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Verträglichkeit der Therapie entscheidend

03.01.2005  00:00 Uhr

Bronchialkarzinom

Verträglichkeit der Therapie entscheidend

von Imme Schröder, Hamburg

Für Patienten mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) stellt die Monotherapie mit Taxanen wie Docetaxel (Taxotere®) neben der Kombinationstherapie mit Platinderivaten eine hoch wirksame und gleichzeitig gut verträgliche Option für die Erstlinientherapie dar.

„Die Chemotherapie bietet nicht nur einen Vorteil bezüglich des Überlebens, sondern auch in Bezug auf die Lebensqualität“, sagte Professor Dr. Rudolf M. Huber, Leiter der pneumologischen Abteilung des Klinikums Innenstadt München, auf einem von Sanofi Aventis unterstützten Pressegespräch. Patienten mit einem metastasierten NSCLC leiden häufig unter Symptomen wie Husten, starker Gewichtsabnahme, Atemnot, Schmerzen in der Brust, Bluthusten, Knochenschmerzen, Fieber oder Muskelschwäche. Hinzu kommt oft das so genannte Fatigue-Syndrom, das sich durch ausgeprägte Müdigkeit, Kraftlosigkeit und fehlende Belastbarkeit äußert. Eine Chemotherapie führt bei 30 Prozent aller Patienten zu einer Reduktion der tumorassoziierten Symptome und gilt deshalb bei vielen Onkologen auch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium als unverzichtbar. „Der therapeutische Nihilismus beim metastasierten NSCLC ist in der heutigen Zeit nicht mehr gerechtfertigt“, fasste Professor Dr. Frank Griesinger, Oberarzt der Abteilung Hämatologie und Onkologie an der Georg-August-Universität Göttingen, zusammen.

Lungenkrebs in Zahlen

Vom NSCLC sind etwa 80 Prozent aller Patienten mit bösartigen Lungentumoren betroffen. Das Bronchialkarzinom ist heute die häufigste Todesursache bei Männern, bei Frauen in Deutschland derzeit noch die dritthäufigste. Die Patienten leiden oft unter der Stigmatisierung ihrer Erkrankung durch ihr soziales Umfeld, aber auch durch die Ärzteschaft und die Medien.

90 Prozent aller Bronchialkarzinom-Patienten haben geraucht. Das Risiko für einen männlichen Raucher, diese Tumorform zu entwickeln, liegt bei etwa 10 Prozent. Frauen haben mit 17 Prozent ein noch höheres Risiko. Auch Umweltfaktoren wie eine Asbest-Exposition und genetische Dispositionen spielen als Risikofaktoren eine Rolle. Die Inzidenz der Erkrankungen, an der jährlich etwa 44.000 Männer und 10.000 Frauen sterben, wird in den nächsten Jahren wegen des gestiegenen Zigarettenkonsums in den letzten Jahrzehnten noch erheblich zunehmen. 50 Prozent aller Patienten mit NSCLC rauchen jedoch nicht mehr und auch die Anzahl der Krankheitsfälle bei „Nie-Rauchern“ steigt.

Das NSCLC ist eine tückische Erkrankung, die über einen langen Zeitraum ohne Symptome verläuft und deshalb oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird. Der Behandlungsstandard setzt sich, je nach Stadium, aus Operation, nachfolgender adjuvanter Chemotherapie und Strahlentherapie zusammen. Bei einem frühzeitig diagnostizierten Bronchialkarzinom liegen die Heilungschancen bei 35 bis 80 Prozent, bei fortgeschrittenen Stadien bei 25 bis 30 Prozent. Bei etwa der Hälfte aller Patienten mit einem neu entdeckten Bronchialkarzinom haben sich bereits Fernmetastasen, vor allem in Leber, Nebenniere, Knochen, Gehirn und Lunge, gebildet. Die mediane Überlebenszeit der Patienten mit einem metastasierten Bronchialkarzinom liegt heute zwischen acht und 13 Monaten. Hier setzen Mediziner auf eine palliative Chemotherapie, bei der die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen im Vordergrund steht. „Eine Verlängerung der Lebenszeit wird mit Chemotherapeutika wie Docetaxel, meist in Kombination mit einem Platinderivat oder als Monotherapie, erzielt“, erläuterte Griesinger. In prospektiv randomisierten Studien konnte dies gegenüber einer alleinigen symptomatischen Therapie gezeigt werden.

Docetaxel auch als Monotherapie

Die Kombination von Docetaxel und Cisplatin erwies sich in einer Studie gegenüber einer Standardtherapie mit Vinorelbin und Cisplatin sowohl in Hinblick auf die Überlebenszeit als auch in Bezug auf die Lebensqualität als vorteilig. Seit Januar 2003 ist Docetaxel/Cisplatin zur Behandlung des fortgeschrittenen und metastasierten NSCLC zugelassen.

Patienten, die Cisplatin schlecht vertragen oder bei eingeschränkter Nierenfunktion auf eine Therapie mit platinhaltigen Zytostatika verzichten müssen, können auf eine Monotherapie mit Docetaxel ausweichen – diese vergleichbare Wirkung zur Kombinationstherapie wurde in einer randomisierten Studie bestätigt (Georgoulias, V. et al., JCO 22 (2004) 2602 - 2609). Eine kleinere Phase-II-Studie weist darauf hin, dass eine Monotherapie mit Docetaxel begonnen werden, bei einem Fortschreiten des Lungenkrebses jedoch sequenziell auf eine andere Monotherapie, zum Beispiel mit Gemcitabin, umgestellt werden kann. „Dies stellt eine gut verträgliche Therapiesequenz dar, die vergleichbare Überlebenswahrscheinlichkeiten mit häufig eingesetzten Kombinationstherapien aufweist“, sagte Huber. Top

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