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Selbstmedikation bei Fußpilz

21.07.2003  00:00 Uhr
Bifonazol Gel

Selbstmedikation bei Fußpilz

von Marianne Petersen-Braun und Norbert Becker, Köln

In Zusammenarbeit mit Apotheken wurde eine Anwendungsbeobachtung mit 1132 Patienten durchgeführt, um gezielt unter praxisnahen Bedingungen wissenschaftliche Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der eigenverantwortlichen Behandlung von Fußpilzerkrankungen zu erfassen.

Fußpilzerkrankungen sind weit verbreitet und gehören mit einer Häufigkeit von bis zu 30 Prozent unter Erwachsenen in westlichen Industrienationen (3,12) zu den häufigsten Hautinfektionen überhaupt. Mit steigendem Alter und in bestimmten Bevölkerungsgruppen nimmt die Prävalenz dieser Erkrankungen deutlich zu. Zu den besonders betroffenen Personenkreisen gehören unter anderem sportlich aktive Menschen, aber auch Personen, die berufsbedingt geschlossenes Schuhwerk tragen. Haupterreger der Erkrankungen sind Dermatophyten, aber auch Hefe- und Schimmelpilze treten auf.

Die Infektion beginnt typischerweise zunächst bei leichter Symptomatik im Zehenzwischenbereich und breitet sich von dort – bei gleichzeitiger Zunahme des Schweregrades – auf angrenzende Fußareale aus. Im Infektionsverlauf kommt es darüber hinaus nicht selten zu einer bakteriellen Superinfektion (8, 9,11). Unbehandelt neigt die Fußpilzinfektion zur lokalen Ausbreitung und Chronifizierung (2), so dass auch andere Körperteile und im nächsten Schritt auch andere Personen infiziert werden können (1). Vor diesem Hintergrund kommt einer möglichst früh einsetzenden Therapie im Rahmen der Selbstmedikation eine besondere Bedeutung zu.

Teilnahme von 178 Apotheken

Die Datenerfassung erfolgte bei dieser apothekengestützten Anwendungsbeobachtung durch Fragebögen, die vom Patienten während des Behandlungsverlaufs ausgefüllt wurden. Studienziel war die Erfassung von wissenschaftlichen Informationen über die Anwendungspraxis bei der Selbstmedikation von Fußmykosen. Wirksamkeit, Verträglichkeit sowie Anwenderzufriedenheit wurden mit Hilfe von Multiple-Choice-Fragen oder abgestuften Antwortkategorien beurteilt. Als Zielparameter diente die Dokumentation des Schweregrades von Symptomen während des Behandlungsverlaufs, die Lokalisierung der Infektion sowie die Beschwerden, die während der Therapie auftraten und vom Patienten auf die Anwendung des verwendeten Präparates zurückgeführt wurden. Ergänzend wurden darüber hinaus demographische Daten, Risikofaktoren, Begleiterkrankungen sowie Häufigkeiten früherer Erkrankungsepisoden erfasst.

Insgesamt waren 178 Apotheken an dieser Anwendungsbeobachtung beteiligt und sandten ausgefüllte Unterlagen von 1132 Patientinnen und Patienten zur Auswertung zurück. Die Dokumentationsbögen wurden individuell auf Vollständigkeit und Plausibilität überprüft. Die Daten wurden deskriptiv analysiert und unter Angabe der absoluten und relativen Häufigkeit, von Mittelwert, Median und Standardabweichung dokumentiert.

Größtes Risiko bei Freizeitaktivitäten

Von den Untersuchungsteilnehmern waren 58,2 Prozent weiblich (657) und 41,8 Prozent männlich (471). Die Befragten hatten ein Durchschnittsalter von 40,0 Jahren mit einer Altersverteilung zwischen 7 und 90 Jahren.

Auf die Frage nach möglichen Risikofaktoren waren Mehrfachnennungen möglich. Hier gaben 85,4 Prozent (967) der Befragten Freizeitaktivitäten an, wobei Schwimmen mit 45,9 Prozent am häufigsten genannt wurde, gefolgt von Saunabesuchen mit 38,3 Prozent, Joggen mit 20,7 Prozent, Fußball mit 11,7 Prozent, Tanzen bzw. Ballet mit 7,1 Prozent und sonstige Aktivitäten mit 15,5 Prozent. Berufliche Tätigkeiten führten 65,2 Prozent (738) der Teilnehmer an mit folgenden Angaben im Einzelnen: geschlossenes Schuhwerk 39,3 Prozent, überwiegend stehende Tätigkeit 31,2 Prozent, Sicherheitsschuhe 12,4 Prozent und Sonstiges 5,0 Prozent. 42,7 Prozent (438) der Anwender hatten Begleiterkrankungen, wobei 20,3 Prozent unter Kreislaufbeschwerden oder niedrigem Blutdruck litten, 14,1 Prozent unter Durchblutungsstörungen oder Gefäßerkrankungen, 10,8 Prozent unter Diabetes mellitus, 4,8 Prozent unter immunabwehrschwächenden und 1,0 Prozent unter sonstigen Erkrankungen. Außerdem gaben 12,5 Prozent (141) an, einer besonderen Anfälligkeit für Pilzerkrankungen zu unterliegen.

