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Fosmidomycin erfolgreich getestet

16.12.2002
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Malariatherapie

Fosmidomycin erfolgreich getestet

von Daniel Rücker, Eschborn

Der neue Wirkstoff Fosmidomycin erweist sich als hochwirksam gegen Malaria. In einer klinischen Studie konnte ein deutsches Wissenschaftlerteam zeigen, dass das Phosphonsäure-Derivat den Malariaerreger Plasmodium falciparum zuverlässig abtötet.

Die Substanz wirkt auch bei Erregern, die gegen andere Malariamedikamente resistent sind, berichtet Professor Dr. Peter Kremsner, Tübingen, im Fachjournal „The Lancet“ vom 14. Dezember (Seite 1941f). Kremsner leitete die Studie mit 27 Patienten am Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene (Gabun). Bereits 48 Stunden nach Behandlungsbeginn konnten die Wissenschaftler keine Erreger mehr im Blut der Patienten nachweisen. Die Kranken wurden drei, vier oder fünf Tage lang mit täglich dreimal 1,2 g Fosmidomycin behandelt. 90 Prozent der Patienten, die mindestens vier Tage behandelt wurden, waren auch nach zwei Wochen noch frei von Erregern.

Der Wirkstoff Fosmidomycin wurde in dieser Studie erstmals zur Behandlung von Malaria beim Menschen eingesetzt. Das Therapieprinzip entdeckte das Gießener Biotechnologie-Unternehmen Jomaa Pharmaka GmbH in Zusammenarbeit mit der Universität Gießen.

Fosmidomycin hemmt ein für den Malariaerreger lebenswichtiges Enzym, die 1-Deoxy-D-Xylulose-5-Phosphat (DOXP)-Reduktoisomerase. Das Enzym ist an der Bildung von Isoprenoiden beteiligt. Menschen stellen diese essenziellen Substanzen über einen anderen Stoffwechselweg her als die Malariaerreger. Wie die Studie in Lambarene zeigte, wird Fosmidomycin von den Patienten gut vertragen.

Die Entwicklung neuer Arzneimittel gegen Malaria ist dringend notwendig, denn seit einigen Jahren nimmt die Wirksamkeit der bekannten Medikamente ab. Immer häufiger haben es die behandelnden Ärzte mit Erregern zu tun, die gegen diese Medikamente resistent sind. Der Gründer von Jomaa Pharmaka, Dr. Hassan Jomaa, bezeichnet Fosmidomycin deshalb als eine wichtige Innovation für die Bekämpfung schwieriger Malaria-Fälle. Es sei seit vielen Jahren die erste Substanz mit einem völlig neuen Wirkmechanismus. In der Region Lambarene sind bereits 100 Prozent der Erreger gegen Chloroquin resistent und mindestens 30 Prozent gegen Sulfadoxin/Pyrimethamine. Fosmidomycin sei auch bei diesen resistenten Erregerstämmen wirksam, stellte Jomaa fest.

Bis zur Markteinführung des neuen Medikaments werden wohl noch mindestens drei Jahre vergehen. In der Zwischenzeit soll eine Kombination von Fosmidomycin mit einem weiteren Antimalaria-Wirkstoff getestet werden, kündigen Jomaa und Kremsner an. Diese Entwicklung verkürze die Therapiedauer und verhindere die Entstehung von Resistenzen. Erste klinische Studien mit einem Kombinationspräparat laufen derzeit in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Gabun. Wegen seiner guten Verträglichkeit soll das neue Medikament auch bei der Behandlung von an Malaria erkrankten Kindern eingesetzt werden. Top

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