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Viel Zeit für ältere Patienten

Datum 19.11.2001  00:00 Uhr
PHARMAZEUTISCHE BETREUUNG

Viel Zeit für ältere Patienten

Ein multimorbider, 80-jähriger Patient nimmt durchschnittlich 1200 Einzeldosen pro Jahr zu sich. Das richtige Mittel zum richtigen Zeitpunkt in richtiger Dosierung anzuwenden, ist eine reife Leistung. 30 bis 50 Prozent der Patienten nehmen ihr Medikament nicht so wie verordnet, sagten Kathrin Ossig aus Kamen und Anneli Schmitt, Castrop-Rauxel.

Die beiden Kolleginnen, die in der OMA-Studie umfangreiche Erfahrungen gesammelt haben, gaben im Workshop Geriatrie viele nützliche Hinweise für die Betreuung älterer multimorbider Patienten. Anhand gut ausgewählter Fallbeispiele konnten sie die Teilnehmer für arzneimittelbezogene Probleme sensibilisieren. Gerade im Umgang mit älteren Menschen sind Vertrauen, Zeit und gute Kommunikation wichtig; Therapieziele müssen auf die persönliche Situation des Patienten zugeschnitten sein.

Bei mangelnder Compliance - ersichtlich aus Patientenangaben und dem Medikationsprofil - helfen oft Applikationshilfen (zum Beispiel Tablettenteiler, Einnahmebecher, Tropfenzähler, Inhalierhilfen), Erinnerungssysteme oder ein Wechsel der Arzneiform, zum Beispiel Brausetabletten statt Tabletten bei Mundtrockenheit. Viele Anwendungsprobleme kann der Apotheker gemeinsam mit dem Patienten direkt lösen, betonten die Kolleginnen. Besonderheiten der Pharmakokinetik im Alter sollte er ebenso beachten wie häufige Nebenwirkungen, zum Beispiel Elektrolytentgleisungen, gastrointestinale, kardiologische und neurologische Komplikationen. Reichliches Trinken, eine Umstellung der Ernährung, eventuell die Gabe hoch kalorischer Nahrung oder von Mineralstoff- und Vitaminpräparaten können das Befinden deutlich bessern.

Wer mehrere Arzneimittel zeitgleich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko für Wechselwirkungen. Auch Doppelverordnungen, zum Beispiel von verschiedenen Ärzten, kann der Apotheker herausfiltern. Mitunter ergänzen Ärzte bei ungenügendem Therapieerfolg neue Arzneimittel, ohne die frühere Verordnung zu prüfen und eventuell zu streichen. Dann nimmt der Patient mehrere gleichgerichtete Arzneimittel parallel ein - eine Quelle für Nebenwirkungen, die der kundige Apotheker leicht erkennen kann.

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