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Mehr Lebensqualität durch Antacida

05.07.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

PATIENTENBEFRAGUNG

Mehr Lebensqualität durch Antacida

von Hari Sven Krishnan, Neu-Isenburg

Rund ein Drittel aller Deutschen leiden mindestens einmal pro Jahr an dyspeptischen Beschwerden. Die Krankheit beeinträchtigt das Allgemeinbefinden und die Lebensqualität der Patienten erheblich und verursacht große volkswirtschaftliche und ökonomische Kosten. Allerdings konsultiert nur jeder Dritte Betroffene einen Arzt. Dem Apotheker kommt daher in Sachen Betreuung und Beratung solcher Patienten eine besondere Verantwortung zu. In einer von Apotheken unterstützten Patientenbefragung wurden deshalb die Auswirkungen einer Antacidatherapie mit 680 mg Calciumcarbonat und 80 mg Magnesium-carbonat pro Tablette* auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Patienten mit dyspeptischen Beschwerden untersucht.

Da die meisten Dyspepsien funktionelle Störungen sind, also eine organische Ursache für die sich auf den Oberbauch projizierenden Beschwerden ausgeschlossen werden kann, ist gerade hier die Lebensqualität der Patienten ein wichtiger Parameter zur Beurteilung des Therapieerfolgs.

Lebensqualität setzt sich aus verschiedener Einzelkomponenten zusammen. Vor allem die Definition der Gesundheit durch die WHO von 1948 als Zustand "vollständigen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Fehlen von Krankheit und Gebrechlichkeit" hat die Lebensqualitätsforschung stark beeinflußt.

Lebensqualität ist eine qualitative Variable, die nur indirekt über Indikatoren gemessen werden kann. In der Wissenschaft und Praxis wurden aber in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte bei der Entwicklung von Meßinstrumenten zur Bestimmung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gemacht. Dies gilt vor allem für den angelsächsischen Sprachraum. Zur Erfassung der Lebensqualität und ihrer Komponenten existieren gegenwärtig verschiedene standardisierte und psychometrisch getestete Erhebungsinstrumente. Eine große Bedeutung haben Fragebögen, die die Patienten selbst ausfüllen.

Um die verschiedenen Dimensionen des Faktors Lebensqualität in adäquater Weise zu erfassen, müssen verschiedene Komponenten (Lebensbereiche oder Domainen) des Befindens und Verhaltens berücksichtigt werden. Diese Komponenten lassen sich in Anlehnung an die WHO-Definition in mehrere Bereiche einteilen: physische Dimension, psychisches Wohlbefinden (emotionale und kognitive Fähigkeiten) und die soziale Dimension.

Bei den Fragebögen kann grundsätzlich unterschieden werden, ob sie für eine spezielle Erkrankung (zum Beispiel Asthma oder Diabetes) konzipiert wurden oder ob sie unabhängig von einem Krankheitsbild gesundheitsbezogene Lebensqualität untersuchen. Letztere werden auch als generische oder krankheitsübergreifende Instrumente bezeichnet. Eine Auswahl dieser Erhebungsinstrumente zeigt der nebenstehende Kasten.

Krankheitsspezifische Instrumente dagegen messen nur die Veränderungen der Lebensqualität bezogen auf eine Erkrankung. Beispiele sind der Functional Living Index für Krebspatienten (FLIC), der Asthma Quality of Life Questionnaire (AQLQ) und die Arthritis Impact Measurement Scale (AIMS).

Befragung mit generischem Fragebogen

In der vorliegenden Untersuchung wurde der standardisierte SF-12 Fragebogen verwendet. Hierbei handelt es sich um einen generischen Lebensqualitätsfragebogen, der primär die physische und mentale Gesundheit der Patienten mißt. Vorteile des Bogens: Er ist sehr kurz und kompakt und hat daher eine hohe Akzeptanz bei den Patienten. Der SF-12 wurde auf seine Zuverlässigkeit (Reliabilität), Validität, und Sensitivität in einer Reihe von Studien umfassend getestet.

In der Zeit von Juni bis Oktober 1998 wurde bundesweit in 75 Apotheken 439 Patienten befragt. Dabei füllten Patienten mit dyspeptischen Beschwerden einen SF-12 Fragebogen vor der Einnahme des Antacidums und einen weiteren nach einer Woche medikamentöser Therapie aus. Aus der Differenz der beiden Messungen wurde der Erfolg der Selbstmedikation abgeleitet.

Lebensqualität stieg deutlich

Die Patienten hatten vor Einnahme des Präparates entsprechend der SF-12-Bewertungsskala sowohl in der physischen als auch in der mentalen Dimension eine stark eingeschränkte Lebensqualität, die merklich unter den Normwerten der gesunden Bevölkerung lag. Die Qualität stieg während der Woche jedoch deutlich. Das heißt, unter Einnahme des Antacidums besserte sich sowohl die physische als auch mentale Gesundheit. Der Anstieg entsprach einer Normalisierung der Werte und war statistisch signifikant.

Beste Resultate bei Sodbrennen

Alle Einzelsymptomen dyspeptischer Beschwerden wie Sodbrennen, Druck-gefühl, Völlegefühl, Aufstoßen, Schmerzen, Magenkrämpfe, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Brechreiz besserten sich im Verlauf der Wochen deutlich. Und insbesondere profitierten Patienten mit dem Symptom Sodbrennen von der Einnahme des Antacidums.

An der Studie nahmen 354 Personen, davon 38,5 Prozent Männer und 59,6 Prozent Frauen teil. Die Patienten nahmen im Mittel pro Tag 3,6 Tabletten des untersuchten Präparates ein. Sie bewerteten die Wirksamkeit der Zubereitung in 78,5 Prozent der Fälle mit "sehr gut" oder "gut". Die Verträglichkeit des Präparates wurde von 86,5 Prozent als "sehr gut" oder "gut" bezeichnet. 85 Prozent aller Befragten gaben an, bei Bedarf das Antacidum erneut anzuwenden.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, daß sich Calcium- und Magnesiumcarbonat-haltige Antacida hervorragend zur Behandlung der häufigsten dyspeptischen Beschwerden wie Sodbrennen, Magendruck und Magen-schmerzen in der Selbstmedikation eignen. Der postive Einfluß auf die Lebensqualität konnte anhand des validierten Fragebogens (SF-12) zweifelsfrei und objektiv nachgewiesen werden.

*) Handelspräparat Rennie®

Anschrift des Verfassers:
Hari Sven Krishnan
Fliederweg 10
63263 Neu-Isenburg
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