mit Abciximab ist der Standardtherapie nur mit Reteplase zwar nicht signifikant überlegen, senkt aber das Herzinfarktrisiko und die Reinfarktrate. Dafür müssen allerdings teilweise mehr Komplikationen in Kauf genommen werden, unter anderem nicht lebensbedrohliche gastrointestinale Blutungen bei Patienten über 75.

Die Reperfusionstherapie bei Patienten mit akutem Herzinfarkt gilt seit Ende der 80er Jahre als Standardtherapie, Plasminogen-Aktivatoren sind Mittel der Wahl. Einige Pilotstudien zeigen aber auch, dass die Kombination von niedrigdosiertem Plasminogen-Aktivator mit einem Glykoprotein-IIb/IIIa-Antagonisten schneller zu einer dauerhaften und vollständigen myokardialen Reperfusion führt.

Wissenschaftler verglichen Mono- und Kombitherapie jetzt in der sogenannten GUSTO-V-Studie (Global Utilisation of Streptokinase and TPA for Occluded Coronary Arteries) an einem großen Patientenkollektiv. Als primäres Beurteilungskriterium für den Therapieerfolgs galt die Mortalitätsrate nach 30 Tagen. Zusätzlich registrierten die Mediziner das Auftreten nicht tödlicher Schlaganfälle, Reinfarkte, schwerer kardialer Ischämien, Blutungen, den Bedarf an Revaskularisationen sowie die Mortalität nach einem Jahr.

Insgesamt 16.588 Patienten erhielten innerhalb von sechs Stunden nach Infarkt entweder eine Standarddosis Reteplase (Rapilysin®, 100 mg) oder die halbe Dosis plus Abciximab (ReoPro®, Bolus und 12-stündige Infusion).

Nach 30 Tagen waren 488 (5,9 Prozent) der Patienten in der Reteplase-Gruppe und 468 (5,6 Prozent) in der Kombigruppe verstorben. Die Unterschiede waren nicht signifikant. Allerdings erlitten weniger Patienten nicht-tödliche Infarkte, die beide Arzneistoffe erhalten hatten. Zudem war der Bedarf an notfallmäßigen Revaskularisationen geringer. Dafür kam es in dieser Gruppe häufiger zu Blutungskomplikationen. Die Rate an intrakranialen Blutungen und nicht tödlichen Schlaganfällen war in beiden Gruppen ähnlich.

Quelle: The GUSTO V-Investigators. Lancet 357 (2001) 1905 - 14.Top

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