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Was Kindern bei Verstopfung hilft

02.05.2005  00:00 Uhr

Was Kindern bei Verstopfung hilft

von Kerstin A. Gräfe, Duisburg

Lange Sitzungen auf dem »stillen Örtchen« können auch für Kinder ein Problem sein. Eine wichtige Maßnahme ist ein Stuhltraining in Form von regelmäßigen Toilettenbesuchen. Unterstützend wirken auch Macrogole.

»Verstopfung bei Kindern ist ein riesengroßes Problem«, sagte Professor Dr. Klaus-Michael Keller, Leiter der Kinderheilkunde und Jugendmedizin der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden, auf einer von Norgine unterstützten Pressekonferenz. Allgemeine Regeln, wie häufig ein Kind Stuhlgang haben sollte, gebe es nicht. Manche Kinder müssen mehrmals am Tag oder nach jeder Mahlzeit zur Toilette, andere dagegen nur alle drei bis vier Tage. Auch bei Säuglingen, die mit Muttermilch ernährt werden, gebe es keine Norm für die Anzahl der Stuhlentleerungen. Zwischen siebenmal am Tag oder einmal in der Woche sei alles möglich.

Erst wenn der Stuhlgang nur einmal pro Woche erfolgt und die Faeces hart und trocken sind, handle es sich um eine Verstopfung. Meist sei die Entleerung dann auch ziemlich schmerzhaft. »Nun beginnt der Teufelskreis, denn Kinder sind schrecklich logisch«, so der Pädiater. Aus Angst vor den Schmerzen unterdrücken sie den Stuhlgang. Dadurch kann jedoch der natürliche Entleerungsreflex verloren gehen, was die Verstopfung noch verschlimmert.

In den seltensten Fällen liegen bei Kindern organische Ursachen zu Grunde. Auslöser können lange Reisen, ungewohntes Essen, wenig Bewegung, zu viel Milch, vorheriger Durchfall oder schwere Infektionen sein. Aber auch die Geburt von Geschwistern, Trennung der Eltern, eine erneute Berufstätigkeit der Mutter oder Irritationen beim Sauberwerden können zur Obstipation führen. Insofern ist eine exakte Anamnese der Vorgeschichte essenziell. »Die Therapie ist nicht schwierig, aber sehr zeitaufwendig«, so Keller. Eine weitere ausgiebige oder gar invasive Diagnostik sei in der Regel vollkommen überflüssig.

Stuhlgang kann trainiert werden

Neben der ausführlichen Aufklärung und Schulung der Eltern und des Kindes gilt es, eine erneute Stuhlanhäufung unbedingt zu vermeiden. Das heißt: der Stuhl muss weich gehalten werden. »Je weicher, desto besser«, sagte der Pädiater. Dazu eigneten sich Polyethylenglykolpräparate mit Elektrolyten wie Movicol® Junior (Kasten). Das verschreibungspflichtige Präparat ist für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Da es auch über einen längeren Zeitraum sicher und effektiv sei, werde es häufig auch bei wesentlich jüngeren Kindern off label eingesetzt. Früher verwendete Laktulose- oder Paraffinöl-Präparate seien obsolet. Eine weitere wichtige Maßnahme für die Kinder ist ein Stuhltraining in Form von regelmäßigen Toilettenbesuchen. »Für die Kinder muss der Gang zur Toilette so selbstverständlich wie das Zähneputzen werden«, sagte Keller.

 

Macrogole Auf Grund der Nebenwirkungsproblematik der meisten Laxantien haben Macrogole in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Das Wirkprinzip ist einfach: Der hochmolekulare Wirkstoff hat eine hohe Wasserbindungskapazität und diese Eigenschaft macht man sich therapeutisch zu Nutze. Polyethylenglykol wird in Wasser gelöst und getrunken. Dadurch gelangt eine definierte Wassermenge, zusammen mit Elektrolyten, in das Kolon. »Dort wird der Stuhl aufgeweicht, das Stuhlgewicht erhöht und damit die Defäkation erleichtert«, erklärte Professor Dr. Ingo Füsgen, ärztlicher Direktor des Zentrums für Geriatrie in Wuppertal. Als vorteilhaft bewertete der Mediziner, dass Macrogol chemisch weitgehend inert ist und nur in Spuren resorbiert wird. Da es nicht von Bakterien zersetzt wird, verursacht es kaum Blähungen und Bauchkrämpfe, die zum Beispiel bei Laktulose beschrieben sind. Da eine direkte Dosis-Wirkungs-Beziehung besteht, lasse sich die Wirkung sehr gut der individuellen Situation anpassen.

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