Häufig mehrere Areale betroffen

Insgesamt 75,5 Prozent (855) der Teilnehmer gaben an, bereits vor der akuten Episode schon einmal oder mehrfach an Fußpilz erkrankt gewesen zu sein. Davon waren 28,7 Prozent seltener als einmal/Jahr betroffen, 26,8 Prozent einmal/Jahr, 33,7 Prozent zwei bis dreimal/Jahr und 10,6 Prozent häufiger als dreimal/Jahr. Männer litten im Vergleich zu Frauen häufiger an rezidivierenden Infektionen.

Zum Zeitpunkt des Therapiebeginns erfasste die Infektion bei 52,9 Prozent der Patienten nicht nur den Zehenzwischenbereich, sondern auch bereits andere Areale des Fußes: Bei 27,8 Prozent (315) die Zehen selbst, bei 27,7 Prozent (313) Fußsohle und -rand sowie bei 6,3 Prozent (71) den Fußrücken (Abbildung 2, Mehrfachnennungen möglich). Nur bei 47,1 Prozent (534) der Patienten beschränkte sich die Infektion ausschließlich auf den Zehenzwischenbereich, während bei 32,2 Prozent (364) die Erkrankung neben dem Zehenzwischenbereich auch bereits andere Fußareale erfasst hatte, und bei 20,7 Prozent (234) die Infektion ausschließlich außerhalb des Zehenzwischenbereichs lokalisiert war.

Symptomrückgang um 90 Prozent

Die Symptome der Fußpilzerkrankung waren unterschiedlich stark ausgeprägt. Vor der Behandlung wurde das Symptom Juckreiz als „stark/mittelschwer ausgeprägt“ beschrieben, während Brennen und Schuppung als „leicht ausgeprägt“ sowie Bläschenbildung und Schmerzen als „kaum bemerkbar eingestuft wurden.

Unter Zusammenfassung der Angaben für die Einzelsymptome als Summenscore ergibt sich ein durchschnittlicher Rückgang der Symptome um 92,3 Prozent (von 46,2 Punkten auf 3,55 Punkte).

Unerwünschte Arzneiwirkungen, die von den Befragten auf die Anwendung von Bifonazol Gel zurückgeführt wurden, traten bei 3,6 Prozent (40) der Patienten auf. Als Beschwerden gaben 6 (0,53 Prozent) der Teilnehmer Hautrötungen an, 5 (0,44 Prozent) Hauttrockenheit und jeweils 4 (0,35 Prozent) Anwender Hautbrennen und Juckreiz. 3 (0,27 Prozent) Teilnehmer stellten eine vermehrte Hautschuppung fest, während 6 Patienten Symptome wie Schmerzen, Ausschlag oder Fußschweiß nannten.

Hohe Zufriedenheit der Anwender

Nach Abschluss der dreiwöchigen Therapie wurde von den Teilnehmern die Zufriedenheit mit der Wirksamkeit von Bifonazol Gel insgesamt beurteilt: 90,0 Prozent (1019) der Teilnehmer waren sehr zufrieden oder zufrieden, 8,5 Prozent (96) gaben an, weniger zufrieden zu sein und 1,1 Prozent (12) waren nicht zufrieden. Eine große Mehrheit der Patienten von 93,0 Prozent (1053) erklärte, dass sie zukünftig bei Bedarf das Bifonazol Gel wieder verwenden würde.

Diskussion der Ergebnisse

Akute Fußpilzinfektionen werden heute überwiegend mit topischen Azol-Antimykotika von den Betroffenen selbst behandelt. Fußmykosen entwickeln sich typischerweise im Zehenzwischenbereich und werden aufgrund der anfänglich schwachen Symptomatik zunächst von den Betroffenen kaum wahrgenommen. In der vorliegenden Anwendungsbeobachtung konnte gezeigt werden, dass zum Zeitpunkt des Therapiebeginns allerdings bei mehr als 50 Prozent der Patienten bereits auch andere Hautareale des Fußes über den Zehenzwischenbereich hinaus betroffen waren. Infektionsherde fanden sich mit unterschiedlicher Häufigkeit im Bereich der Zehen selbst, auf dem Fußrücken, am Fußrand und darüber hinaus zum Teil auch auf der Fußsohle. In diesem fortgeschrittenen Stadium der Infektion bietet ein modernes Breitspektrumantimykotikum durch zusätzliche antibakterielle und ausgeprägt antiphlogistische Wirkeigenschaften besondere Vorteile bei der Therapie (4, 7).

