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Neue Option für Migräne-Patienten

12.02.2001  00:00 Uhr

ALMOTRIPTAN

Neue Option für Migräne-Patienten

von Ulrich Brunner, Bergisch-Gladbach

Ab Anfang März wird Bayer Vital in Deutschland ein weiteres Migränepräparat aus der Klasse der Triptane vermarkten. Almotriptan (Handelsname Almogran®) stammt nicht aus der hauseigenen Pipeline, sondern wurde vom spanischen Pharmaunternehmen Almirall Prodespharma entwickelt.

Das Triptan passe gut ins Portfolio des Leverkusener Konzerns. Da die in Barcelona ansässige Firma in Deutschland bisher keine Niederlassung hat, sei man gerne eine Partnerschaft mit Almirall-Prodespharma eingegangen, erklärte Bayer-Vital-Chef Dr. Hans-Joachim Rothe am 3. Februar auf einer Pressekonferenz in Bergisch-Gladbach. Er sieht in der Allianz zudem eine Chance für Bayer Vital, seine unabhängige Position als deutsches Unternehmen zu bewahren.

Für Professor Dr. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik in Kiel ist Almotriptan eine sinnvolle Ergänzung in der Stoffklasse der Triptane. In klinischen Studien habe die Substanz nicht nur schnell und effektiv die Symptome der Migräne gelindert, sondern zeichnete sich auch durch ein günstiges Neben- und Wechselwirkungsprofil aus. Göbel: "Almotriptan ist nicht irgendein weiteres Triptan, sondern eine neue Option für Migräniker."

Bis heute ist der Pathomechanismus der Migräne noch nicht vollständig aufgeklärt. Wahrscheinlich stören neurogene Reize zunächst die Mikrozirkulation in den Gefäßen der Hirnhaut. Diese Perfusionsphase trete während der Aura auf und habe nichts mit der anschließend einsetzenden akuten Migräneattacke zu tun, erläuterte Göbel. Später setzen dann Gefäßwände proinflammatorische Botenstoffe wie Neurokinin A, Substanz P, vasoaktives intestinales Polypeptid (VIP) und CGRP (calcitonin gene related peptide) frei. Die Entzündung breitet sich weiter über die Hirnhaut aus. Zusätzlich tritt in der Exsudationsphase Flüssigkeit aus dem Gewebe aus. "Daher reagieren die Migräniker extrem empfindlich auf Bewegungen. Jede Erschütterung schmerzt", erklärte Göbel.

Wie alle Triptane wirkt Almotriptan agonistisch auf die im ZNS und an Blutgefäßen lokalisierten Serotonin-Rezeptoren (5-HT) vom Subtyp 1B/1D. In der Folge ziehen sich die Gefäße in der Hirnhaut zusammen. Zusätzlich wird die durch Botenstoffe in der Hirnregion ausgelöste Entzündung gebremst.

Das neue Triptan überzeugt nach Meinung Göbels nicht nur durch den schnellen Wirkungseintritt von einer halben Stunde. Unter Almotriptan seien die Kopfschmerzen nach der Behandlung auch signifikant seltener wieder aufgetreten als bei anderen Triptanen. Zudem hätten die Patienten in klinischen Studien nicht häufiger als unter Placebo unter unerwünschten Nebenwirkungen gelitten.

Dr. Axel Heinze, ebenfalls von der Schmerzklinik in Kiel, warnte allerdings vor einem unkritischen Einsatz der Triptane. Die Substanzen eigneten sich auf keinen Fall als universelle Schmerzmittel. "Triptane helfen nur bei Migräne. Das Krankheitsbild muss vorher klar diagnostiziert werden", betonte der Mediziner. Und dabei käme es weniger auf medizinische Hightech-Geräte als auf das Gespräch mit den Patienten an.

Prinzipiell sollten nur akut schwere Migräneformen mit Triptanen behandelt werden. Leichte Attacken kann der Betroffene mit herkömmlichen Analgetika bekämpfen. Bei Übelkeit leiste ein zusätzlich genommenes Antiemetikum gute Dienste. Besonders zur Prophylaxe seien allerdings alternative Behandlungsmethoden unersetzlich, sagte Heinze. Da die Patienten häufig auf Änderungen im Lebensrhythmus mit einem Migräneanfall reagieren, sollten sie ihren Tagesablauf anpassen. Aber auch Stressabbau, Entspannungsübungen und regelmäßiger Sport eignen sich zur Prophylaxe.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft hat auf ihrer Homepage unter www.dmkg.org/thera/konse.htm die wichtigsten Inhalte ihrer aktuellen Therapieempfehlungen zusammengefasst. Mehr über alternative Behandlungsformen in der Schmerztherapie, einen Fragebogen und Kopfschmerzkalender finden Sie auf der Homepage der Schmerzklinik Kiel unter www.schmerzklinik.de.

Das von Bayer ab März in Deutschland vertriebene Almotriptan stellen wir Ihnen in unserer Rubrik "Neu auf dem Markt" in PZ 14 ausführlich vor.

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