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Zink lindert Pneumonie bei Kleinkindern

07.06.2004
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Zink lindert Pneumonie bei Kleinkindern

Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden / Kinder erholen sich schneller von einer schweren Pneumonie, wenn sie zusätzlich zur Antibiotikatherapie täglich Zink einnehmen. So das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Die Pneumonie stellt eine der häufigsten Erkrankungen und die Haupttodesursache bei Kindern unter fünf Jahren dar. So lässt sich etwa jeder fünfte Todesfall in dieser Altersgruppe auf eine Pneumonie zurückführen, wobei 90 Prozent auf Entwicklungsländer entfallen. Einzelne Studien zeigten bereits, dass mit einer Gabe von Zink Pneumonien verhindert und Durchfallerkrankungen behandelt werden konnten. Als Wirkmechanismus kommt dabei eine Stärkung der Immunantwort in der akuten Phase der Infektion infrage. So ist es möglich, dass Kinder mit einer ausreichenden Zinkversorgung einen besseren Immunstatus besitzen als Kinder mit einem Zinkmangel.

In einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie an einem Krankenhaus in Bangladesh wurde nun untersucht, inwieweit Zink die Prognose von Kleinkindern mit schwerer Pneumonie verbessern und die Schwere der Symptome sowie die Dauer des Krankenhausaufenthalts reduzieren kann. Hierzu erhielten 270 erkrankte Kinder im Alter von zwei bis 23 Monaten bis zur Entlassung entweder täglich 20 mg Zink oder Placebo zusätzlich zu einer standardisierten Antibiotikabehandlung. Beurteilungskriterien waren die Zeit bis zur Besserung der schweren Pneumoniesymptome sowie der Entlassungszeitpunkt. Nach der Entlassung schloss sich eine orale Antibiotikatherapie an.

Unter der Zinkgabe war sowohl die Dauer der schweren Pneumonie als auch die Verweildauer im Krankenhaus jeweils um etwa einen Tag und damit signifikant gegenüber Placebo verkürzt (um 30 beziehungsweise 25 Prozent). Dabei vertrugen die Kinder den Zinkzusatz gut.

Demnach beschleunigt eine adjuvante Behandlung mit 20 mg Zink täglich bei Kindern die Erholung von einer schweren Pneumonie und verkürzt den Krankenhausaufenthalt. Möglicherweise kann sie zudem Resistenzen gegen die antimikrobielle Therapie deutlich senken, da Mehrfachbehandlungen mit Antibiotika vermieden werden und somit Situationen, in denen keine wirksamen Medikamente mehr zur Verfügung stehen. Da eine Zinkbehandlung sehr preiswert ist, sind auch die potenziellen Einsparmöglichkeiten beträchtlich. /

Quelle: Brooks, W. A., et al., Zinc for severe pneumonia in very young children: double-blind placebo-controlled trial. Lancet 363 (2004) 1683 - 1688. Top

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