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Vom Schlaf nur träumen können

14.03.2005
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Restless-Legs-Syndrom

Vom Schlaf nur träumen können

von Thomas Fiß, Frankfurt am Main

Rastlose Beine ­ ruhelose Nächte, dies ist das Los vieler Patienten mit Restless-Legs-Syndrom (RLS). Mit bekannten Wirkstoffen aus der Therapie des Morbus Parkinson wird versucht, die Symptome zu lindern.

»Eine der häufigsten Krankheiten, von denen Sie noch nie etwas gehört haben«, so stellt die amerikanische Restless-Legs-Gesellschaft das Syndrom vor. Meist sind sich die Betroffenen selbst ihrer Krankheit nicht bewusst. Sie leiden, wissen aber nicht woran. Dabei kann den etwa eine Million Ruhelosen geholfen werden. Der Leidensdruck bestimmt die Notwendigkeit einer Therapie.

Hauptsymptom der Erkrankung sind die ausgeprägten und quälenden Missempfindungen, vor allem in den Beinen, die sich als Kribbeln, Reißen oder Brennen bemerkbar machen. Auf Grund dieser Missempfindungen kommt es zu einer ausgeprägten motorischen Unruhe; die Patienten haben das Bedürfnis, sich zu bewegen. Die Bewegungen sind zum Teil unwillkürlich, teils auch willkürlich, da Laufen scheinbare Linderung schafft. Die Beschwerden machen sich vor allem in Ruhe bemerkbar, so dass die Leidtragenden zum Teil ganze Nächte auf den Beinen verbringen. Schon eine Autofahrt kann zur Qual werden.

Ursache noch unbekannt

Die genauen pathophysiologischen Ursachen sind bislang unbekannt. Fest steht bisher nur, dass das primäre RLS auf einer gestörten Signalübertragung zwischen den dopaminergen Nervenzellen im Gehirn beruht. Weiterhin wird ein Gendefekt vermutet, da es familiär gehäuft auftreten kann. Auslöser eines sekundären RLS sind meistens Niereninsuffizienz, Eisenmangel oder Schwangerschaft. Auch die Einnahme von Medikamenten wie Dopamin-D2-Antagonisten können RLS-Symptome provozieren. Trizyklische Antidepressiva, Lithium und nicht zuletzt Coffein können RLS auslösen.

Erste Hinweise auf die Erkrankung kann die Gabe von L-Dopa liefern. Bei Ansprechen auf die Symptome könnte ein RLS vorliegen. Um eine gesicherte Diagnose zu stellen, bleibt jedoch nur der Weg in ein Schlaflabor. Bei RLS-Patienten fallen die verlängerte Einschlafzeit, zahlreiche Wachphasen und die häufigen nächtlichen Beinbewegungen auf. Als Maß für die Diagnose gilt die Anzahl periodischer Beinbewegungen (PLMS-periodic limb movements in sleep).

Eine Therapie sollte erst begonnen werden, wenn die Patienten wegen der quälenden Symptome nicht mehr schlafen können. Mittel der Wahl sind dopaminerge Medikamente. L-Dopa in Kombination mit Benserazid (Restex®, Restex retard®) ist derzeit in Deutschland als einzige Substanz für die Indikation RLS zugelassen. Gleich mehrere Dopamin-Agonisten, darunter Pergolid, Cabergolin und Ropinirol, befinden sich derzeit in klinischen Studien.

Durch die hohe Affinität von Pergolid zum Dopamin-D2-Rzeptor entsteht eine kontinuierliche Stimulation, so konnten auch bei schwer betroffenen Patienten die Symptome gelindert werden. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Linderung der RLS-Beschwerden beim Einschlafen und in Ruhe. Cabergolin zeichnet sich durch seine lange Halbwertszeit von bis zu 65 Stunden aus, sodass in zwei Phase-III-Studien belegt werden konnte, dass sich der positive Effekt über die gesamte Nacht und den Tag erstreckt. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass der Effekt auch noch nach einem halben Jahr anhält. Für Ropinirol ist in Frankreich bereits die Zulassung beantragt, der Wirkstoff zeigte in den Zulassungsstudien eine deutliche Reduktion der unwillkürlichen Beinbewegungen.

L-Dopa nicht ohne Probleme

»Fällt der Plasmaspiegel beim Patienten unter die Wirkschwelle, kommt es wieder zu Zuckungen. Daher sollte er möglichst lange konstant gehalten werden«, sagte Professor Dr. Wolfgang H. Oertel von der Klinik für Neurologie in Marburg auf einem von Orion Pharma unterstützten Symposium zum Deutschen Parkinson Tag. Er stellte eine randomisierte doppelblinde Cross-over-Studie mit 28 Patienten vor, die entweder verschiedene Dosierungen von Levodopa/Carbidopa/Entacapon (Stalevo® 50, 100, 150), Levodopa/Carbidopa (LC 100) oder Placebo erhielten. Alle Vera reduzierten im Vergleich zu Placebo (25,7) signifikant die Anzahl der Zuckungen pro Stunde, wobei sich die höchste Dosierung von Stalevo am wirksamsten erwies: Stalevo 50 (12,6), LC 100 (9,5), Stalevo 100 (6,4) und Stalevo 150 (3,5). »Durch die Kombination mit dem COMT-Hemmer Entacapon wurde eine Glättung der Plasmaspiegel erreicht, wodurch das Arzneimittel auch in der zweiten Nachthälfte eine gute Wirksamkeit zeigte«, ergänzte Oertel.

Die Gefahr bei einer L-Dopa-Therapie sei die Verstärkung der RLS-Symptome nach Absetzen der Therapie sowie ein Verschieben der Beschwerden in die Arme und ein »Shift« der einsetzenden Symptome zu früheren Tageszeiten. Unter einer Behandlung mit Dopamin-Agonisten wurde dieses Phänomen seltener beobachtet. Weiterhin könne sich die gesamte Symptomatik verstärken. Eine Zulassung der Dreierkombination Levodopa/Carbidopa/Entacapon für die Indikation RLS befürwortet der Neurologe, nach seiner Ansicht sei jedoch derzeit Cabergolin das Mittel der Wahl. Top

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