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Mehr Klarheit für Allergiker

12.04.2004
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EU-Kosmetikverordnung

Mehr Klarheit für Allergiker

von Ludger Neumann, Düsseldorf

Im März letzten Jahres wurde die 7. Änderungsrichtlinie der europäischen Kosmetikverordnung bekannt gegeben. Ihre Umsetzung in die deutsche Kosmetikverordnung ist zwar noch nicht im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, die Änderungen sind aber bereits absehbar. Von diesen sollen Verbraucher, vor allem Allergiker, profitieren.

Seit der 6. Änderungsrichtlinie der europäischen Kosmetikverordnung müssen Kosmetikhersteller auf ihren Produkten die Inhaltsstoffe in INCI-Nomenklatur (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) angeben. Dabei sind sämtliche Duftstoffe unter „Parfum“ zusammengefasst.

Auf Drängen von europäischen Dermatologen und auf Grund einer Bewertung durch das Scientific Committee for Cosmetics and Non-Food Products (SCCNFP), ein Beratergremium der Europäischen Kommission, sollen nun 26 Parfümbestandteile in die Liste der Inhaltsstoffe aufgenommen werden (siehe Tabelle). Auf dem Etikett werden sie jedoch nur erscheinen, wenn sie bei Produkten, die auf der Haut verbleiben, eine Konzentration von 10 ppm (0,001 Prozent) und bei Produkten, die abgespült werden, eine Konzentration von 100 ppm (0,01 Prozent) überschreiten. Ob sie dem Kosmetikum mittels Parfüm oder Naturstoffen wie Kamille, Eukalyptus oder Koriander zugesetzt wurden, ist dabei nicht entscheidend.

 

Tabelle: Liste der deklarationspflichtigen Parfüminhaltsstoffe

INCI-NameStoffCAS*-Nummer Amyl Cinnamal α-Amylzimtaldehyd 122-40-7 Benzyl Alcohol Benzylalkohol 100-51-6 Cinnamyl Alcohol Zimtalkohol 104-54-1 Citral Citral 5392-40-5 Eugenol Eugenol 97-53-0 Hydroxycitronellal Hydroxycitronellal 107-75-5 Isoeugenol Isoeugenol 97-54-1 Amylcinnamyl Alcohol Amylzimtalkohol 101-85-9 Benzyl Salicylate Benzylsalicylat 118-58-1 Cinnamal Zimtaldehyd 104-55-2 Coumarin Cumarin 91-64-5 Geraniol Geraniol 106-24-1 Hydroxyisohexyl3-Cyclohexene Carboxaldehyde Hydroxy-methylpentyl-cyclohexencarboxaldehyd 31906-04-4 Anise Alcohol Anisalkohol 105-13-5 Benzyl Cinnamate Benzylcinnamat 103-41-3 Farnesol Farnesol 4602-84-0 Butylphenyl Methylpropional 2-(4-tert-Butylbenzyl)propionaldehyd 80-54-6 Linalool Linalool 78-70-6 Benzyl Benzoate Benzylbenzoat 120-51-4 Citronellol Citronellol 106-22-9 Hexyl Cinnamal α-Hexylzimtaldehyd 101-86-0 Limonene d-Limonen 5989-27-5 Methyl 2-Octynoate Methylheptincarbonat 111-12-6 Alpha-Isomethyl Ionone 3-Methyl-4-(2,6,6-trimethyl-2-
cyclohexen-1-yl)-3-buten-2-on 127-51-5 Evernia Prunastri Extract Eichenmoos- und Baummoosextrakt 90028-68-5 Evernia Furfuracea Extract Baummoosextrakt 90028-67-4

*) CAS-Nummern sind die Registriernummern des Chemical Abstract Service, der alle chemischen Verbindungen fortlaufend registriert.

 

Ziel der neuen Regelung ist eine verbesserte Information für Allergiker, die auf Duftstoffe reagieren und sich bisher auf parfümfreie Produkte beschränken mussten. Jetzt wird es ihnen ermöglicht, auch parfümierte Präparate zu verwenden, vorausgesetzt, sie haben sich zuvor auf die 26 Parfüminhaltsstoffe testen lassen. Wenn bekannt ist, auf welche Parfümallergene ein Duftstoffallergiker reagiert, kann er auf Grund der neuen Kennzeichnungsregelung demnächst parfümierte Produkte auswählen, die keine für ihn relevanten Inhaltsstoffe enthalten.

Neue Haltbarkeitsangabe

Bisher war die Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums nur auf Kosmetikprodukten erforderlich, die maximal 30 Monate haltbar waren. Dies hat sich mit der 7. Änderungsrichtlinie der europäischen Kosmetikdirektive grundsätzlich nicht geändert. Neu ist allerdings, dass Hersteller bei Produkten mit einer Mindesthaltbarkeit von über 30 Monaten künftig eine Haltbarkeitsdauer nach dem Öffnen angeben müssen – das heißt, den Zeitraum, in dem der Verbraucher das Kosmetikum ohne gesundheitlichen Schaden weiterhin verwenden kann. Diese spezielle Haltbarkeitsdauer wird auf dem Gefäß mit einem geöffneten Cremetiegel symbolisiert und in Monaten mit der entsprechenden Abkürzung „M“ für menses aufgeführt, was die EU-weite Vermarktung erleichtern soll.

