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Pemetrexed ist verträglicher als Docetaxel

10.10.2005  00:00 Uhr
Bronchialkarzinom

Pemetrexed ist verträglicher als Docetaxel

von Sven Siebenand, Frankfurt am Main

Durch Fortschritte in der Erstlinien-Therapie des nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) kommt für eine größere Patientenzahl auch eine Second-line-Behandlung infrage. In Studien war der Multi-Target-Enzym-Inhibitor Pemetrexed bei gleicher Effektivität deutlich besser verträglich als Docetaxel.

»Zwei von drei Patienten mit NSCLC (Non Small Cell Lung Cancer) sind nach einer First-line-Therapie in einem so guten Allgemeinzustand, dass sie eindeutig von der Zweitlinientherapie profitieren«, sagte der Pneumologe Dr. Wolfgang Schütte, Städtisches Krankenhaus Martha-Maria in Halle an der Saale, auf einem Onkologie-Kolloquium des Pharmaunternehmens Lilly. Während eine Gemcitabin (Gemzar®)-basierte Platinkombinationstherapie derzeit als Goldstandard der Erstlinientherapie gilt, sind für die nachfolgende Behandlung Docetaxel (Taxotere®) und seit kurzem auch Pemetrexed (Alimta®) zugelassen.

Bislang keine Resistenzen

Pemetrexed greift im Gegensatz zu den bisherigen Zytostatika an mehreren Stellen in die DNA- und RNA-Nukleotid-Synthese ein. Der Multi-Target-Enzym-Inhibitor hemmt sowohl die Enzyme Thymidilat-Synthase und Dihydrofolat-Reduktase als auch die Glycinamid-Ribonukleotid-Formyltransferase. Dadurch stoppt der Wirkstoff effektiv die Purin- und Pyrimidinsynthese und somit die Vermehrung der Tumorzellen. Zudem konnten durch den Multi-Target-Ansatz bislang Resistenzen umgangen werden.

Eine randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie mit 573 NSCLC-Patienten untersuchte für die Second-line-Therapie Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pemetrexed im Vergleich zu Docetaxel. Die Probanden erhielten entweder alle drei Wochen 75 mg/m2 Körperoberfläche Docetaxel oder 500 mg/m2 Körperoberfläche Pemetrexed. Da der Multi-Target-Enzym-Inhibitor auch Enzyme des Vitamin-B-Stoffwechsels blockiert, erhielt die Pemetrexed-Gruppe zusätzlich Folsäure und alle neun Wochen Vitamin B12.

Hinsichtlich der Ansprechrate und des Gesamtüberlebens zeigten beide Therapieschemata eine vergleichbare Effektivität ohne statistisch signifikante Unterschiede. Auf Pemetrexed sprachen 9,1 Prozent der Patienten an, auf Docetaxel 8,8 Prozent. Das mediane Überleben betrug unter Pemetrexed 8,3 Monate beziehungsweise 7,9 Monate unter Docetaxel.

Deutlich weniger Nebenwirkungen

Der Vorteil der Alimta-Therapie bestand im Nebenwirkungsprofil. Hämatologische und nicht hämatologische Toxizität war statistisch signifikant seltener festzustellen als unter Docetaxel. So traten in der Pemetrexed-Gruppe bei 5,3 Prozent schwere Neutropenien (Grad 3 oder 4) und bei 1,9 Prozent neutropenisches Fieber auf, während es unter Docetaxel 40,2 Prozent beziehungsweise 12,7 Prozent waren. Auch bei den nicht hämatologischen Toxizitäten wie Haarausfall zeigten sich hoch signifikante Unterschiede. Unter Docetaxel litten 37,7 Prozent aller Patienten an Alopezie. Im Gegensatz dazu waren es unter Pemetrexed nur 6,4 Prozent.

Für Patienten, die nur noch palliativ behandelt werden können, seien solche Ergebnisse von besonderer Bedeutung. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Pemetrexed-Infusion nur zehn Minuten dauert im Gegensatz zur einstündigen Docetaxel-Infusion. »Wenn der Patient auf eine klassische Zytostatika-Therapie nicht mehr anspricht, besteht mit dem Tyrosinkinasehemmer Erlotinib seit September eine Option für die Drittlinientherapie bereit«, fügte Schütte hinzu. Allen Patienten sollte eine Second-line-Therapie angeboten werden, wenn sie dafür geeignet sind, da sich damit die Überlebenszeit verlängern und ihre Lebensqualität verbessern lasse. Top

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