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Pflanzlich gegen plötzlichen Harndrang

19.09.2005
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Sabal-Urtica-Extrakt

Pflanzlich gegen plötzlichen Harndrang

von Brigitte M. Gensthaler, München

Millionen Männer in Deutschland haben Beschwerden wegen einer vergrößerten Prostata. Phytopharmaka, zum Beispiel aus Sägepalmfrucht und Brennnesselwurzel, können Symptome wie plötzlichen Harndrang und erhöhte Miktionsfrequenz deutlich lindern.

Das benigne Prostatasyndrom (BPS) ist keineswegs selten. 40 Prozent der Männer über 50 Jahre und drei Viertel der 70-Jährigen leiden wegen einer vergrößerten Prostata an Störungen beim Wasserlassen. Erste Anzeichen sind häufiger Harndrang, vermehrtes nächtliches Urinieren, verzögerter Miktionsbeginn, abgeschwächter Harnstrahl und Nachtröpfeln. Besonders der plötzliche und kaum unterdrückbare Harndrang und das häufige Wasserlassen belasten die Männer in Beruf und Freizeit. Obwohl viele sich dadurch in ihrer Lebensqualität und Spontaneität deutlich eingeschränkt fühlen, sind etwa 70 Prozent der Betroffenen ohne Behandlung.

»Unbehandelt verschlimmern sich die Probleme jährlich bei einem Drittel der Männer«, warnte der Urologe Dr. Gerd Popa aus Ludwigshafen bei einem Pressegespräch der Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel in München. Die rechtzeitige Therapie lindere nicht nur Symptome, sondern könne langfristig bei vier von fünf Männern auch eine Operation unnötig machen.

Für die Selbstmedikation stehen Phytopharmaka aus Sägepalmfrucht (Serenoa repens, Sabal serrulata), Brennnesselwurzel (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale) und der Phytosterole enthaltenden Hypoxis-rooperi-Wurzel zur Verfügung. Teilweise liegen randomisierte kontrollierte Studien vor, die eine Wirksamkeit anzeigen. In den Leitlinien der Deutschen Urologen zur Therapie des BPS (Stand 2003) ist der Sabal-Urtica-Extrakt PRO 160/120 als einziges Kombipräparat mit positivem Wirknachweis aufgeführt. Dass diese Kombination die erhöhte Miktionsfrequenz und den plötzlichen Harndrang deutlich reduzieren kann, zeigt die Re-Evaluierung einer 1996 publizierten Doppelblindstudie mit 40 Patienten (Zulassungsstudie für Prostagutt® forte). Die Männer hatten in der Studie 24 Wochen lang entweder zweimal täglich das Phytopharmakon oder Placebo eingenommen und anschließend weitere 24 Wochen lang alle das Verum bekommen. Der Internationale Prostata-Symptomen-Score (IPSS) als Gesamtscore hatte sich signifikant verbessert.

Die Neuauswertung der Daten ergab, dass die Männer in der Verumgruppe nach 24 Wochen seltener über plötzlichen Harndrang berichteten und die erhöhte Miktionsfrequenz deutlich zurückging (1). Der Anteil der Patienten, die nur noch leichte Beschwerden fühlten, stieg jeweils deutlich an und erhöhte sich noch in der zweiten Studienphase. Popa plädierte daher für eine Dauertherapie mit dem gut verträglichen Phytopharmakon. Die Kontrolle beim Urologen kann es freilich nicht ersetzen.

 

Literatur

  1. Popa, G., et al., Symptomatische Wirksamkeit eines Sabal-Urtica-Kombinationspräparates in der Therapie der benignen Prostatahyperplasie. MMW-Fortschr. Med. 147, Nr. III (2005) 103-108.

  

 

Neue Studie untermauert Wirksamkeitvon Sven Siebenand, Eschborn

Eine kürzlich im World Journal of Urology veröffentlichte placebokontrollierte Doppelblindstudie zeigt, dass die Sabal-Urtica-Kombination mit WS® 1473/ WS® 1031 die Beschwerden bei benignem Prostatasyndrom reduzieren und so die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen kann.

257 ältere Patienten, die mittelschwer bis schwer an BPS litten, waren in die auf 48 Wochen angelegte Multicenterstudie eingeschlossen. Nach zweiwöchiger Placebo-Einführungsphase erhielt die Verumgruppe (n = 129) 24 Wochen lang täglich zweimal eine Kapsel PRO 160/120 (Prostagutt forte), die 160 mg Extrakt WS® 1473 aus Sabalfrüchten und 120 mg Extrakt WS® 1031 aus Brennnesselwurzeln enthält. Im Anschluss daran nahmen alle Patienten über weitere 24 Wochen das Kombinationspräparat im offenen Studiendesign ein.

Nach 24 Behandlungswochen hatten sich die Beschwerden unter Verum signifikant gegenüber Placebo verbessert, wobei der IPSS-Standardfragebogen als Bewertungsgrundlage herangezogen wurde. Unter PRO 160/120 betrug die Verbesserung durchschnittlich 6 Punkte, unter Placebo nur 4 Punkte. Von den Patienten mit mittelschweren Beschwerden konnte ungefähr jeder Vierte der Gruppe mit nur leichten Beschwerden zugeordnet werden, unter Placebo waren es knapp 15 Prozent. Vor allem Patienten mit schweren Beschwerden profitierten von der Einnahme des Kombinationsmittels. Während unter Placebo fast jeder Dritte keine Besserung zeigte, waren es unter Verum nur 14 Prozent, die weiterhin unter einer schweren Symptomatik litten.

Patienten, die im ersten Therapiezyklus Placebo erhalten hatten, profitierten im offenen Studienteil ebenfalls deutlich von der Einnahme der Sabal-Brennnessel-Kombination, die zudem gut verträglich war. Die wenigen unerwünschten Ereignisse waren mit Placebo vergleichbar. »Dieses Arzneimittel bietet eine wirksame und gut verträgliche Alternative in der Behandlung des BPS«, schlussfolgerte Professor Nikolai A. Lopatkin, Leiter der klinischen Studie und Direktor des Urologischen Instituts Moskau.

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