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Calciumsensitizer hilft bei schwerer Herzinsuffizienz

10.01.2000
Datenschutz bei der PZ

-PharmazieGovi-VerlagLEVOSIMENDAN

Calciumsensitizer hilft bei
schwerer Herzinsuffizienz

von Ulrich Brunner, Eschborn

Der Calciumsensitizer Levosimendan könnte in Kürze die Pharmakotherapie der schweren dekompensierten Herzinsuffizienz bereichern. In einer klinischen Untersuchung wirkte Levosimendan vergleichbar wie das b1-Sympathomimetikum Dobutamin, so der Hersteller Orion Pharma. Inzwischen hat das Unternehmen bereits die Zulassungsunterlagen eingereicht.

Bei Patienten mit schwerer dekompensierter Herzinsuffizenz gilt es, möglichst schnell die mangelhafte Auswurfleistung des Herzens zu erhöhen. Bisher erhielten die Betroffenen b-Sympathomimetika oder Phosphodiesterase-Hemmer. Beide Substanzklassen erhöhen die Ca2+-Konzentration in den Herzmuskelzellen und steigern so die Kontraktilität des Myokards. Dabei kann es jedoch zu lebensgefährlichen Arrhythmien kommen.

Diese Nebenwirkungen drohten jedoch nicht Patienten, die einen Calcium-Sensitizer einnehmen, meldet Orion. Levosimendan bindet in den Muskelzellen an Troponin C und erhöht so die Empfindlichkeit der Herzmuskelzelle gegenüber Calcium.

Das Protein Troponin C koordiniert das Zusammenspiel von Calcium und Muskelkontraktion. Im ruhenden Muskel sind die Myosinbindestellen auf dem Aktin durch einen Troponinkomplex blockiert. Strömt Calcium in die Zelle, bindet dieses an Troponin C und löst eine Konformationsänderung aus. Der Kopf des Myosinmoleküls kann dann an die benachbarten Aktinfilamente binden und der Muskel zieht sich zusammen.

Levosimendan bindet jedoch nur bei ansteigenden Calcium-Spiegeln an Troponin C, wie sie physiologisch bei der Systole auftreten, so Professor Dr. Markku S. Nieminen von der Universität Helsinki, Finnland. Die Substanz beeinflusse daher nicht die Diastole. Zudem könne der Calciumsensitizer zusätzlich über eine, durch die Öffnung der Kaliumkanäle vermittelte, Vasodilatation die Vor- und Nachlast des Herzens senken.

In der LIDO-Studie (Levosimendan Infusion versus Dobutamin) erhielten 203 Patienten mit schwerer dekompensierter Herzinsuffizienz und geringer Auswurfleistung entweder eine Levosimendan-Infusion über 24 Stunden (24 µg /kg KG als Bolus, danach 0,1 µg/kg/min) oder Dobutamin (5 µg /kg KG). Als primäres Behandlungsziel definierten die Mediziner eine Abnahme des Lungenkapillardrucks von mehr als 25 Prozent oder mindestens 4 mmHg.

Unter Levosimendan sank der Füllungsdruck um 29 und unter Dobutamin um 16 Prozent, berichtete der Studienleiter Professor Dr. Ferenc Follath vom Universitätsspital Zürich auf einem Symposium Ende 1999 in Berlin. Nach 31 Tagen waren acht Patienten aus der Levosimendan- und 17 Patienten aus der Dobutamin-Gruppe verstorben. Nach 180 Tagen 26,2 gegenüber 38 Prozent.

Zudem hätten die Patienten die neue Substanz wesentlich besser vertragen. Kardiale Nebenwirkungen wie erhöhte Herzfrequenz und Arrhythmien traten bei 3,9 Prozent in der Levosimendan- und 13,3 Prozent in der Dobutamin-Gruppe auf. Allerdings litten Patienten, die den Calciumsensitizer erhielten, häufiger unter Kopfschmerzen und einem asymptomatischen Blutdruckabfall.Top

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