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Rituximab bald zur First-line-Therapie

29.12.2003
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Non-Hodgkin-Lymphom

Rituximab bald zur First-line-Therapie

von Kerstin A. Gräfe, Frankfurt am Main

Niedrig maligne Lymphome wurden bislang mit einer alleinigen Chemotherapie behandelt – allerdings nur mit geringem Erfolg. Aktuelle Studien belegen, dass Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie die Ansprechrate auf über 80 Prozent erhöht und die krankheitsfreie Zeit auf das Vierfache verlängert.

Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 11.000 Menschen am Non-Hodgkin-Lymphom (NHL). Eine der häufigsten Unterarten des NHL mit circa 4600 Neuerkrankungen pro Jahr ist das so genannte indolente (niedrig maligne) Lymphom. Die Erkrankung ist in der Regel nicht heilbar und verläuft trotz wiederholter chemotherapeutischer Behandlung nach acht bis zehn Jahren tödlich.

Zwei aktuelle klinische Studien weisen nun darauf hin, dass hier mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab (MabThera®) nach über 25 Jahren therapeutischen Stillstands ein Durchbruch erzielt werden konnte. So erhöhte der Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie die Ansprechrate bei der Erstbehandlung des indolenten Lymphoms um bis zu 40 Prozent und verlängerte die krankheitsfreie Zeit um bis zu 20 Monate. Dies könnte erstmals zu einer deutlichen Lebensverlängerung der Betroffenen führen.

Ziel ist langfristige Rezidivfreiheit

An einer prospektiven randomisierten Phase-III-Studie, die von der Deutschen Low Grade Lymphoma Study Group (GLSG) durchgeführt wurde, nahmen insgesamt 428 Patienten mit einem fortgeschrittenen indolentem Lymphom (Stadium III oder IV) teil. Die Patienten waren nicht vorbehandelt und erhielten entweder sechs bis acht Zyklen der Standard-Chemotherapie CHOP oder CHOP plus Rituximab (R-CHOP).

Dabei erreichten mit 96 Prozent der mit R-CHOP behandelten Patienten eine signifikant höhere Rate von Remissionen, verglichen mit 90 Prozent unter alleiniger Chemotherapie. Wesentlich bedeutsamer sei jedoch, dass die Kombinationsbehandlung auch einen mittel- bis langfristigen positiven Effekt hatte, erklärte Professor Dr. Wolfgang Hiddemann, Direktor der Medizinischen Klinik/Poliklinik III vom Universitätsklinikum München, auf einer von Hoffmann-La Roche unterstützen Veranstaltung.

So zeigte sich, dass es bei den mit R-CHOP behandelten Patienten nur in 28 von 223 Fällen zu einem Rückfall der Erkrankung innerhalb der ersten drei Jahre kam, während dieses in der CHOP-behandelten Patientengruppe bei 61 der 205 Patienten beobachtet wurde. Damit konnte eine signifikante Verbesserung des rückfallfreien Intervalls durch die R-CHOP Kombination belegt werden. Dies bedeutet für die Patienten nicht nur eine längere Periode der Krankheitsfreiheit, sondern auch eine längere Phase, in der eine weitere Therapie nicht erforderlich ist. Dies sei bei einer Krankheit, bei der das Rezidiv die Regel ist, ein echter Durchbruch, denn eine möglichst langfristige Rezidivfreiheit sei das wichtigste Ziel, sagte Hiddemann.

Ob dieser Vorteil auch in einer Verlängerung des Überlebens resultiert, könne derzeit noch nicht beurteilt werden. Insgesamt zeigten diese Ergebnisse jedoch einen entscheidenden Fortschritt in der Behandlung der follikulären Lymphome.

Die Daten einer internationalen, multizentrischen Phase-III-Studie unterstrichen die von Hiddemann vorgestellten deutschen Studienergebnisse. Insgesamt nahmen an der zweijährigen Studie 321 Patienten mit fortgeschrittenem indolentem Lymphom. Die Patienten waren ebenfalls nicht vorbehandelt und erhielten über acht Zyklen entweder das Chemotherapie-Schema CVP (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison) oder CVP plus Rituximab. Als primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Therapieversagen definiert.

Krankheitsfreie Zeit fast vervierfacht

Nach 18-monatiger Nachbeobachtung lag die Zeit bis zum Therapieversagen unter Rituximab-haltiger Therapie bei 27 Monaten, wohingegen im CVP-Arm nur sieben Monate erreicht wurden (p < 0,0001). Somit konnte die krankheitsfreie Zeit durch Rituximab um 20 Monate verlängert werden. Des Weiteren erhöhte sich die Vollremissionsrate von 10 Prozent unter der alleinigen Chemotherapie auf 41 Prozent unter Chemotherapie plus Rituximab (p < 0,0001). Die Gesamtansprechrate konnte von 57 Prozent unter CVP allein auf 81 Prozent unter der Kombinationstherapie gesteigert werden.

Der Hersteller Hoffmann-La Roche erwartet auf Grund dieser Ergebnisse eine Zulassungserweiterung von Rituximab zur First-Line-Therapie des indolenten Lymphoms im Herbst 2004. Rituximab ist in Deutschland bereits als Monotherapie zur Behandlung des rezidivierten beziehungsweise therapierresistenten niedrig malignen NHL sowie in Kombination mit dem Chemotherapie-Schema CHOP (Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) zur Erstbehandlung des aggressiven großzelligen diffusen B-Zell-Lymphoms zugelassen.

 

Wirkmechanismus Der monoklonale Antikörper Rituximab greift in die Immunantwort ein, indem er hochspezifisch an das CD20-Antigen bindet, das auf der Oberfläche von reifen B-Zellen exprimiert wird. Des Weiteren scheint er die Lymphomzellen für die Chemotherapie zu sensibilisieren. Dabei vermutet man, dass Rituximab direkt intrazelluläre Signal-Kaskaden mit nachfolgendem programmierten Zelltod der B-Zellen triggert und zum anderen die Komplement-vermittelte und Antikörper-gesteuerte zelluläre Zytotoxizität induziert.

Da das CD20-Antigen auf Vorläuferzellen selten und auf hämatopoetischen Stammzellen überhaupt nicht vorkommt, generiert sich die B-Zell-Population nach der Therapie innerhalb einiger Monate.

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