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Quark statt Cortison

27.11.2000  00:00 Uhr

UMFRAGE

Quark statt Cortison

von Stephanie Czajka, Berlin

Fast jedem zweiten Deutschen wurde schon einmal eine Cortisontherapie empfohlen. Jeder fünfte hat die Behandlung abgebrochen oder gar nicht erst damit begonnen. Aber 83 Prozent derjenigen, die noch nie behandelt wurden, stehen einer Cortisonbehandlung aufgeschlossen gegenüber. Dies sind die Ergebnisse einer telefonischen Umfrage bei über 2000 Deutschen. Auftraggeber der Advantan-Studie ist die Asche AG. Lutz Krause, Produktmanager bei Asche in Hamburg, stellte die wichtigsten Ergebnisse vor kurzem in Berlin vor.

Für Apotheker förderte die Studie eine interessante Nebeninformation zutage. Rund 40 Prozent der Befragten gaben an, sich grundsätzlich auch in der Apotheke über Medikamente zu informieren. Diejenigen aber, denen der Arzt eine topische Behandlung verordnete, fragten nur noch zu rund 10 Prozent in der Apotheke nach. Der Apotheker als Informationsquelle ist also bekannt, wird aber im Ernstfall nur selten konsultiert. Ärzte sind in beiden Fällen zu rund 85 Prozent wichtigster Informant, die Packungsbeilage studierten 60 bis 70 Prozent der Befragten.

Fast kein Befragter lehnte die klassische Medizin grundsätzlich ab, aber rund 30 Prozent standen ihr "eher kritisch" gegenüber. Während der Begriff "Cortison" 60 bis 70 Prozent der Patienten als Wirkstoff eines Medikamentes bekannt war, konnten über 55 Prozent mit dem Begriff "Steroid" nichts anfangen. "Aufschwemmung" fürchten die Patienten mit Hautkrankheiten als Nebenwirkung am stärksten. Dabei sei diese Angst unbegründet, sagte Professor Dr. Wolfram Sterry, Dermatologe der Charité in Berlin. Bei topischer Behandlung träten Nebenwirkungen heutzutage nur auf ,wenn falsch diagnostiziert oder Art, Wirkstärke und Salbengrundlage des Corticoids nicht richtig ausgesucht wurden beziehungsweise wenn die Behandlungdauer nicht angemessen sei oder schwerste Krankheitsbilder vorlägen. Auch Kombinationen aus einem Antibiotikum, Corticoid und Fungizid bezeichnete er als ärztlichen Kunstfehler.

Die Studie ergab zudem, dass Verweigerer und Abbrecher signifikant kürzer beraten wurden als Patienten, die eine Therapie mit topischen Corticoiden zu Ende führten. Immerhin 27 Prozent der Verweigerer gaben an, dass man sie gar nicht informierte, und weitere 34 Prozent, dass sie weniger als fünf Minuten beraten wurden. 39 Prozent derjenigen, die eine Therapie abbrachen, fühlten sich vom Arzt nicht ausreichend informiert.

Eine weit verbreitete Cortison-Phobie gibt es also nicht, lautete Krauses Fazit. Grund für den Abbruch einer Therapie sei häufig "ein ungutes Gefühl" gewesen, berichtete er. In Einzelfällen erhielten die Interviewer auch Antworten wie "..weil schon einmal jemand wegen Cortison ins Koma gefallen ist" oder "...weil Quark genauso gut" wirkt. Top

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