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Moderne Arzneiformen zur Applikation von Peptiden

05.06.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON MERAN

Moderne Arzneiformen zur Applikation von Peptiden

von Hartmut Morck, Meran

Peptide spielen schon sehr lange eine Rolle in der Therapie. Seit fast 80 Jahren sind zum Beispiel die Injektionszubereitungen mit Insulinen auf dem Markt. Immerhin werden 95 Prozent der Peptidarzneimittel injiziert, so Dr. Norbert Lill von der Aventis Pharma Deutschland GmbH in Frankfurt. Weiterentwicklungen habe es deshalb in erster Linie bei den Applikationshilfen gegeben, wie nadelfreie Injektionen, Pens oder Applikationspumpen. Letztere spielen allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Das große Ziel jedes Galenikers sei es , für Peptide nach alternativen Applikationswegen zu suchen.

Ein erster Erfolg sei die Entwicklung der Nasalsprays für Peptide gewesen, insbesondere bei der Behandlung hormonabhängiger Prostatakarzinome oder der Endometriose. Nachteil dieser Darreichungsform sei, dass sie häufig appliziert werden müssen. So müsse zum Beispiel ein Nasenspray mit Buserelin auf Grund der schlechten Bioverfügbarkeit zwölfmal täglich angewandt werden, was nicht gerade die Patientencompliance fördere.

Als Durchbruch bezeichnete Lill den Einsatz bioabbaubarer Polymere. Damit sei es möglich geworden, Depotarzneiformen für Peptide auf der Basis von Polyglykol- und Polymilchsäuren als Implantate oder Mikropartikel herzustellen. Der Abbau der Polymeren lasse sich durch die Variation der Molekularmassen und des molaren Verhältnisses von Milchsäure zu Glykolsäure steuern, sagte Lill. Polymere mit geringerer Molekularmasse und hohem Anteil Glykolsäure würden schneller abgebaut als Polymere mit hoher Molekularmasse und hohem Anteil Milchsäure. So könne man Depotarzneimittel herstellen, die den Wirkstoff gleichmäßig über einen, zwei oder drei Monate oder auch länger freisetzen.

Für die Freisetzung sei die Art des Polymerabbaus entscheidend. Aus der Sicht des Technologen sei der Schicht-für-Schicht-Abbau wünschenswert. Bei den Polyglykol- und -milchsäuren sei aber ein Bulkerosion nachgewiesen worden. Das bedeutet, dass in der gesamten Arzneiform die Esterhydrolyse gleichzeitig stattfindet. Die Folge: Der Arzneistoff wird in mehreren Phasen freigesetzt; und zwar durch Diffusion von der Oberfläche, Diffusion durch die Polymermatrix und über die Poren.

Nicht durchgesetzt haben sich laut Lill Liposomen als Träger von Peptiden. Erfolgversprechender seien transdermale Arzneiformen, die mit der Iontophorese arbeiten, und die Applikation über die Lunge. Lill kündigte an, dass in absehbarer Zeit das erste Insulin zur Inhalation auf den Markt kommen werde. Vorher müssten aber noch einige technische Probleme gelöst werden. Als perorale Arzneiformen für Peptide würden zur Zeit orale Pflaster entwickelt, die über die Adhäsion an der Darmwand den Wirkstoff freigeben sollen. Lill erwartet, dass auf Grund der biomolekularen Erkenntnisse physiologischer und pathophysiologischer Vorgänge die Zahl der Peptid- und Proteinarzneistoffe weiter steigen wird. Top

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