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Orale Applikation vereinfacht Chemotherapie

26.07.2004
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Darmkrebs

Orale Applikation vereinfacht Chemotherapie

von Kerstin A. Gräfe, Frankfurt am Main

Die gleichzeitige Anwendung von intravenös appliziertem 5-Fluoruracil (5-FU) mit Oxaliplatin oder Irinotecan verlängert die Überlebenszeit von Darmkrebspatienten und senkt das Rezidivrisiko. Die X-ACT-Studie belegt, dass das orale 5-FU-Präparat Capecitabin in Kombination ebenso effektiv ist und somit den Weg zu einer ambulanten Therapie ebnen könnte.

"Capecitabin besitzt auf Grund der wesentlich einfacheren Handhabbarkeit erhebliche Vorteile verglichen mit einer 5-FU-Dauerinfusion", sagte Dr. Norbert Marschner, Facharzt für innere Medizin und Hämatologie in Freiburg auf einer von Roche unterstützten Pressekonferenz. Vor allem die ambulante Behandlung werde durch ein orales 5-FU-Präparat stark vereinfacht.

Orale Therapie ist besser verträglich

An der X-ACT-Studie (Xeloda in Adjuvant Colon Cancer Therapy), die weltweit in 164 klinischen Zentren durchgeführt wurde, nahmen insgesamt 1987 Patienten teil. Sie litten an einem Kolonkarzinom im Stadium III („Dukes C“), das heißt, neben dem Darm war mit mindestens ein Lymphknoten befallen und die Patienten waren mit kurativer Absicht operiert worden. Postoperativ erhielten sie randomisiert entweder 5-Fluorouracil/Folinsäure (5-FU/FA) als Bolus nach dem Mayo-Klinik-Schema (5-FU 425 mg/m2 intravenös als Bolus an den Tagen 1 bis 5 plus Folinsäure 20 mg/m2 intravenös als Bolus an den Tagen 1 bis 5, alle 4 Wochen) oder Capecitabin oral (1250 mg/m2 zweimal täglich an den Tagen 1 bis 14, wiederholt alle 3 Wochen). Die Behandlung erfolgte über insgesamt 24 Wochen. Primärer Studienendpunkt war das krankheitsfreie Überleben.

Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von 3,8 Jahren lebten noch 64,2 Prozent der Patienten aus der Capecitabin-Gruppe und 60,6 Prozent der Patienten aus der 5-FU/FA-Gruppe ohne erneute Krankheitszeichen. „In diesem Ergebnis zeigt sich eindeutig der Trend zu einer Verlängerung der Überlebenszeit“, sagte Marschner. Zwar ist dieser Unterschied statistisch noch nicht signifikant, dies sei jedoch auf den relativ kurzen Beobachtungszeitraum zurückzuführen. Bezüglich des rezidivfreien Überlebens (RFS), den sekundären Endpunkt dieser Studie, war die Überlegenheit von Capecitabin signifikant. Am Ende der Beobachtungszeit lebten noch 65,5 Prozent der Capecitabin-Patienten gegenüber 61,9 Prozent der Patienten aus der Vergleichsgruppe rezidivfrei. Hinsichtlich des Drei-Jahres-Gesamtüberlebens zeigte sich Capecitabin verglichen mit dem Mayo-Regime gleichwertig bis tendenziell überlegen (81,3 Prozent der Capecitabin-Patienten versus 77,6 Prozent der Vergleichsgruppe).

Dass der Unterschied zu Gunsten von Capecitabin tatsächlich auf der besseren Wirksamkeit dieser Substanz beruht und nicht von einem zufällig besonders schlechten Abschneiden der Kontrollgruppe herrührt, zeige der Vergleich des Mayo-Arms in der X-ACT-Studie mit dem Mayo-Arm in anderen großen klinischen Studien, sagte Marschner.

Die Verträglichkeit von Capecitabin war besser als die des 5-FU/FA-Bolus. So kam es unter Capecitabin signifikant seltener zu Haarausfall, Diarrhö, Stomatitis, Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie. Lediglich das Hand-Fuß-Syndrom trat unter Capecitabin signifikant häufiger auf als in der Vergleichsgruppe, sei aber laut Marschner gut beherrschbar.

 

Darmkrebs ist vermeidbar „Die Vorsorgesituation in Deutschland ist alles andere als zufriedenstellend,“ konstatierte Professor Dr. Peter R. Galle, Direktor der medizinischen Klinik und Poliklinik des Mainzer Johannes-Gutenberg-Universitätsklinikums auf einer Pressekonferenz. Mit über 50.000 Neuerkrankungen und über 30.000 Todesfällen pro Jahr allein in Deutschland ist Dickdarmkrebs die zweithäufigste Todesursache bei bösartigen Tumoren. Doch rechtzeitige Vorsorge hilft Leben zu retten. So führten jährliche Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut ab dem 50. Lebensjahr zu einer Mortalitätssenkung von 23 Prozent. In Kombination mit einer Koloskopie alle fünf bis zehn Jahre senke die Mortalität sogar um 60 Prozent.

Mit Hilfe einer darmfreundlichen Ernährung könne man zudem weitgehend verhindern, dass es zur Bildung von Krebszellen in der Darmschleimhaut kommt: Fett und Fleisch sollten so wenig wie möglich auf dem Speiseplan stehen, dafür umso häufiger Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Derzeit gebe es keine gesicherten Daten zur wirksamen Prävention durch Mikronährstoffe und Medikamente. Dagegen scheine Bewegung das Erkrankungsrisiko zu senken.

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