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Pharmazie

03.05.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-VerlagNEU AUF DEM MARKT

Dexketoprofen und Daclizumab

von Ulrich Brunner, Eschborn, Brigitte M. Gensthaler, München

Nur zwei neue Arzneistoffe kamen im April 1999 auf den deutschen Markt. Das Analgetikum Dexketoprofen ist das S-Enantiomer des nicht-steroidalen Antirheumatikums Ketoprofen. Der humanisierte monoklonale Antikörper Daclizumab bindet an die Rezeptoren des Interleukin (IL)-2-Rezeptors und unterdrückt damit Abstoßungsreaktionen nach einer Nierentransplantation.

Dexketoprofen

Das Antirheumatikum, das am 19. April in den deutschen Markt eingeführt wurde, ist eigentlich ein alter Bekannter. Das Racemat Ketoprofen wird seit über zwanzig Jahren therapeutisch eingesetzt. Das neue Arzneimittel enthält nur das wirksame Enantiomer: Dexketoprofen-Trometamol ist das Trometamolsalz der S-(+)-2-(3-Benzoylphenyl)-propionsäure, die analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch wirkt (Sympal® 25 mg von Berlin Chemie).

Zugelassen wurde es zur symptomatischen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen, zum Beispiel im Bewegungsapparat, bei Zahn- oder Menstruationsbeschwerden - keine Langzeittherapie. Je nach Art und Intensität der Schmerzen nimmt man alle vier bis sechs Stunden 12,5 mg oder alle acht Stunden 25 mg (Tagesdosis 75 mg), bei akuten Schmerzen mindestens eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit. Bei Patienten mit leichten Leber- oder Nierenfunktionsstörungen beträgt die Tagesgesamtdosis 50 mg. Die Wirkung beruht wie bei allen nicht-steroidalen Antirheumatika auf der Verminderung der Prostaglandinbiosynthese durch Hemmung der Cyclooxygenase-Isoenzyme COX-1 und COX-2. Die analgetische Wirkung tritt nach etwa dreißig Minuten ein und hält vier bis sechs Stunden an. Wechselwirkungen, Gegenanzeigen und Nebenwirkungen (vor allem im Gastrointestinaltrakt) entsprechen im wesentlichen denen anderer NSAR. Der Patient sollte informiert werden, daß das Arzneimittel Müdigkeit und Schwindel auslösen kann.

In einer dreiwöchigen Studie mit 183 Patienten mit einer Osteoarthritis am Knie war die dreimal tägliche Gabe von Dexketoprofen (je 25 mg) wirksamer als Ketoprofen (je 50 mg). Eine geringere Inzidenz von Nebenwirkungen war statistisch nicht signifikant. Bei der gleichen Indikation war Dexketoprofen in einer zweiwöchigen Studie an 115 Patienten therapeutisch mindestens gleichwertig mit Diclofenac. In der postoperativen Schmerzbehandlung über drei Tage war kein Unterschied in Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dexketoprofen und Tramadol nachweisbar. Jedoch wurde Paracetamol in der Tramadol-Gruppe häufiger zusätzlich eingenommen.

Daclizumab

Mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper Daclizumab (Handelsname Zenapax® von Roche) wurde zum 15. April nach Basilicimab (Simulect®, Novartis) ein zweites Immunsuppressivum in Deutschland eingeführt. Beide Antikörper binden an die IL-2-Rezeptoren auf aktivierten T-Zellen und verhindern damit deren Proliferation.

Daclizumab wird bei Nierentransplantierten in Kombination mit Cyclosporin A eingesetzt, das selektiv und reversibel die Bildung von Interleukin 2 hemmt. Durch das Zusammenspiel beider Substanzen kann das Immunsystem somit zweifach und selektiver unterdrückt werden. Bei der neuen Substanz handelt es sich um einen rekombinanten humanisierten IgG1-Antikörper, der nur 10 Prozent murine Anteile enthält.

Daclizumab wurde in zwei klinischen Studien bei nierentransplantierten Patienten in 36 internationalen Zentren untersucht. Die Studien dauerten 12 Monaten. 275 Patienten erhielten fünfmal alle 14 Tage 1 mg/kg KG Verum oder Placebo gemeinsam mit Cyclosporin und Steroiden als Basisimmunsuppression. Bei 260 Patienten bestand die Immunsuppression zusätzlich aus Azathioprin. Die Inzidenz akuter Abstoßungen betrug in der Verumgruppe 28 Prozent (Placebo 43 Prozent). Die mit Daclizumab Behandelten erhielten signifikant weniger Steroide in den ersten sechs Monaten und hatten eine geringere kumulative Immunsuppression im Vergleich zur Placebogruppe. Die Therapie wurde gut vertragen, spezifische Nebenwirkungen traten nicht auf.

Daclizumab muß nach Angaben des Herstellers insgesamt fünfmal in die Vene infundiert werden. Die erste Gabe sollte wenige Stunden vor der Operation, die weiteren im 14tägigen Turnus gegeben werden. Deutschland ist laut Roche der erste europäische Staat, indem Zenapax® eingeführt wurde.Top

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