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Hepatitis weiter auf dem Vormarsch

05.06.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON MERAN

Hepatitis weiter auf dem Vormarsch

Ulrich Brunner, Meran

Obwohl es heute hoch effektive Impfstoffe, eine immer bessere Diagnostik und gute Therapieansätze gibt, steigt weltweit die Zahl der Menschen, die an einer Hepatitis erkranken. Dabei sind vor allem Hepatitis-Viren vom Typ B und C weiter auf dem Vormarsch. Das Robert-Koch-Institut in Berlin rechne alleine in Deutschland mit 500.000 chronischen Hepatitis-C-Trägern plus einer hohen Dunkelziffer, berichtete Privatdozent Dr. Thomas vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam.

Gerade das Hepatitis-C-Virus (HCV) bereitet Medizinern Kopfzerbrechen. Es besitzt eine hohe genetische Variabilität, kann sich rasch im Körper vermehren und befällt neben den Hepatozyten auch Lymphozyten. Die HCV-Infektion verläuft in 80 Prozent der Fälle chronisch. Die Folge: Wie bei der HBV-Infektion erkranken die Betroffenen später oft an einer Leberzirrhose und später an einem Leberkarzinom. "Auch bei den Übertragungswegen bleiben noch einige Fragezeichen", sagte Weinke. Drogenabhängige und Gefängnisinsassen steckten sich zwar besonders häufig an. Bei 50 Prozent aller Neuinfektionen sei der Übertragungsweg aber unbekannt.

Inzwischen haben Forscher neben den Genotypen 1 bis 6 auch verschiedene Subtypen des HC-Virus charakterisiert. In der Bundesrepublik sei der Genotyp 1 mit über 86 Prozent am weitesten verbreitet, sagte der Mediziner. Fatal, denn gerade dieser lasse sich nur sehr schlecht behandeln.

Laut Weinke spricht nur bei 29 Prozent der Patienten eine Monotherapie mit a-Interferonen an. Die Betroffenen sollten daher zusätzlich Ribavirin erhalten. Hier liege die Ansprechrate selbst unter Relapsepatienten bei 50 Prozent. Je früher man zudem mit der Kombinationsbehandlung beginne, desto besser seien die Heilungschancen.

Das erst vor kurzem eingeführte Consenus-Interferon habe die hohen Erwartungen nicht erfüllen können, meinte der Referent. Das künstliche Interferon sei nicht wirksamer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate. Als therapeutischen Fortschritt bezeichnete Weinke dagegen die kurz vor der Zulassung stehenden PEG-Interferone, die nur noch einmal pro Woche appliziert werden müssen. Hierbei handelt es sich um herkömmliches a-Interferon, das an Polyethylenglykol-Moleküle gebunden ist, und daher im Körper langsamer abgebaut wird.

Im Gegensatz zum HCV kann man sich gegen HA- und HB-Viren mit einer Impfung schützen. Da besonders Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder nach einem Erstkontakt mit HBV häufig an chronischer Hepatitis erkranken, weil ihr Immunsystem noch nicht voll ausgebildet ist, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) heute eine frühe Immunisierung, möglichst schon im dritten Lebensmonat. Nur so ließen sich dann auch langfristig die erheblichen Impflücken unter den Erwachsenen schließen, so Weinke. "Wer einmal einen Patienten mit Leberkarzinom gesehen hat, wird ein klarer Befürworter der Impfung."

Wie bei HCV hat sich auch beim Typ B eine Therapie mit a-Interferon bewährt. Sie spreche bei 30 bis 40 Prozent der Patienten an. Auch hier sollten die Betroffenen möglichst früh behandelt werden. Alternativ könnten eventuell Nukleosid-Analoga wie Lamivudin oder Famcilovir gegeben werden. Top

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