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TNF-a-Blocker gegen Rheuma

26.07.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

ETANERCEPT

TNF-a-Blocker gegen Rheuma

von Stephanie Czajka, Berlin

Ein neues Basistherapeutikum gegen rheumatoide Arthritis ist seit einem halben Jahr in den USA auf dem Markt. Mit der deutschen Zulassung des Wirkstoffes Etanercept rechnen die Hersteller im Januar 2000, hieß es auf einer Presseveranstaltung von Weyth-Pharma in Berlin.

Etanercept blockiert den Tumornekrosefaktor a (TNF-a). Es ist ein Fusionsprotein. Zwei Arme des menschlichen TNF-Rezeptors wurden mit der Fc-Domäne eines menschlichen Immunglobulins gekoppelt. Der Rezeptor fängt so das Zytokin ab, wird aber nicht aktiviert. Neben TNFa trägt auch Interleukin 1 (IL-1) dazu bei, daß die Entzündungsreaktion in den Gelenken fortdauert. Wird TNFa in vitro blockiert, verringere sich auch die Konzentration von IL-1, sagte Professor Dr. Joachim Kalden von der Universität Erlangen. IL-1 wird eine direkte Wirkung auf die Zerstörung von Gelenk und Knochen zugeschrieben. Ob TNF-a-Blocker die Knochendestruktion verhindern, sollen die Ergebnisse von Röntgenanalysen zeigen, die in einigen Monaten vorliegen werden.

Bisherige Studien zeigen, daß sich die Symptomatik unter Etanercept (Handelsname Enbrel) bessert. Bei 57 Prozent der Patienten gingen nach drei Monaten Schwellungen und Schmerzen an den Gelenken um die Hälfte zurück (unter Placebo bei 24 Prozent). Die Morgensteifigkeit dauerte nur noch eine statt vier Stunden an. Hatten mehr als drei andere Basistherapeutika versagt, nahmen die Schwellungen unter Etanercept ebenfalls um die Hälfte ab, die Schmerzen verringerten sich um 69 Prozent, die Lebensqualität besserte sich, berichtete Dr. Markus Gaubitz, Universität Münster. Etanercept kann auch mit Methotrexat kombiniert werden. Nach sechs Monaten Kombinationstherapie besserten sich bei zwei Drittel der Patienten die Symptome um mindestens zwanzig Prozent, bei 39 Prozent der Patienten um mindestens 50 Prozent.

Wird das Mittel abgesetzt, steigen die Beschwerden wieder an. Kalden zufolge wurde das Präparat bisher 54 Monate lang in kontrollierten Langzeitstudien untersucht. Schwere Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen hätten nicht zugenommen, meinte Professor Dr. Gerd Burmester von der Charité in Berlin. Es gebe auch keine Hinweise, daß T-Zellen, Antikörperproduktion oder die Aktivität von Makrophagen beeinträchtigt wären, sagte Gaubitz.

Etanercept darf jedoch nicht angewendet werden, wenn schon Infektionen vorliegen oder wenn der Patient Krebs hatte. Auch bei schweren organischen Erkrankungen wie fortgeschrittenem Diabetes oder bei Herzschwäche darf das Medikament nicht gegeben werden. In der amerikanischen Produktinformation wird darauf hingewiesen, daß es unter solchen Bedingungen zu Sepsis und Todesfällen gekommen sei.

Kalden betonte, daß das Präparat nur verschrieben werden darf, wenn ein oder zwei andere Basistherapeutika wirkungslos blieben. Entzündungsparameter müssen überprüft, mögliche Infektionen überwacht werden. Ob zusätzlich regelmäßig antinukleäre Antikörper zu kontrollieren sind, sei noch unklar. 14 Prozent der Patienten entwickeln solche Autoantikörper, berichtete Burmester. Nach Absetzen des Medikamentes bildeten sie sich jedoch zurück.

Schnupfen und leichtere Infektionen der Atemwege kommen unter Etanercept häufiger vor als unter Placebo. Kopfschmerzen, Schwindel oder Hypertonie wurden beobachtet. Häufigste Nebenwirkung (37 Prozent) sind Reaktionen an der Einstichstelle. Selten aber müsse deshalb die Therapie abgebrochen werden, sagte Burmester.

Zweimal pro Woche werden 25 mg Etanercept subcutan injiziert. Nach Anleitung kann der Patient sich selbst spritzen. Um Rötungen, Jucken oder Schmerzen an der Einstichstelle gering zu halten, sollte der Patient die Einstichstellen wechseln, also nacheinander in rechten und linken Oberarm und Oberschenkel stechen. Zwar wirkt das Medikament bei manchen sofort, Kalden riet aber mindestens acht bis zwölf Wochen zu behandeln, um die Wirkung der Therapie zu beurteilen. Top

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