Die schnelle Hautpenetration und lange Hautverweildauer des Wirkstoffes ermöglicht eine wirksame Behandlung bei einer anwendungsfreundlichen einmal täglichen Applikation, wodurch die Compliance der Anwender entscheidend gefördert werden kann (5, 6, 7,10). Die Ergebnisse der vorliegenden apothekengestützten Anwendungsbeobachtung bestätigen für Canesten® Extra Bifonazol Gel bei hoher Fallzahl eine sehr gute Wirksamkeit und Verträglichkeit bei der eigenverantwortlichen Behandlung aller Formen der Fußmykose.

 

Zusammenfassung In dieser apothekenbasierten Felduntersuchung wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Canesten® Extra Bifonazol Gel (Bifonazol 1 Prozent) im Rahmen der Selbstmedikation von Fußpilzerkrankungen erfasst. Beschwerdeverlauf typischer Symptome sowie die regionale Ausbreitung der Infektionen wurden untersucht. Der durchschnittliche Symptomrückgang betrug 92,3 Prozent. Bei 47,1Prozent der Patienten war die Fußpilzinfektion ausschließlich auf den Zehenzwischenraum beschränkt, bei 52,9 Prozent waren auch bereits andere Areale des Fußes betroffen. Die Akzeptanz der Medikation durch die Patienten lag sehr hoch: 90,9 Prozent der Verwender gaben an, sehr zufrieden oder zufrieden mit der Wirksamkeit zu sein. Insgesamt erklärten 93,9 Prozent der Anwender, dass sie das Arzneimittel bei Bedarf wieder verwenden würden.

 

Literatur

  1. Fitzpatrick, TB., (Hrg.), Dermatology in general medicine. Mc Graw Hill: New York (1999)
  2. Gupta, AK., Einarson, TR., Summerbell, RC., Shear, NH., An overview of topical antifungal therapy in dermatomycoses. Drugs, 55, 5 (1998) 645 - 674
  3. Haneke, E., Achilles foot-screening project: background, objectives and de-sign. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 12 Suppl. 1 (1999) Seite 2 - 5
  4. Hegemann, L., Stettendorf, S., The use of antifungal azole derivatives in in-flammatory skin disorders. Journal of Geriatric Dermatology, 1 (1993) 28 - 37
  5. Kadenatsi, IB., Agapitova, IV., Shustova, LV., Salib, I., Dombrovski, VS., Gagaeva, EV., Kuleshova, EE., Arzamastsev, AP., Firsov, AA., Determination of bifonazole us-ing HPLC in pharmacokinetic studies. Antibiotiki I Khimioterapia, 41, 5 (1996) 19 - 24
  6. Koehler, AM., Maibach, HI., Electronic monitoring in medication adherence measurement. Implications for dermatology. American Journal of Clinical Dermatol-ogy, 2, 1 (2001) 7 - 12
  7. Lackner, TE., Clissold, SP., Bifonazole. A review of its antimicrobial activity and therapeutic use in superficial mycoses. Drugs, 38, 2 (1989) 204 - 225
  8. Leyden, JJ.; Aly, R., Tinea pedis. Seminars in Dermatology, 12, 4 (1993) 280 - 284
  9. Leyden, JL., Tinea pedis pathophysiology and treatment. Journal of the Ame-rican Academy of Dermatology, 31, 3 (1994) Seite 31 - 33
  10. Lücker, PW., Beubler, E., Kukovetz, WR., Ritter, W., Retention time and concentration in human skin of bifonazole and clotrimazole. Dermatologica, 169, Suppl. 1 (1984) 51 - 56
  11. Talwar, P.; Kumar, B.; Ayyagiri, A.; Kaur, S., Prevalence of bacteria and fungi in athlete's foot of varying severity and response to topical antibacterial and antifungal therapies. Sabouraudia, 23, 4 (1985) 303 - 312
  12. Tietz, HJ., Keine Wunderheilung bei Fußpilz. Derm, 8 (2002) 114

 

Anschrift der Verfasser:
Dr. Norbert Becker
PD Dr. Marianne Petersen-Braun
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