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Aromatasehemmer lösen Tamoxifen ab

03.01.2005
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Brustkrebs

Aromatasehemmer lösen Tamoxifen ab

von Dagmar Knopf, Limburg

Die 5-Jahres-Auswertung der weltweit größten adjuvanten Brustkrebsstudie mit über 9300 Frauen ist abgeschlossen. Die Daten belegen, dass Aromatasehemmer dem seit 30 Jahren als Goldstandard eingesetzten Tamoxifen überlegen sind. Damit ist der Weg für einen Paradigmenwechsel geebnet.

Die fünfjährige Behandlung mit Tamoxifen nach der chirurgischen Entfernung des Tumors ist die derzeitige Standardtherapie für Frauen mit estrogensensitivem Brustkrebs. Der Einsatz des Antiestrogens bringt jedoch einige unerwünschte und gefährliche Nebenwirkungen mit sich. So zum Beispiel tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien, Schlaganfälle, Endometriumkarzinome, Hitzewallungen und Vaginalblutungen. Eine Alternative könnten Aromatasehemmer sein, welche die Bildung von Estrogen außerhalb der Eierstöcke hemmen. Allerdings ist diese Medikation nur für Frauen nach der Menopause beziehungsweise nach Entfernung der Eierstöcke sinnvoll.

Eine nun abgeschlossene fünfjährige internationale Studie bestätigte die ersten ermutigenden Ergebnisse, die sich bereits vor zwei Jahren als Zwischenergebnis abzeichneten. In der ATAC-Studie (Arimidex, Tamoxifen, Alone or in Combination) wurden Wirksamkeit und Sicherheit der beiden Wirkstoffe miteinander verglichen.

Schützt vor Rezidiven

An der randomisierten Doppelblindstudie nahmen 9366 postmenopausale Frauen mit lokalisiertem Brustkrebs teil (Lancet, Onlineveröffentlichung, 8. Dezember 2004). Sie wurden nach chirurgischer Tumorentfernung mit Anastrozol (Arimidex®) 1 mg/Tag, Tamoxifen 20 mg/Tag oder kombiniert behandelt. Die Kombitherapie wurde frühzeitig abgebrochen, weil sie keinen Vorteil brachte. Diese Daten wurden bei der Endauswertung nicht berücksichtigt.

Die vorläufigen Auswertungen nach 33 und 47 Monaten zeigten im Vergleich zu Tamoxifen unter Anastrozol (Arimidex®) eine signifikante Verlängerung der erkrankungsfreien Zeit und Rekonvaleszenz sowie ein verringertes Tumorrisiko in der anderen Brust. Die abschließende Auswertung nach 68 Monaten bestätigte diese Ergebnisse. Die Behandlung mit Anastrozol führte zu signifikanten Verbesserungen: So verlängerte sich die Remission um 13 Prozent, das Rezidivrisiko sank um 20 Prozent, die Metastasierung um 14 Prozent und ein Krebsbefall der anderen Brust um 40 Prozent.

Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Tumorgewebe profitierten noch stärker von dem Aromatasehemmer. Ihre Remission betrug 17 Prozent, das Rezidivrisiko sank um 26 Prozent und das Risiko eines Tumors in der anderen Brust sank um 53 Prozent.

Besser verträglich

Zudem war die Behandlung mit Anastrozol mit weniger Nebenwirkungen assoziiert. So traten bei 271 der mit Tamoxifen behandelten Frauen schwere Nebenwirkungen auf (9 Prozent), während in der mit Anastrozol therapierten Patientinnengruppe 146 Frauen (4,7 Prozent) über entsprechende Nebenwirkungen berichteten. Es gab signifikant weniger Fälle von Gebärmutterschleimhautkrebs, kardiovaskulären Ereignissen, Vaginalblutungen und Hitzewallungen. Hingegen stieg die Zahl der Frakturen und Gelenkschmerzen. Häufigkeit und Art der Nebenwirkungen unter Anastrozol änderten sich im Laufe der Studie nicht, so dass auch eine längere Einnahme die Nebenwirkungen scheinbar nicht erhöht.

Die Zahl der Todesfälle im Zeitrahmen der Studie unterschied sich nicht zwischen den beiden Wirkstoffen. Insgesamt starben 831 Frauen; 60 Prozent (500) an den Folgen eines Rezidivs und 40 Prozent (331) auf Grund anderer Ursachen. Eine Reduktion der Todesfälle in der Anastrozol-Gruppe um 12 Prozent war nicht signifikant. Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass sich auch bei Tamoxifen im Vergleich zu Placebo erst nach siebenjähriger Studiendauer Unterschiede in der Lebenserwartung zeigten. Des Weiteren lasse die signifikant geringere Wiederkehr des Tumors unter Anastrozol vermuten, dass sich dies langfristig positiv auf die Lebenserwartung auswirken könne.

Auf Grund dieser Ergebnisse plädiert der britische Studienleiter Anthony Howell, vom Christie Hospital in Manchester, dafür, Brustkrebspatientinnen auf den Aromatasehemmer Anastrozol umzustellen: Sein Fazit: Eine fünfjährige Behandlung mit Anastrozol sollte als Behandlung der ersten Wahl für postmenopausale Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs in Betracht gezogen werden.

 

Vorteil auch bei Umstellung Auch Patientinnen, die nach anfänglicher Tamoxifen-Therapie auf Anastrozol umgestellt wurden, profitieren. Dies belegte die kombinierte Analyse zweier Studien (ABCSG 8 und ARNO 95). Nach 28 Monaten Nachbeobachtungszeit zeigte sich, dass mit der Umstellung auf Anastrozol nach zwei Jahren das rezidivfreie Überleben postmenopausaler Frauen mit hormonabhängigem frühen Mammakarzinom im Vergleich zur weitergeführten Tamoxifen-Therapie signifikant verbessert werden konnte. Das relative Risiko, unter Anastrozol einen Rückfall zu erleiden, war um 41 Prozent niedriger als unter Tamoxifen. Allerdings haben Patientinnen von der adjuvanten Therapie dann den größten Benefit, wenn diese von Anfang an eingesetzt wird, da unter Tamoxifen das höchste Rezidivrisiko und die schlechteste Tumorkontrolle in den ersten drei Jahren nach einer Operation bestehen.

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