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Blutzucker gut im Griff

18.07.2005
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Insulin glargin

Blutzucker gut im Griff

von Brigitte M. Gensthaler, München

Der Schritt von der peroralen antidiabetischen Therapie zur Insulinspritze ist für viele Typ-2-Diabetiker ein Horror. Der Übergang gelingt mit der einmal täglichen Applikation eines lang wirksamen Insulins zusätzlich zu den Tabletten meist recht gut. Die Hypoglykämiegefahr ist dabei relativ gering.

Die basal unterstützte orale Therapie (BOT) ist eine eigenständige Therapieoption und nicht nur ein Durchgangsstadium zur kompletten Insulintherapie, betonte Privatdozent Dr. Klaus-Jürgen Ruhnau vom Diabeteszentrum Berlin-Karlshorst auf einer Pressekonferenz anlässlich der Markteinführung von Insulin glargin (Lantus®) vor fünf Jahren. Mit der BOT könnten viele, vor allem ältere Typ-2-Diabetiker ihren Stoffwechsel ausreichend kontrollieren.

In der Praxis werden die oralen Antidiabetika (OAD), zum Beispiel Sulfonylharnstoffe und Metformin, beibehalten und zusätzlich einmal täglich 10 IE (Internationale Einheiten) Insulin glargin gespritzt. Die Insulindosis wird dann schrittweise ­ je nach Nüchternblutzucker ­ im Abstand von jeweils drei bis fünf Tagen angepasst (Tabelle). Ziel ist ein Nüchternblutzucker unter 100 mg/dl (5,5 mmol/l) und langfristig ein HbA1C-Wert unter 7 Prozent. Erfahrungsgemäß variiert die benötigte Insulin-glargin-Menge zwischen 0,2 IE/kg Körpergewicht bei Patienten, die weniger als 70 kg auf die Waage bringen, und 0,5 IE/kg bei Menschen, die mehr als 100 kg wiegen.

 

NüchternblutglucoseDosisanpassung (IE) mg/dl mmol/l über 120 über 6,7 +2 über 140 über 7,8 +4 über 160 über 8,9 +6 über 180 über 10,0 +8

  

Durch die einmal tägliche Injektion überwinden die Patienten leichter ihre psychologische Barriere vor dem Insulin, berichtete Ruhnau. Die BOT sei auch für ältere Diabetiker praktikabel, da häufige Blutzuckerkontrollen entfallen, die Hypoglykämiegefahr deutlich geringer als bei NPH-Insulinen und der Zeitpunkt der Applikation frei wählbar ist. Nur der 24-Stunden-Abstand zwischen den Injektionen müsse gewahrt sein.

Da Insulin glargin als klare Lösung vorliegt, entfällt das Aufschütteln vor der Entnahme (wie bei Suspensionsinsulinen), was Dosierungsfehler reduziert. Allerdings müsse ein Patient, der mehrere Insuline benutzt, lernen, die klaren Lösungen sicher zu unterscheiden, betonte Ruhnau.

Dass die Stoffwechseleinstellung mit der BOT bei vielen Patienten besser gelingt als mit Mischinsulinen, zeigte die kürzlich veröffentlichte Laptop-Studie (1). 371 mit OAD schlecht eingestellte Patienten erhielten 24 Wochen lang entweder zweimal täglich ein Mischpräparat mit 30 Prozent Normal- und 70 Prozent NPH-Insulin oder Glimepirid plus Metformin plus Insulin glargin einmal täglich. Der HbA1C-Wert sank stärker in der BOT-Gruppe und mehr Patienten erreichten den Zielwert unter 7 Prozent, ohne nächtliche Hypoglykämien zu erleiden. Der Rückgang der Nüchternblutglucose war in der BOT-Gruppe deutlich größer und signifikant weniger Patienten erlitten eine Hypoglykämie, berichtete Privatdozent Dr. Andreas Hamann von der Diabetes-Klinik Bad Nauheim.

In einer Metaanalyse, die etwa 2300 Typ-2-Patienten aus vier randomisierten Parallelgruppen-Studien aus Aventis-Datenbanken einschloss, erreichte jeweils ein Drittel mit Insulin glargin oder NPH-Insulin einen HbA1C-Wert unter 7 Prozent (2). Die Nüchternblutglucose sank bei Anwendung des Insulinanalogons etwas stärker als unter NPH-Insulinen und es traten signifikant weniger Hypoglykämien, vor allem nachts, auf.

Jetzt soll in einer multizentrischen randomisierten Studie der Nutzen einer frühen Gabe von Insulin glargin an 10.000 Patienten geprüft werden, berichtete Hamann. Eingeschlossen werden Menschen mit hohem kardiovaskulären Risiko, die erhöhte Nüchternblutzuckerwerte oder eine gestörte Glucosetoleranz haben. Ziel ist eine Reduktion der diabetesbedingten tödlichen und nicht tödlichen Herzinfarkte.

 

  1. Janka, H. U., et al., Comparison of basal insulin added to oral agents versus twice-daily premixed insulin as initial insulin therapy for type 2 diabetes. Diab. Care 28, Nr. 2 (2005) 254-259.
  2. Rosenstock, J., et al., Reduced hypoglycemi risk with insulin glargine. Diab. Care 28, Nr. 4 (2005) 950-955.

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