Für die Festlegung der Haltbarkeitsdauer nach dem Öffnen ist der Kosmetikhersteller verantwortlich. Dabei definiert eine Leitlinie des europäischen Kosmetikverbands COLIPA das Öffnen als den ersten physischen Kontakt des Verbrauchers mit dem entsprechenden Produkt. Zwar gibt es für die Begrenzung dieses Zeitraums keine spezielle wissenschaftliche Methode, Hauptkriterium wird jedoch die mikrobielle Verkeimung sein.

Für Verbraucher ist diese neue Haltbarkeitsangabe besonders nützlich bei Gesichtscremes, Körperlotionen, Augengels, Abschminkprodukten, Mascaras und Eyelinern, Shampoos oder Sonnenschutzmitteln. Denn diese Produkte können durch die Anwendung mikrobiell verkeimen.

Nicht relevant ist dagegen die Angabe bei Einmalprodukten (Proben, Haarfarben) oder bei Verpackungen, die den Inhalt wirksam schützen und daher nicht im oben angegebenen Sinne geöffnet werden (Aerosole). Gleiches gilt auch für Kosmetika, die mikrobielles Wachstum auf Grund eines hohen Alkoholgehalts (alkoholische Parfüms), geringer Wasseraktivität (Lippenstifte) oder eines extremen pH-Werts (Mittel für Dauerwellen) ohnehin verhindern. Gemäß der Empfehlung von COLIPA wird die Kosmetikindustrie auf diesen Produktgruppen daher keine Haltbarkeitsdauer nach dem Öffnen angeben.

Mehr Informationen für den Kunden

Künftig werden Kosmetikhersteller die Verbraucher auf Anfrage über qualitative Zusammensetzung, die Quantität von Stoffen der europäischen Gefahrstoffrichtlinie (67/548/EEC) oder über unerwünschte Nebenwirkungen informieren müssen. Über Adressen oder Telefonnummern auf den Produkten kann sich der Interessierte mit Herstellern telefonisch, schriftlich, per Fax, E-Mail oder über eine Internetseite in Verbindung setzen. Zudem wird der europäische Kosmetikverband eine Liste von Kontakten der Kosmetikhersteller im Internet veröffentlichen.

Zusätzlich zur Inhaltsstoffliste, wie sie auch auf dem Kosmetikum angegeben ist, werden dem Verbraucher alle Stoffe, die als Gefahrstoffe in Anhang I der Gefahrstoffrichtlinie eingestuft worden sind, quantitativ genannt. Dabei kann die Angabe exakt erfolgen oder in Form eines Konzentrationsbereichs, um so Firmeninformationen zu wahren.

Diese Angaben können den Verbraucher jedoch auch irritieren. Denn die Gefahrstoffrichtlinie gibt nur das Gefahrenpotenzial der Rohstoffe an, unabhängig von ihrer Konzentration. So wird zum Beispiel der Reinstoff Ethanol als leicht entzündlich eingestuft, obwohl Mischungen mit Wasser in ausreichender Verdünnung nicht mehr entzündbar sind. Nach der 7. Änderungsrichtlinie der Kosmetikdirektive wird aber selbst bei hoher Verdünnung die Konzentration von Ethanol anzugeben sein. Es gilt daher, den Verbraucher aufzuklären, wobei auch der Apotheker gefragt ist.

Zu den Informationen für den Verbraucher werden auch Angaben zu gesundheitlichen Unverträglichkeiten bei der Anwendung zählen. Diese dokumentieren Kosmetikhersteller bereits heute, um sie auf Anfrage den Behörden offen zu legen. Gemäß der Empfehlung der COLIPA werden in Zukunft Art (irritativ oder allergisch) und Häufigkeit solcher Unverträglichkeiten mitgeteilt, die bei vorschriftsmäßigem oder vorhersehbarem Gebrauch aufgetreten sind und von einem Arzt in Zusammenhang mit der Anwendung des Kosmetikums bestätigt wurden. Wie viele Unverträglichkeitsmeldungen zu erwarten sind, kann mit einer Statistik abgeschätzt werden, die der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) jedes Jahr durch Befragung seiner Mitgliedsfirmen erhebt. Diese lieferte über viele Jahre hinweg ein Verhältnis von einer vom Arzt bestätigten gesundheitlichen Unverträglichkeit zu einer Million verkaufter Verpackungen.

Umsetzungsfristen

Die Kennzeichnung der Parfüminhaltsstoffe sowie die Angabe der Haltbarkeitsdauer nach dem Öffnen muss von der Kosmetikindustrie für die Abgabe der Produkte an Apotheken und an den Handel bis zum 11. März 2005 umgesetzt sein. Von den Neuregelungen ausgenommen sind alle Produkte, die bereits vor diesem Zeitpunkt ausgeliefert worden sind. Den Zugang zu Produktinformationen für Verbraucher müssen die Herstellerfirmen der Kosmetikindustrie bereits bis zum 11. September dieses Jahres einrichten. Top

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