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Betablocker senken Frakturrisiko

04.10.2004
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Betablocker senken Frakturrisiko

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Die Behandlung mit einem Betablocker mit oder ohne gleichzeitiger Thiazid-Therapie kann nicht nur das Risiko für einen Herzinfarkt, sondern auch das für Knochenbrüche reduzieren, so die Ergebnisse einer großen Fall-Kontroll-Studie aus der Schweiz.

Tierstudien geben Hinweise darauf, dass der Betablocker Propanolol die Knochenbildung erhöht. Für den Menschen existierten bisher jedoch nur begrenzte Daten, die diese Theorie bestätigen. Daher analysierte das Team um Dr. Raymond G. Schlienger von der Universität Basel Daten der UK General Practice Research Database von 30 601 Patienten im Alter von 30 bis 79 Jahren mit Knochenfrakturen sowie von 120.819 Kontrollpatienten ohne Frakturen. Die Wissenschaftler betrachteten, inwiefern Knochenbrüche mit der Einnahme eines Betablockers mit oder ohne begleitender Thiazid-Therapie korrelierten, und ermittelten die jeweilige Odds Ratio, welche die Zahl der Krankheitsereignisse, hier der Frakturen, mit und ohne Therapie ins Verhältnis setzt.

Knochenbrüche traten vor allem an den Händen oder Unterarmen (42 Prozent) und den Füßen (15,1 Prozent) auf. Nach der Auswertung betrug die Odds Ratio für Knochenbrüche bei einer Betablocker-Therapie mit mehr als drei Verschreibungen 0,77 und für eine Thiazid-Therapie mit mehr als drei Verschreibungen 0,80. Erhielten die Patienten sowohl Betablocker als auch Thiazide, sank die Zahl der Frakturen im Verhältnis zur Zahl der Frakturen bei unbehandelten Patienten sogar auf 0,71.

Dabei waren die Ergebnisse unabhängig vom Rauchen, dem Body-Mass-Index, der Anzahl von Arztbesuchen sowie der Einnahme von Calciumantagonisten, ACE-Hemmern, Antipsychotika, Antidepressiva, Antiepileptika, Statinen, Corticosteroiden, Estrogenen und Benzodiazepinen.

Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie lassen vermuten, dass Betablocker (mit oder ohne begleitende Thiazid-Therapie) das Risiko für Knochenbrüche senken. Für ältere Hypertoniepatienten mit einem erhöhten Osteoporoserisiko könnte daher eine kombinierte Betablocker-/Thiazid-Therapie zur Behandlung des hohen Blutdrucks von Vorteil sein.

Quelle: Schlienger, R. G. et al. JAMA 292 (2004) 1326 -1332Top

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