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Zoledronat langfristig wirksam

23.08.2004
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Knochenmetastasen

Zoledronat langfristig wirksam

von Brigitte M. Gensthaler, München

Knochenmetastasen treten bei vielen soliden Tumoren auf. Bis zu 75 Prozent der Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs leiden an diesen Tochtergeschwülsten, die Schmerzen und Knochenbrüche auslösen können. Neben der üblichen Tumortherapie werden auch Bisphosphonate eingesetzt.

Tumorzellen greifen die Knochensubstanz nicht selbst an, sondern stören das empfindliche Gleichgewicht zwischen Knochen aufbauenden Osteoblasten und abbauenden Osteoklasten. Sie setzen Zytokine frei, die Osteoklasten anlocken und aktivieren, die wiederum Knochenmatrix resorbieren. Dabei können lebensbedrohliche Mengen an Calcium ins Blut freigesetzt werden und eine tumorbedingte Hyperkalzämie verursachen. Solche osteolytischen Metastasen treten beispielsweise bei Patientinnen mit Brustkrebs auf.

Bei Prostatakrebs überwiegen osteoblastische Metastasen. Die entstandenen Lakunen werden mit architektonisch schwacher Knochenmatrix aufgefüllt, außerdem lagert sich neue Knochensubstanz um die Tumorzellen herum ab. Diese Prozesse machen den Knochen wenig stabil. Zudem gibt es Metastasen, die osteolytisch und osteoblastisch am Knochen wirken. Neben Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie sind Bisphosphonate heute Standard in der Behandlung.

Schmerzen und Brüche reduziert

Komplikationen wie Knochenbrüche, Schmerzen oder Rückenmarkskompression beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten erheblich, berichtete Dr. Peter Schmid von der onkologischen Klinik der Charité, Berlin, bei einem Pressegespräch der Novartis Pharma in München. Es sei erwiesen, dass Bisphosphonate Schmerzen und eine tumorbedingte Immobilisierung reduzieren können. Die Rate an Hyperkalzämien, an der früher etwa ein Drittel der Krebspatienten litt, wurde durch frühen Einsatz von Pamidronat (90 mg i.v.) oder Zoledronat (4 mg i.v. alle drei bis vier Wochen) deutlich gesenkt.

In einer großen Studie mit rund 1640 Patienten mit fortgeschrittenem Mammakarzinom oder Multiplem Myelom reduzierten beide Medikamente nach zwei Jahren die Rate an Skelettkomplikationen in gleichem Ausmaß. Bei Patientinnen mit Brustkrebs war Zoledronat signifikant überlegen. Auch die Zeit bis zum Auftreten der ersten Komplikation war deutlich länger, sagte Schmid. Ob die Therapie auch die Überlebenszeit verlängert, sei noch nicht gesichert.

Gute Erfolge mit Zoledronat sind auch bei Patienten mit Prostatakarzinom zu verzeichnen, ergänzte Privatdozent Dr. Michael Lein von der Klinik für Urologie der Charité. In einer Studie mit mehr als 400 Männern reduzierte der Wirkstoff Knochenkomplikationen und Schmerzen deutlich besser als Placebo. Dieser Effekt hielt über 27 Monate an. Außerdem traten erste Komplikationen später ein. In dieser Studie gab es „einen Trend zum längeren Überleben“ unter Verum, erklärte der Arzt.

Wichtig sei es, das Medikament langsam über mindestens 15 Minuten zu infundieren; dann werde die Nierenfunktion nicht signifikant verändert. Pamidronat muss über mindestens 90 Minuten intravenös gegeben werden.

Präventiv wirksam?

In präklinischen Studien konnte Zoledronat sogar die Bildung von Knochenmetastasen verhindern, sagte Lein. Auch ein Schutz vor Osteoporose bei Männern mit erniedrigten Hormonspiegeln (Androgendeprivation) sei möglich.

Ebenso könnte die Zugabe des Bisphosphonats zu einer Gonadorelin- und Tamoxifen-Therapie den Knochenmasseverlust bei Brustkrebs-Patientinnen verhindern. Doch hierzu liegen noch keine Langzeitdaten vor, schränkte Schmid überzogene Hoffnungen ein. Top

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