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Für selbstständigere Pharmazeuten

26.02.2001
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AUSBILDUNG

Für selbstständigere Pharmazeuten

von Ulrich Brunner, Frankfurt

In diesem Jahr drehte sich beim Fertigarzneimittelseminar der Frankfurter Pharmazeuten alles um das Krankheitsbild Rheuma. Insgesamt 13 Arbeitsgruppen à vier Studenten beleuchteten im Niederurseler Biozentrum vor großem Publikum das Schwerpunktthema aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Das Fertigarzneimittelseminar gehört zu den guten Errungenschaften der alten und noch bis Oktober 2001 gültigen Approbationsordnung (AAppO) von 1989. In Teil B der Anlage 2 zum Gesetzestext wird das Seminar explizit als interdisziplinäre Veranstaltung aufgeführt. Die staatlichen Vorgaben lassen den einzelnen Hochschulen also relativ viel Freiraum bei der Umsetzung der Lehrinhalte. Wichtig ist nur: Die Veranstaltung sollte fächerübergreifend sein, und möglichst nicht frontal, sondern interaktiv abgehalten werden.

In Frankfurt ist das Seminar nach Aussagen von Studenten und Dozenten ein Höhepunkt im letzten Fachsemester der angehenden Apothekerinnen und Apotheker. Die Studenten ließen sich nicht nur berieseln, sondern seien selbst gefordert, sich mit einem Thema kritisch auseinander zusetzten, betonte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, einer der verantwortlichen Hochschullehrer von der Universität Frankfurt. Ein weiterer Vorteil: Die einzelnen Arbeitsgruppen stellen ihre Seminarinhalte in einem 15-minütigen Vortrag einem großem Auditorium vor und müssen sich anschließend auch den kritischen Fragen aus dem Publikum stellen. Damit ist Eigeninitiative gefragt: Die Studenten lernen selbstständig zu arbeiten und sammeln erste Erfahrungen als Referenten.

In diesem Jahr wählten die für das achte Fachsemester verantwortlichen Hochschullehrer das Hauptthema "Rheuma" aus. Da es sich um eine fächerübergreifende Veranstaltung handelt, bildete das ganztägige Seminarprogramm ein Potpourri aus pharmazeutischer Chemie, Biologie, Pharmakologie und Technologie. Während eine Gruppe zum Beispiel über die Biochemie des Prostaglandin-Stoffwechsels berichtete, beschäftigte sich ein anderes Studentenquartett mit den therapeutischen Vorteilen magensaftresistenter Antirheumatika. Jede der insgesamt 13 Gruppen wurde bei der Vorbereitung dabei intensiv von einem Hochschullehrer betreut.

Die Frankfurter Pharmaziestudenten organisierten die Veranstaltung selbst. Eine eigene Arbeitsgruppe koordinierte die technischen Details, wie Diaprojektion und Folienpräsentation per Computer. Eine weitere Veranstaltungscrew suchte nach Sponsoren für den Seminartag und sorgte für die Bewirtung von Studenten, Hochschullehrern und Gästen in den Pausen.

Für diejenigen, die sich später nochmals mit Details aus den einzelnen Seminare auseinandersetzen wollen, bot das achte Semester parallel zur Veranstaltung direkt eine eigene CD-Rom mit allen Folien, Querverweisen und Suchfunktionen an. Sämtliches Material können Interessierte zudem im Internet unter www.galenik.de/fertigarzneimittelseminar/index.html studieren.

Schade, dass die neue Approbationsordnung eine solche Veranstaltung künftig nicht mehr vorsehe, bedauerte Professor Dr. Theo Dingermann, Pharmazeutischer Biologe an der Frankfurter Fakultät, nach dem Seminartag. Dennoch: Der interdisziplinäre Kurs wird im neuen Gesetzestext zwar nicht explizit erwähnt. Das zusätzlich geschaffene Fach "Klinische Pharmazie" lässt aber viel Freiraum für ähnliche Veranstaltungen. Und schließlich heißt es im neuen Text: "Die Universitätsausbildung soll den Studenten unter Berücksichtigung der Anforderungen und der Veränderungen in der Berufswelt die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden so vermitteln, dass sie zu wissenschaftlicher Arbeit, zur kritischen Einordnung der wissenschaftlichen Erkenntnisse und zur verantwortlichen Ausübung des Apothekerberufs befähigt werden." Bleibt also zu hoffen, dass so fortschrittliche Lehrveranstaltungen wie das Fertigarzneimittelseminar auch in Zukunft einen Platz im Studienplan haben. Top

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