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Effektiv gegen Gelenk- und Muskelschmerzen

08.11.2004
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Beinwell

Effektiv gegen Gelenk- und Muskelschmerzen

von Marion Tschaikin, Darmstadt

Muskel- und Gelenkschmerzen sind eine Zivilisationskrankheit geworden. Immer öfter erwarten Apothekenkunden Rat und Hilfe in der Offizin, weil ihnen "die Knochen weh tun". Im Bereich der Selbstmedikation sind topische Zubereitungen mit Beinwellwurzel-Extrakt eine wirksame Hilfe.

Beinwell, Symphytum officinale, ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Schon die alten Römer bereiteten bei Knochenbrüchen, Blutergüssen und Quetschungen eine Auflage aus Beinwellwurzelbrei für den Verletzten zu. Die heilige Hildegard von Bingen empfahl Beinwell in der Volksmedizin. Vor allem bei stumpfen, schmerzhaften Verletzungen des Bewegungs- und Stützapparates helfen Beinwellwurzel-Zubereitungen, Schmerzen zu lindern und wirken entzündungshemmend sowie abschwellend.

In einer aktuellen Beobachtungsstudie mit 163 Patienten wurden Wirksamkeit und Verträglichkeit einer Creme mit standardisiertem Beinwellwurzel-Extrakt (Kytta Salbe® f) bei Anwendung nach Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen sowie bei schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden untersucht. Als Beschwerden wurden am häufigsten Prellungen (33,1 Prozent) und schmerzhafte Gelenkbeschwerden (27,6 Prozent), gefolgt von Verstauchungen (26,4 Prozent), schmerzhaften Muskelbeschwerden (23,3 Prozent) und Zerrungen (17,2 Prozent) genannt (Mehrfachnennungen eingeschlossen). Die mittlere Behandlungsdauer betrug 11,5 Tage, wobei 48,5 Prozent der Patienten die Creme dreimal täglich und 38 Prozent zweimal täglich anwendeten.

Symptome wie täglicher und nächtlicher Ruheschmerz, Bewegungsschmerz, Druckschmerz und Bewegungseinschränkungen sowie schmerzhafte Muskelverspannungen und Schwellungen bildeten sich im Beobachtungsverlauf von zwei Wochen deutlich zurück. Die Dauer der Morgensteifigkeit der Gelenke bei Rheuma-Patienten reduzierte sich um 94 Prozent von anfangs 17,5 Minuten auf 1 Minute. Die Patienten verspürten bereits nach drei Tagen eine deutliche Wirkung.

Die Ärzte bewerteten die therapeutische Effektivität für 93 Prozent der Patienten mit ausgezeichnet oder gut, für 5,5 Prozent mit mäßig und für 0,6 Prozent mit unzureichend. Die Patienten beurteilten die therapeutische Effektivität ähnlich wie die Ärzte. 38 Prozent der Patienten verglichen die Wirksamkeit der Beinwellwurzelextrakt-Zubereitungen mit früher angewendeten Therapien. Bis auf einen Patienten gaben sie an, dass die Salbe im Vergleich zu anderen Therapien bei früheren vergleichbaren Erkrankungen erheblich besser, eher besser oder gleich gut geholfen habe. 65 Prozent der Patienten, die hierzu Angaben machten, berichteten, dass sie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) und andere spezifische Begleitmedikamente im Zuge der Beinwellwurzelextrakt-Therapie abgesetzt oder in ihrer Dosis reduzieren konnten (79,1 Prozent machten dazu keine Angaben).

Die Verträglichkeit der untersuchten Therapie bewerteten die Ärzte für 97 Prozent ihrer Patienten mit sehr gut oder gut und für 1,26 Prozent mit mäßig, für keinen Patienten jedoch mit schlecht. Die Bewertung durch die Patienten unterschied sich nur unwesentlich von der Bewertung der Ärzte. 66,3 Prozent der Patienten hielten das Präparat für sehr gut verträglich, 28,8 Prozent für gut, 1,8 Prozent für mäßig und kein Patient für schlecht. Auf Grund ihrer guten Verträglichkeit können topische Beinwellwurzelextrakt-Zubereitungen Senioren, Kindern sowie für die Langzeitanwendung empfohlen werden.

 

Phytopharmaka sind gefragt Naturheilmittel sind weiterhin „in“. Laut einer Bevölkerungsbefragung 2002 des Instituts für Demoskopie Allensbach verwenden 73 Prozent der Bevölkerung in den alten und 64 Prozent in den neuen Bundesländern Naturheilmittel. Das ist ein deutliches Plus gemessen an der Situation von 1997.

Befragt, wie sie zum Kauf eines Phytopharmakons gekommen seien, antwortete jeder zweite mit dem Hinweis auf "gute Bekannte". 23 Prozent der Teilnehmer hatten eine Empfehlung eines Apothekers erhalten, 27 Prozent die eines Arztes. Mehr als die Hälfte (62 Prozent) der Befragten hatte in letzter Zeit selbst gekaufte Präparate eingenommen, 22 Prozent hatten sie verschrieben bekommen, 17 Prozent gaben an, die Mittel waren teils selbst gekauft, teils verordnet. Bei den aus eigener Tasche bezahlten Präparaten basierten 14 Prozent der Fälle auf einer Empfehlung eines Apothekers, die meisten Befragten kauften Naturheilmittel aus eigener Initiative (43 Prozent).

Die Hitliste führen Phytopharmaka bei Erkältung an 69 Prozent), gefolgt von Phytos gegen Schlaflosigkeit (27 Prozent), vor gastrointestinalen Beschwerden (26 Prozent) oder Kopfschmerzen (24 Prozent). Viele berichteten auch über Erfolge bei Nervosität (21 Prozent), Kreislaufstörungen (19 Prozent) oder Bronchitis (18 Prozent).

Zudem kommt den Phytopharmaka eine große Bedeutung in der Prävention zu. Von der Befragten verwenden zur Vorbeugung 38 Prozent ausschließlich und weitere 41 Prozent unter anderem auch Naturheilmittel.

Auch für die Zukunft rechnet die Bevölkerung mit einer weiteren Zunahme: 47 Prozent erwarten, dass in 50 Jahren in Deutschland mehr Menschen als heute Naturheilmittel verwenden werden; nur 8 Prozent meinen weniger als heute.

Quelle: Tschaikin M., Extrakt aus Symphytum officinale. Wirksamkeit und Verträglichkeit bei topischer Anwendung, Naturheilpraxis, 57 (2004) 576-575

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